CPQ-Systeme Warum Engineering heute im Angebotsprozess beginnt

Von Kiana Mostajabian 4 min Lesedauer

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Was nützt das beste Angebot, wenn es sich später nicht wirtschaftlich oder technisch umsetzen lässt? Moderne CPQ-Systeme schließen die Lücke zwischen Vertrieb, Engineering und Produktion, indem sie Konfigurationen bereits im Angebotsprozess validieren. So entstehen realisierbare Angebote, weniger Abstimmungsschleifen und effizientere Prozesse entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Typischer Angebotsprozess: Abstimmungsschleifen und wiederkehrende Korrekturen verzögern den Ablauf und erhöhen den Aufwand in Vertrieb, Engineering und Produktion. (Bild:  Revalize, Inc. and/or its affiliates)
Typischer Angebotsprozess: Abstimmungsschleifen und wiederkehrende Korrekturen verzögern den Ablauf und erhöhen den Aufwand in Vertrieb, Engineering und Produktion.
(Bild: Revalize, Inc. and/or its affiliates)

In vielen Fertigungsunternehmen entstehen Verzögerungen und Zusatzaufwände, noch bevor die Daten in der Produktion landen. Vor allem dann, wenn Kundenanforderungen nicht dem entsprechen, was die Fertigung tatsächlich leisten kann. Denn im Vertrieb werden Konfigurationen häufig erstellt, ohne alle technischen Abhängigkeiten zu berücksichtigen, und das Engineering wird zu spät mit einbezogen. Die Konsequenzen zeigen sich erst, wenn das Projekt bereits fortgeschritten ist. Sie reichen von aufwendigen Abstimmungsschleifen über verlängerte Durchlaufzeiten bis hin zu verringerten Margen.

Aus diesem Grund erwarten Unternehmen heute deutlich mehr von Configure Price Quote (CPQ)-Systemen als die reine Unterstützung der Angebotserstellung. Sie fragen nach modernen Lösungen, die technische, wirtschaftliche und produktspezifische Informationen zusammenführen und bereits während des Angebotsprozesses prüfen.

Produktkonfiguration als durchgängiger Bestandteil des Prozesses

In einem integrierten CPQ‑Prozess werden Konfiguration, Preisberechnung und technische Prüfung in einem Schritt durchgeführt. Ergebnisse lassen sich ohne Medienbrüche in Vertrieb, Engineering und Produktion weiterverarbeiten. (Bild:  Revalize, Inc. and/or its affiliates)
In einem integrierten CPQ‑Prozess werden Konfiguration, Preisberechnung und technische Prüfung in einem Schritt durchgeführt. Ergebnisse lassen sich ohne Medienbrüche in Vertrieb, Engineering und Produktion weiterverarbeiten.
(Bild: Revalize, Inc. and/or its affiliates)

Klassische CPQ-Systeme waren und sind in vielen Unternehmen vor allem Bestandteil der Vertriebsinfrastruktur. Sie helfen dabei, Produktvarianten zusammenzustellen, Preise zu kalkulieren und Angebote zu erstellen. Eine Anbindung an andere Unternehmensbereiche ist häufig nur begrenzt möglich. Moderne CPQ-Systeme bieten dafür erweiterte Funktionalitäten. Mit modernen CPQ-Lösungen lässt sich die Produktkonfiguration als Bestandteil eines durchgängigen Prozesses betrachten, in dessen Zentrum die systematische Abbildung der Produktlogik steht. Sie greifen auf hinterlegte Konstruktionsregeln sowie auf Daten aus ERP-, CRM- oder CAD-Systemen zu. So wird direkt überprüft, ob die Konfiguration tatsächlich hergestellt, kalkuliert und ausgeliefert werden kann, ohne nachgelagerte Abläufe zu beeinträchtigen. Das verhindert, dass der Vertrieb etwas verspricht, was die Fertigung nicht liefern kann. Gleichzeitig basieren Preise, statt auf Schätzungen aus vorherigen Quartalen, auf tatsächlichen Kosten und Margen. Der entscheidende Unterschied liegt im Zeitpunkt der Validierung: Wenn Entscheidungen bereits im Vertriebsprozess abgesichert werden, werden Fehler, Korrekturschleifen und Rückfragen von Anfang an reduziert und das Engineering entlastet. 

