Arbeitsvorbereitung Fünf Datenprobleme im CAD/CAM-Prozess

Von Jennifer Lang 4 min Lesedauer

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Warum führen korrekte CAD-Modelle zu Mehraufwand in der Arbeitsvorbereitung? Die Ursache liegt selten in den Daten selbst, sondern in ihrer Interpretation. Fünf typische Datenprobleme zeigen, wo der Zusammenhang im CAD/CAM-Prozess verlorengeht.

Wenn Konstruktionsdaten nicht 1:1 in der Fertigung ankommen, beginnt die eigentliche Arbeit.(Bild:  Bechle PLM)
Wenn Konstruktionsdaten nicht 1:1 in der Fertigung ankommen, beginnt die eigentliche Arbeit.
(Bild: Bechle PLM)

NC-Programme müssen nachgearbeitet, Referenzen überprüft und Bearbeitungen neu bewertet werden, obwohl die zugrundeliegenden CAD-Modelle geometrisch korrekt sind. Dieses Muster zeigt sich in vielen Fertigungsbetrieben immer wieder. Der zusätzliche Aufwand entsteht selten durch fehlerhafte Daten, sondern durch eine fehlende Eindeutigkeit in ihrer fertigungstechnischen Einordnung. Damit wird deutlich: Ein identischer Datenstand führt nicht automatisch zu einer eindeutigen Interpretation.

Konstruktion und Arbeitsvorbereitung: gleiche Daten, unterschiedliche Lesart

Konstruktion und Arbeitsvorbereitung greifen auf denselben Datensatz zu, verfolgen dabei jedoch unterschiedliche Ziele. Während in der Konstruktion die geometrische Konsistenz im Vordergrund steht, geht es in der Arbeitsvorbereitung darum, aus dem Modell eine belastbare Bearbeitungslogik abzuleiten.

In vielen Unternehmen wird angestrebt, auf einen gemeinsamen, konsistenten Datenstand zuzugreifen. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass selbst bei identischen Daten unterschiedliche Sichten bestehen. Konstruktion, Arbeitsvorbereitung und CAM benötigen jeweils andere Informationen und interpretieren denselben Datensatz aus ihrem jeweiligen Kontext. Allein ein gemeinsamer Datenstand reicht daher nicht aus – entscheidend ist, ob sich der Zusammenhang zwischen Modellstruktur, Referenzen und Bearbeitungsdefinition eindeutig erschließen lässt. Damit wird deutlich, dass ein identischer Datenstand nicht automatisch zu einer identischen Interpretation führt.

Warum diese Probleme strukturell entstehen

Zwischen digitaler CAM-Planung und realer Bearbeitung klaffen oft Lücken, die Fertigende kurzfristig schließen müssen.(Bild:  Bechle PLM)
Zwischen digitaler CAM-Planung und realer Bearbeitung klaffen oft Lücken, die Fertigende kurzfristig schließen müssen.
(Bild: Bechle PLM)

Technisch betrachtet liegt die Ursache darin, dass CAD-Modelle primär Geometrie beschreiben, während für die Fertigung zusätzlich eine eindeutige Verknüpfung von Referenzen, Bearbeitungsdefinitionen und deren Abhängigkeiten erforderlich ist. Solange diese Ebenen nicht konsistent miteinander verbunden sind, entsteht bei Änderungen oder Übergaben zwangsläufig Interpretationsbedarf. In der Praxis bedeutet dies, dass Bearbeitungslogik nicht eindeutig aus dem Datenstand abgeleitet werden kann, sondern wiederholt neu hergestellt werden muss. Gerade in Umgebungen mit variantenreicher Fertigung oder häufigen Änderungen verstärkt sich dieser Effekt deutlich.

Diese strukturelle Lücke zeigt sich im Alltag nicht isoliert, sondern in einer Reihe wiederkehrender Situationen. Daten sind vorhanden, ihre fertigungstechnische Bedeutung muss jedoch immer wieder neu erschlossen werden. Typischerweise lassen sich daraus fünf Datenprobleme beobachten:

1. Fehlende Abbildung der Fertigungslogik im Modell: CAD-Modelle enthalten vollständige Geometrie, jedoch nicht zwingend die zugrunde liegende fertigungstechnische Logik. Welche Flächen als Referenz dienen oder wie eine Aufspannung gedacht ist, bleibt häufig implizit. Für die Arbeitsvorbereitung bedeutet das, dass diese Zusammenhänge aus dem Modell abgeleitet werden müssen. Diese Ableitung basiert auf Erfahrung und Kontext, sie ist korrekt, aber nicht eindeutig reproduzierbar. Sobald sich Rahmenbedingungen ändern, muss dieser Zusammenhang erneut hergestellt werden.

