Eine Mehrheit der Deutschen wünscht sich einen Pause-Knopf für technologische Entwicklungen. KI wird als Technologie mit dem größten Einfluss gesehen, doch die Akzeptanz ist mit nur 40 Prozent niedrig.
KI-basiertes Cockpit: KI ist nach Einschätzung der Befragten die Technologie sowohl mit größtem positiven als auch größtem negativen Einfluss.
(Bild: Bosch)
Das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz (KI) kann kommen – darin ist sich die Mehrheit der weltweit mehr als 11.000 für den diesjährigen Bosch Tech Compass befragten Personen einig. Noch nie sahen die Befragten Künstliche Intelligenz in so einem positiven Licht wie bei der diesjährigen Erhebung: Eine Mehrheit glaubt, dass KI die einflussreichste Technologie der kommenden Jahre wird und von allen Technologien den größten positiven Einfluss auf die Gesellschaft haben wird. Mehr als die Hälfte aller Befragten weltweit fühlt sich bereit für die Veränderungen durch Künstliche Intelligenz. Allerdings zeichnet sich auch eine gewisse Fortschrittsmüdigkeit ab: 57 Prozent wünschen sich zugleich einen Pause-Knopf und würde gerne die technologische Entwicklung bremsen, bis wir ihre Auswirkungen besser verstehen können.
Deutsche mit höchsten Erwartungen an KI
In Deutschland sind die mit KI verbundenen Erwartungen besonders hoch: 77 Prozent der Befragten hierzulande sehen in KI die einflussreichste Technologie der kommenden zehn Jahre. Doch wie auch in den Vorjahren ist gleichzeitig die Skepsis gegenüber technologischem Fortschritt bei den Befragten in Deutschland verhältnismäßig groß. Nur 59 Prozent glauben, dass Technologie die Welt besser machen wird – lediglich in Frankreich (53 Prozent) sind die Menschen noch skeptischer. Weltweit sind indes 71 Prozent Technologieoptimisten. Hierzulande fühlen sich aktuell nur 40 Prozent auf das KI-Zeitalter vorbereitet – der niedrigste Wert unter allen Ländern und auf dem gleichen Niveau wie im Vorjahr. Eine Antwort darauf, woher die Technologieskepsis in Deutschland kommt, könnten zwei weitere Ergebnisse liefern: Nur 30 Prozent der Befragten in Deutschland sagen, dass das Bildungssystem innovatives Denken bei ihnen gefördert hat und nur 23 Prozent finden, dass die Regulierung im Land Innovation erfolgreich fördert – in beiden Punkten ist Deutschland damit Schlusslicht. "Die Ergebnisse des Bosch Tech Compass deuten darauf hin, dass wir in Deutschland die gesellschaftliche Akzeptanz für Innovationen steigern müssen", sagt Stefan Hartung, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH. Hartung weiter:
Um Innovation von der Forschung auf die Straße zu bekommen, müssen aber auch die innovationspolitischen Rahmenbedingungen stimmen: Dazu gehören etwa Maßnahmen wie steuerliche Entlastung für Investitionen in innovative Technologien, mehr Agilität und weniger Bürokratie. Insgesamt würde ich uns als Gesellschaft mehr Mut zum Risiko wünschen. Und wenn etwas nicht funktioniert, dann sollten wir dies nicht als Scheitern sehen, sondern als Teil des Lernprozesses.
In Deutschland sind die mit KI verbundenen Erwartungen besonders hoch: 77 Prozent der Befragten hierzulande sehen in KI die einflussreichste Technologie der kommenden zehn Jahre.
(Bild: Bosch)
Tanja Rückert, Mitglied der Geschäftsführung und CDO der Robert Bosch GmbH, sagt zu den Ergebnissen: „Wir sehen weltweit eine rasch wachsende Zahl innovativer KI-Lösungen, wie wir sie uns vor wenigen Jahren noch nicht vorstellen konnten. Daher ist es nicht überraschend, dass die Zahl der Menschen, die KI als die einflussreichste Technologie unserer Zukunft sehen, in nur drei Jahren weltweit von 41 Prozent auf 70 Prozent in die Höhe geschnellt ist.“
59 Prozent würden ihr Kind zur Gründung eines Start-ups ermutigen
Die positive Haltung zu Innovation und Risiko ist auch eine kulturelle Frage: 59 Prozent der Befragten weltweit würden ihr Kind ermutigen, die Hochschule zu überspringen und ein Start-up zu gründen, wenn dieses eine bahnbrechende Idee hätte. Diesen Mut zum Risiko teilen nur 52 Prozent der deutschen Befragten. Dabei entstehen nur durch diesen Mut die Lösungen von morgen. Gefragt nach den Feldern, auf die technologische Innovation fokussiert werden sollte, wurden weltweit am häufigsten der Klimawandel (37 Prozent), der Zugang zu Gesundheitsleistungen (31 Prozent) sowie Cyber-Sicherheit (28 Prozent) genannt.
KI mit größtem positiven und größtem negativen Einfluss
Den Befragten zufolge wird Künstliche Intelligenz nicht nur die einflussreichste Technologie der kommenden zehn Jahre sein, sondern auch die mit dem größten positiven Einfluss auf die Gesellschaft. Davon gehen 43 Prozent weltweit aus. Mit klarem Abstand dahinter folgen Biotechnologie und Climate Engineering, denen 36 Prozent beziehungsweise 32 Prozent einen besonders positiven Einfluss zutrauen.
Tanja Rückert: „Für uns bei Bosch ist das ein klarer Auftrag: Innovation muss mit Verantwortung einhergehen. Gerade beim Thema KI ist es daher wichtig, dass wir weltweit Regeln für eine vertrauenswürdige KI einführen. Gleichzeitig muss vermieden werden, dass die Entwicklung und Nutzung von KI durch Überregulierung beschnitten wird."
(Bild: Bosch)
Doch die Befragten sehen eine Kehrseite: Auch bei den negativen Auswirkungen auf die Gesellschaft rangiert Künstliche Intelligenz ganz oben vor allen anderen Technologien und wird von 34 Prozent genannt. Humanoide Roboter und selbstfahrende Fahrzeuge folgen dahinter.
Stand: 16.12.2025
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Bosch Tech Compass
Für den Bosch Tech Compass hat die Gesellschaft für Innovative Marktforschung mbH (GIM) im Herbst 2025 insgesamt mehr als 11 000 Personen über 18 Jahren in sieben Ländern befragt. In Deutschland, Frankreich und dem Vereinigten Königreich nahmen jeweils 1.000 Personen teil, in Brasilien, China, Indien und den USA jeweils 2.000 Personen. Bosch ist zu keinem Zeitpunkt der Befragung als Auftraggeber genannt worden.