Getriebeöle beeinflussen Funktion und Effizienz vom Getriebe. Ein optimierter Schmierstoff steigert die Langlebigkeit stark und lohnt sich deshalb wirtschaftlich in vielen Fällen.
Hochleistungsschmierstoffe machen Getriebe allgemein effizienter, senken den Energieverbrauch und verlängern Wartungsintervalle.
(Bild: Klüber Lubrication)
Wird Reibung zwischen beweglichen Teilen durch eine optimierte, maßgeschneiderte Schmierung reduziert, wirkt sich dies unmittelbar auf den Energiebedarf einer Maschine aus. Denn jeder Prozentpunkt geringerer Reibung schlägt sich direkt im Energieverbrauch nieder. Vor diesem Hintergrund wird deutlich: Schmierung ist kein rein wartungstechnisches Detail, sondern ein zentraler Effizienzfaktor. Und selbst moderate Investitionen in diesem Bereich können erhebliche Einsparungen bedeuten.
Hochleistungsschmierstoffe machen Getriebe allgemein effizienter, senken den Energieverbrauch, und verlängern Wartungsintervalle. Diesen Vorteilen steht ein vergleichsweise geringer Implementierungsaufwand gegenüber.
Reibungsverluste im Getriebe reduzieren
In industriellen Anwendungen entstehen Reibungsverluste zu einem großen Teil in Getrieben – dementsprechend hoch sind hier die Optimierungspotenziale. Das zeigt zum Beispiel die Umstellung der Getriebeschmierung von Extrudern bei Graham Packaging. Das weltweit aktive Unternehmen stellt Kunststoffverpackungen für die Lebensmittel- und andere Branchen her, auch im belgischen Rotselaar. Angesichts der großen Produktionsmengen suchten die Verantwortlichen dort nach neuen Wegen, die Reibungsverluste in den Getrieben der Extruder mit einer Ölkapazität von 50 bis 70 Liter zu minimieren.
Bisher wurde dort ein NSF‑H1-registriertes Schmieröl (ISO VG 320) auf Polyalphaolefin-Basis verwendet. Labortests von Klüber Lubrication attestiertem diesem eine solide Qualität, zeigten jedoch auch Ansatzpunkte für deutliche Effizienzsteigerungen. Für diese konkrete Anwendung erwies sich das auf Polyglykol basierende, NSF‑H1-registrierte Schmieröl Klübersynth UH1 6‑320 als deutlich leistungsfähigere Alternative.
Das synthetische Hochleistungsgetriebeöl wurde speziell für die Lebensmittel- und Pharmaindustrie entwickelt und zeichnet sich durch eine hohe Fresstragfähigkeit aus. Das heißt: Die damit geschmierten Getriebe werden auch bei hohen Spitzenlasten, fehlendem Einlauf, Vibrationen und Schwingungen ausreichend vor Fressschäden geschützt. Der ausgezeichnete Verschleißschutz für sowohl Zahnräder als auch Wälzlager ermöglicht eine lange Lebensdauer dieser Komponenten und eine Reduzierung der Instandhaltungs- und Reparaturkosten.
Durch die Umstellung im Werk Rotselaar von Graham Packaging konnte eine Energieeinsparung von 2,1 % erzielt werden, wodurch sich die Investition bereits nach 11 Monaten amortisierte. „Darüber hinaus hat uns die Kombination aus Energiemessung und Polyglykol‑Getriebeöl dabei unterstützt, die Auditanforderungen an Energieeinsparungen zu erfüllen und unsere Nachhaltigkeitsziele zu erreichen“, fasst Johan Van Diest, Technical Manager Graham Packaging, zusammen.
Eine Optimierung des Schmierstoffs kann sich in vielen Fällen lohnen.