2. Referenzsysteme sind nicht konsistent definiert: Referenzen lassen sich technisch bestimmen, sind jedoch nicht immer eindeutig an die Bearbeitungslogik gebunden. In der Praxis werden Bezugssysteme abhängig von Aufspannung, Maschine oder Bearbeitungsstrategie gewählt. Diese Entscheidungen bleiben häufig implizit und sind nicht durchgängig im Datenmodell abgebildet. Damit fehlt eine stabile Grundlage für die Weiterverarbeitung. Nicht weil Referenzen fehlen, sondern weil ihre Anwendung nicht eindeutig nachvollziehbar ist.

3. Modelländerungen sind nicht fertigungstechnisch eingeordnet: Modelländerungen zeigen, dass sich Geometrie verändert hat, nicht jedoch, welche Auswirkungen dies auf bestehende Bearbeitungen hat. Gerade bei referenzbasierten Bearbeitungen führt dies dazu, dass Änderungen im Gesamtkontext bewertet werden müssen. Die Arbeitsvorbereitung ist gezwungen, Abhängigkeiten zwischen Geometrie, Referenzen und Bearbeitungsdefinition neu zu prüfen.

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4. Fertigungslogik ist nicht im Datensatz verankert: Entscheidende Informationen zur Bearbeitungslogik, etwa zur Wahl von Referenzen oder Strategien, sind häufig nicht explizit im Datenmodell enthalten, sondern im Erfahrungswissen der Beteiligten verankert. Solange Prozesse stabil laufen, ist dieses Wissen verfügbar. Sobald jedoch Übergaben stattfinden oder Abläufe zeitlich unterbrochen werden, fehlt die Nachvollziehbarkeit. Der Datensatz beschreibt das Ergebnis, nicht jedoch die zugrunde liegende Entscheidung.

5. Übergaben trennen Daten von ihrem Kontext: Daten werden entlang der Prozesskette weitergegeben, ihr Kontext jedoch nicht zwingend. Annahmen, Abhängigkeiten und Entscheidungslogiken sind im nächsten Prozessschritt nicht mehr unmittelbar sichtbar. Mit jeder Übergabe steigt der Interpretationsaufwand. Die eigentliche Arbeit verschiebt sich vom Planen hin zum Nachvollziehen, aus einem datengetriebenen Ablauf wird ein kontextabhängiger Prozess.

Entscheidend ist die Lesbarkeit im Prozess

Die beschriebenen Datenprobleme entstehen nicht, weil Daten fehlen oder falsch sind, sondern weil ihr Zusammenhang im Prozess nicht durchgängig erhalten bleibt. Ein stabiler CAD/CAM-Prozess setzt voraus, dass Referenzen, Abhängigkeiten und Bearbeitungslogik so im Datenmodell abgebildet sind, dass sie auch nach Änderungen und Übergaben eindeutig interpretierbar bleiben. Dies gelingt etwa mit einer integrierten CAD/CAM-Software. Sie verbindet Konstruktion (CAD) und Fertigung (CAM) in einer gemeinsamen Systemumgebung. Konstruktion und NC-Programmierung arbeiten mit denselben 3D-Daten, sodass Bearbeitungen direkt aus dem Modell abgeleitet werden. Änderungen lassen sich dadurch konsistent und ohne Medienbrüche in die Fertigung übertragen.

Ermöglicht wird dies mit Solidworks CAM. Dabei handelt es sich um ein Add-on für Fräs- und Drehbearbeitungen, das kompatibel mit sämtlichen Solidworks-CAD-Versionen ist. Konstruktionen können so frühzeitig im Entwicklungszyklus auf ihre Fertigbarkeit vorbereitet werden. Wartezeiten bis zum Abschluss der Konstruktion gehören damit der Vergangenheit an. Als offizieller Solidworks-Partner verfügt Bechtle PLM über ein umfangreiches Fachwissen in diesem Bereich, bietet sowohl Online- als auch On-Demand-Schulungen an und berät Kunden darüber, wie sie ihr maximales Potenzial entfalten können.

Jennifer Lang ist Redakteurin bei Bechtle PLM.