Wo Unternehmen heute in CPQ investieren

Diese Entwicklung zeigt sich auch in den aktuellen Investitionsschwerpunkten. Die im Smart Manufacturing Report 2026 von Revalize erhobenen Daten zeigen, dass Unternehmen CPQ gezielt erweitern, um Angebotsprozesse enger mit technischen und wirtschaftlichen Anforderungen zu verknüpfen:

  • 43 Prozent der befragten Unternehmen integrieren ihr CPQ-System mit dem CRM und schaffen eine direkte Verbindung zwischen Kundenanfrage und Angebotsprozess. 
  • 41 Prozent nutzen CPQ gezielt zur Produktkonfiguration, um fehlerhafte oder technisch nicht umsetzbare Kombinationen frühzeitig auszuschließen. 
  • Weitere 39 Prozent setzen CPQ für das Pricing-Management ein und ersetzen statische Preislisten durch dynamischere Modelle, die Kosten- und Margenziele besser berücksichtigen.

Anhand dieser Ergebnisse lässt sich sagen, dass Unternehmen CPQ zunehmend als Teil ihrer digitalen Infrastruktur betrachten. Die Technologie verbindet Prozesse, die bislang häufig in separaten Systemen und Abteilungen abliefen.

Zwischen Kundenanforderung und Umsetzbarkeit

Ein weiterer Grund für diese Entwicklung liegt darin, dass Vertrieb, Engineering und Produktion bisher häufig auf unterschiedlichen Informationsständen arbeiteten: Kundeninformationen liegen im CRM, Produktwissen im Engineering, Kosten- und Bestandsdaten im ERP. In vielen Unternehmen sind diese Bereiche historisch getrennt gewachsen. Ohne eine verbindende Ebene werden Informationen nur punktuell zusammengeführt und Entscheidungen im Angebotsprozess basieren auf Annahmen, Erfahrungswerten oder manueller Abstimmung. Bei richtiger Anwendung gleicht CPQ geschäftliche Absichten mit der betrieblichen Realität ab, bevor Verpflichtungen eingegangen werden. Kompromisse werden frühzeitig identifiziert und überzogene Versprechungen erschwert. Vertrieb, Technik und Betrieb arbeiten auf der Grundlage gemeinsamer Informationen statt konkurrierender Annahmen.

Die Bedeutung in der Praxis

Die unmittelbaren Vorteile liegen auf der Hand: reduzierte Fehlerquoten, kürzere Angebotszyklen und ein geringerer Bedarf an internen Abstimmungen. Wenn Konfigurationen frühzeitig gegen technische Regeln geprüft werden, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass Engineering oder Produktion später korrigierend eingreifen müssen. Hinzu kommen wirtschaftliche Aspekte, denn Preise können stärker auf aktuellen Kosten, Margenzielen und realen Abhängigkeiten basieren und Forecasts werden belastbarer, weil sie tatsächlich realisierbare Projekte betreffen. Auch strategisch gewinnt das Thema an Bedeutung. 77 Prozent der Befragten berichten von gestiegenen Softwarebudgets, von denen wiederum 41 Prozent auf Initiativen zur digitalen Transformation zurückzuführen sind. Dass investiert wird, ist offensichtlich. Bleibt die Frage, ob CPQ dabei als strategische Komponente angesehen wird oder als weiteres Einzelsystem in einer ohnehin fragmentierten Systemlandschaft.

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Transparenz als Entscheidungsgrundlage

Bei der Bewertung moderner CPQ-Systeme sollte geprüft werden, inwieweit die Lösung tatsächlich bessere Entscheidungen unterstützen kann oder ob sie lediglich bestehende Zielkonflikte aufzeigt. Viele Implementierungen bieten eine Mischung aus beidem. Sie automatisieren dort, wo Regeln eindeutig sind, und schaffen Transparenz, wo fachliche Abwägung erforderlich bleibt. Die Qualität der Ergebnisse hängt maßgeblich von den zugrunde liegenden Produktregeln, der Datenqualität und dem Integrationsgrad der eingesetzten Systeme ab. Auch der zunehmende Einsatz von KI wird daran wenig ändern, denn deren Qualität hängt direkt von der Datenqualität ab. Der eigentliche Wert von CPQ liegt darin, relevante Informationen frühzeitig bereitzustellen und Risiken aufzuzeigen, solange sie noch ohne Folgen gelöst werden können. 

Fazit: Mehr als ein Angebotswerkzeug

Die Richtung ist klar: Investitionen steigen, Integrationen werden wichtiger, und die Erwartungen an CPQ gehen weit über die ursprüngliche Rolle als Angebotswerkzeug hinaus. Unternehmen, die CPQ weiterhin nur als Mittel zur Beschleunigung des Vertriebs sehen, nutzen nur einen Teil des Potenzials. Mit zunehmender Produktkomplexität reicht es nicht aus, technische Fragen erst in der Konstruktion zu klären. Es muss sichergestellt werden, dass bereits im Angebot realisierbare Lösungen entstehen.

Kiana Mostajabian ist Senior Director für Product Management bei Revalize.