Vorserienfertigung und Einkauf Autonome Beschaffung beschleunigt die Entwicklung

Ein Gastbeitrag von Antje Hollis 4 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

In der Vorserie kostet die Beschaffung von Fertigungsteilen Zeit. Digitale Plattformen liefern Preise, Fertigbarkeit und Lieferzeiten sofort – und schaffen Raum für mehr Entwicklungsschleifen, die Produktreife.

Bei der Entwicklung von Vorserienteilen gewinnen Konstruktion und Projektingenieure durch schnelle, eigenständige Beschaffung wertvollen Spielraum – innerhalb der klaren Leitplanken des Einkaufs. (Bild:  Daniel Ingold - © Imago/Westend61)
Bei der Entwicklung von Vorserienteilen gewinnen Konstruktion und Projektingenieure durch schnelle, eigenständige Beschaffung wertvollen Spielraum – innerhalb der klaren Leitplanken des Einkaufs.
(Bild: Daniel Ingold - © Imago/Westend61)

Doch während die für Prototypen benötigten Standard- und Katalogteile schnell bestellt sind, sind Angebotsphase und Beschaffung bei konstruierten Fertigungsteilen um ein Vielfaches komplexer, zeit- und abstimmungsintensiver. Die Beschaffungsdauer solcher individueller Vorserienteile ist damit nicht allein Sache des Einkaufs: Sie wirkt unmittelbar in die Produktentwicklung hinein. Digitale Fertigungsplattformen setzen genau hier an – nicht nur als reines Einkaufswerkzeug, sondern als Instrument, das Konstrukteuren und Projektingenieuren Tempo und Handlungsspielraum verschafft.

Warten auf Angebot und Lieferung bedeutet teuren Projektstillstand

Das Szenario ist vielen aus der Vorserien-Projektpraxis vertraut: Die Konstruktionszeichnung ist fertig, die ersten Teile für den Prototypenaufbau werden benötigt, und ab hier beginnt das Warten. Zeichnungen und Bedarfsanfragen gehen entweder an den Einkauf zur Bearbeitung oder die Konstruktion versendet sie selbst per E-Mail an mögliche Fertiger. Deren Rückmeldungen müssen koordiniert und verglichen werden. Fehlt ein Maß in der Zeichnung, kommt eine technische Rückfrageschleife hinzu. Bis zur Bestellung vergehen so mehrere Tage. Anschließend legt der operative Einkauf die Artikel im System an. Derselbe Ablauf wiederholt sich bei jeder Bauteiländerung, die ein Testzyklus nach sich zieht. Währenddessen ist das Projektteam gebunden und die Projektkosten laufen weiter.

Das eigentliche Problem liegt dabei nicht in ineffizienten Workflows, sondern in der anspruchsvollen Ausgangslage der Vorserienbeschaffung selbst: kleine Losgrößen, hohe Variantenvielfalt, kaum zwei ähnliche Teile, und für viele Bauteile noch kein etablierter Lieferant. Passende Partner zu finden, die kleine Stückzahlen zuverlässig und marktgerecht liefern, kostet zusätzlich Zeit.

Autonom beschaffen und agiler entwickeln ist kein Widerspruch zu klaren Einkaufsprozessen, sondern deren konsequente Weiterentwicklung.

Schnelle Beschaffung schafft Raum für mehr Entwicklungszyklen

Serienreife entsteht durch Iteration. Jede Entwicklungsschleife bringt neue Erkenntnisse, jeder Test zeigt Optimierungspotenzial, das sich vor dem Serienanlauf umsetzen lässt. Eine kürzere Beschaffungsdauer vergrößert bei gleichbleibender Projektlaufzeit den Spielraum für ebendiese Schleifen. Wer schneller an die Bauteile kommt, geht mit einem reiferen Produkt in die Serie. Das rechnet sich auch direkt: Verzögerungen im Prototypenaufbau erzeugen Mehrkosten, während gebundene Ressourcen weiterlaufen.

Fertigbarkeit, Preise und Lieferzeiten – ohne Wartezeit

Digitale Plattformen wie Spanflug BUY können den Zeitpunkt, zu dem belastbare Kosten- und Fertigbarkeitsinformationen vorliegen, in die Konstruktionsphase vorverlagern. Auf Basis von CAD-Modell und technischer Zeichnung erhalten Anwender innerhalb einer Minute Preise, Lieferzeiten und ein Fertigbarkeitsfeedback für Dreh-, Fräs- und Blechteile – ohne den Einkauf als Zwischenschritt und ohne auf Lieferantenrückmeldungen zu warten. Das klassische Hin und Her zwischen Konstruktion, Einkauf und Lieferant entfällt. Die nötigen Informationen liegen digital vor, sobald die Entscheidung ansteht. Zudem gibt die Fertigbarkeitsprüfung der Konstruktion schon früh Rückmeldung: Kostentreiber und kritische Details fallen sofort auf und lassen sich beheben, bevor sie den Prozess aufhalten.