Wie diese Ergebnisse belegen, beeinflussen Schmierstoffe das Reibungs- und Verschleißverhalten maßgeblich. Die positiven Effekte sind dabei keineswegs auf Getriebe beschränkt: Abhängig vom Schmierregime sowie den jeweiligen Betriebsbedingungen können sie überall dort, wo sich Bauteile relativ zueinander bewegen, zur Ausbildung eines tragfähigen Schmierfilms beitragen und Verschleiß reduzieren, insbesondere im Misch- und Grenzreibungsbereich. Durch einen geringeren Reibungskoeffizienten sinkt nicht nur der Energiebedarf, sondern auch die Bauteiltemperatur. Das reduziert die thermische Belastung und verlängert die Lebensdauer von Komponenten. Darüber hinaus werden Wartungsintervalle vergrößert, wodurch die Verfügbarkeit der Anlagen gesteigert wird.
Für Autor Marcel Riß verschaffen sich Unternehmen, die kontinuierliche Effizienzfortschritte nachweisen können, ein klares Differenzierungsmerkmal im Wettbewerb.
(Bild: Klüber Lubrication)
Diese Effekte werden umso größer, je exakter der Schmierstoff auf die jeweilige Anwendung zugeschnitten ist. Besondere Vorteile bieten hier speziell formulierte synthetische Produkte: Im Vergleich zu mineralölbasierten Schmierstoffen bieten sie eine verbesserte Oxidationsstabilität, geringere Verdampfungsverluste und eine konstantere Performance über weite Temperaturbereiche hinweg. Das Resultat sind stabilere Prozesse, weniger ungeplante Stillstände und geringere Instandhaltungskosten. Als weiterer Vorteil ermöglichen synthetische Schmierstoffe häufig eine verbesserte Umweltbilanz gegenüber mineralölbasierten Schmierstoffen, etwa durch längere Standzeiten, geringeren Schmierstoffverbrauch oder eben reduzierten Energiebedarf.
Evidenzbasierter Ansatz
Im Rahmen eines strukturierten, datenbasierten Ansatzes liefern transparente Messungen im Einklang mit anerkannten Standards wie ISO 50001 und dem IPMVP (International Performance Measurement and Verification Protocol) die notwendigen Daten für regulatorische Compliance, ESG‑Reporting und strategische Planung. Dieser evidenzbasierte Prozess schafft ein konsistentes Leistungsbild und unterstützt die Entscheidungsfindung in Engineering, Nachhaltigkeit und Finanzen.
Ein weiterer Vorteil liegt in der Skalierbarkeit: Validierte Schmierkonzepte lassen sich standortübergreifend ausrollen. Dadurch entstehen standardisierte Effizienzgewinne über ganze Produktionsnetzwerke hinweg. Gleichzeitig sinkt mit dem reduzierten Energieverbrauch die Kostensensitivität gegenüber volatilen Energiepreisen, was die Planbarkeit verbessert.
Stand: 16.12.2025
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Durch die Umstellung im Werk Rotselaar von Graham Packaging konnte eine Energieeinsparung von 2,1 % erzielt werden, wodurch sich die Investition bereits nach 11 Monaten amortisierte.
Geringe Einstiegshürden
Hochleistungsschmierstoffe machen Getriebe allgemein effizienter, senken den Energieverbrauch, und verlängern Wartungsintervalle. Diesen Vorteilen steht ein vergleichsweise geringer Implementierungsaufwand gegenüber. Unternehmen, die kontinuierliche Effizienzfortschritte nachweisen können, verschaffen sich ein klares Differenzierungsmerkmal im Wettbewerb. Die Reduzierung von Reibung wird so von einer technischen Detailfrage zu einem strategischen Instrument – und verwandelt einen unsichtbaren Energieverlust in einen messbaren wirtschaftlichen Vorteil. Damit dies gelingt, empfiehlt sich ein systematischer Ansatz, der technische Expertise, anwendungsspezifische Auslegung und eine transparente Validierung der Ergebnisse verknüpft.
Marcel Liß ist Energy Efficiency Ambassador bei der Klüber Lubrication Deutschland GmbH & Co. KG, München.