Für die Konstruktion bedeutet das: Die Auswirkungen jeder Iteration lassen sich sofort überprüfen. Material, Toleranzen und Oberflächen lassen sich durchspielen, um die kostenoptimale Variante zu finden – ein Design-to-Cost-Effekt ohne eigenes Cost-Engineering-Team und ohne Spezialsoftware.

Ist die passende Variante gefunden, richtet sich die Bauteilbeschaffung nach den betrieblichen Abläufen. Spanflug bietet dafür drei Wege: Bauteile lassen sich unter eindeutigen Artikelnummern an den Einkauf übergeben, als Angebots-PDF exportieren oder direkt mit wenigen Klicks bestellen.

Zur Auftragsbearbeitung für die bestellten Bauteile setzt Spanflug auf verteilte Fertigung in einem Netzwerk mit über 8.000 Maschinen in der EU und übernimmt die gesamte Abwicklung. Die aufwändige Suche nach dem passenden Fertiger mit Recherche, Anbahnung und Lieferkoordination entfällt und alle Teile der Stückliste kommen aus einer Hand.

Mit Spanflug BUY lassen sich kundenspezifische Fertigungsteile automatisiert, KI- und datengestützt beschaffen und in einem europaweiten Partnernetzwerk mit mehr als 8.000 Maschinen fertigen. (Bild:  Spanflug - © guteksk7/stock.adobe.com)
Mit Spanflug BUY lassen sich kundenspezifische Fertigungsteile automatisiert, KI- und datengestützt beschaffen und in einem europaweiten Partnernetzwerk mit mehr als 8.000 Maschinen fertigen.
(Bild: Spanflug - © guteksk7/stock.adobe.com)

Autonom, aber nicht am Einkauf vorbei

Mehr Autonomie in der Angebotsphase wirft eine berechtigte Frage auf: Wie fügt sich das eigenständige Ermitteln von Preisen und Lieferzeiten in bestehende Einkaufsprozesse ein, ohne sie zu unterlaufen? Dies lässt sich über Rahmenbedingungen für den Plattform-basierten Einkauf lösen, die in der Hand des Einkaufs bleiben. Dazu zählen auch unternehmensweit ausgehandelte Konditionen, definierte Rollen und Rechte sowie Freigabegrenzen für Bestellungen. Bei Spanflug sind diese Anforderungen durch ein organisationsbasiertes Software-Design und ein Teamwork-Modul zum Rechtemanagement abgebildet.

Wer tiefer integrieren möchte, bindet die Plattform beispielsweise per OCI-Schnittstelle an das eigene ERP- oder eProcurement-System an. Spanflug BUY erscheint dann neben den Standard-Katalogen direkt in der Einkaufsoberfläche. Kostenträger und Bestellnummern werden automatisch zugeordnet und unterhalb definierter Auftragshöhen können Bestellungen ohne manuellen Eingriff durchlaufen. Der Einkauf wird so im Tagesgeschäft entlastet und gewinnt Zeit für strategische Aufgaben – ohne Kontrolle abzugeben.

Während die für Prototypen benötigten Standard- und Katalogteile schnell bestellt sind, sind Angebotsphase und Beschaffung bei konstruierten Fertigungsteilen um ein Vielfaches komplexer, zeit- und abstimmungsintensiver.
Spanflug fügt sich nahtlos in bestehende Unternehmensprozesse ein, vom Rollen- und Rechte-Management bis zur Integration in ERP/E-Procurement-Systeme. (Bild:  Spanflug)
Spanflug fügt sich nahtlos in bestehende Unternehmensprozesse ein, vom Rollen- und Rechte-Management bis zur Integration in ERP/E-Procurement-Systeme.
(Bild: Spanflug)

Eine Plattform auch für komplexe Anforderungen

Bei aller Effizienz haben Plattformlösungen klare technische Grenzen. Sofortangebote decken definierte Fertigungsverfahren und Geometrien ab – bei Spanflug sind das derzeit Dreh-, Fräs- und Blechteile. Besondere Werkstoffe, spezielle Toleranzanforderungen, weitere Verfahren wie 3D-Druck und Baugruppen laufen über den Projektanfrageweg. Hierbei arbeiten Experten, automatisierte Prozesse und intelligente Algorithmen Hand in Hand. Eine Rückmeldung erfolgt in der Regel innerhalb von 48 Stunden, während Bestellung und Fertigung dann genauso schnell wie bei Sofortangeboten gehen.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Fazit: Mehr Entwicklungstempo, klare Einkaufsleitplanken

Die Angebots- und Lieferdauer für Vorserienteile ist eine zentrale Stellschraube der Produktentwicklung. Wer sie verkürzt, verbessert den Handlungsspielraum der Entwicklung: Konstruktion und Projektingenieure gewinnen Autonomie und Tempo, der Einkauf behält die Hoheit über den Rahmen. Autonom beschaffen und agiler entwickeln ist damit kein Widerspruch zu klaren Einkaufsprozessen, sondern deren konsequente Weiterentwicklung.

Antje Hollis arbeitet in der Abteilung PR & Content Marketing bei der Spanflug Technologies GmbH.