KI gilt als Schlüsseltechnologie. Doch Medienbrüche, manuelle Dateneingaben und fehlende Transparenz bremsen viele Fertigungsunternehmen. Mehr Effizienz entsteht oft durch die bessere Nutzung vorhandener Daten.
SolidCAM unterstützt Unternehmen dabei, Werkzeugdaten, Bearbeitungsstrategien und Fertigungswissen zentral zu verwalten und für die wiederholbare NC-Programmierung nutzbar zu machen.
(Bild: Bechtle PLM)
Die CNC-Fertigung steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Viele Fertigungsunternehmen kämpfen seit Jahren mit denselben Herausforderungen: steigende Variantenvielfalt, Zeitdruck, Fachkräftemangel und ein wachsender Kostenwettbewerb. Gleichzeitig rücken in der Branche Zukunftsthemen wie Automatisierung, künstliche Intelligenz und digitale Zwillinge immer stärker in den Fokus.
Doch in der Praxis zeigt sich häufig ein anderes Bild. Zwar wird intensiv über KI diskutiert, gleichzeitig entstehen Produktivitätsverluste noch immer durch Medienbrüche, manuelle Dateneingaben, unklare Werkzeugbestände oder mangelnde Transparenz in den Fertigungsabläufen. Der eigentliche Hebel für mehr Effizienz liegt aktuell viel mehr in der konsequenten Digitalisierung bestehender Prozesse. Doch wo können Unternehmen hier ansetzen?
Ohne Datentransparenz keine intelligente Fertigung
Die Grundlage jeder Optimierung besteht darin, Fertigungsprozesse sichtbar zu machen. In vielen Betrieben erfolgt die Ursachenanalyse von Produktivitätsverlusten jedoch noch immer reaktiv. Maschinenstillstände werden oft erst dann erkannt, wenn Liefertermine gefährdet sind. Ursachen wie fehlende Werkzeuge, ungeplante Rüstvorgänge, Programmfehler oder Qualitätsprobleme bleiben dabei häufig lange im Verborgenen. Gleichzeitig fehlen belastbare Daten, um wiederkehrende Schwachstellen eindeutig zu identifizieren und gezielt zu beseitigen.
Erst wenn Laufzeiten, Stillstände, Werkzeugwechsel oder Ausschussquoten systematisch erfasst werden, lassen sich fundierte Entscheidungen treffen. So entsteht eine solide Datenbasis. Moderne Sensorik, vernetzte Maschinen und digitale Dashboards schaffen die notwendige Transparenz, um Fertigungsabläufe in Echtzeit zu überwachen und Verbesserungspotenziale objektiv zu bewerten. Für viele Unternehmen beginnt genau an dieser Stelle die Transformation. Produktionsverantwortliche erkennen plötzlich Ursachen für Engpässe und Qualitätsprobleme frühzeitig, können gezielt gegensteuern und wiederkehrende Verluste nachhaltig reduzieren. Gleichzeitig sinken Ausschussquoten und Nacharbeitsaufwände, während die Planbarkeit der Fertigung steigt.
Standardisierung schafft die Basis für Automatisierung
Moderne CAD/CAM-Umgebungen ermöglichen einen durchgängigen digitalen Workflow.
(Bild: Bechtle PLM)
Ein weiterer Erfolgsfaktor liegt in der Standardisierung von Werkzeugen, Daten und Arbeitsabläufen. In vielen Fertigungen existieren Informationen mehrfach, teilweise in unterschiedlichen Systemen oder sogar ausschließlich in den Köpfen erfahrener Mitarbeitender. Werkzeugdaten, Schnittwerte oder Einstellinformationen müssen immer wieder gesucht oder neu erfasst werden. Gleichzeitig erschweren inkonsistente Datenbestände die Wiederverwendung von Wissen und erhöhen die Fehleranfälligkeit.
Die Folgen sind vermeidbare Produktivitätsverluste entlang der gesamten Prozesskette. In vielen Fertigungsbetrieben verbringen Mitarbeitende täglich wertvolle Zeit mit der Suche nach Werkzeugen, fehlenden Schnittdaten oder aktuellen Einstellinformationen. Was im Einzelfall nur wenige Minuten kostet, summiert sich über zahlreiche Rüstvorgänge und Maschinen hinweg schnell zu Stunden.
Digitale Werkzeugbibliotheken, zentrale Stammdaten und standardisierte Prozesse schaffen hier Abhilfe. Moderne CAM-Lösungen wie SolidCAM unterstützen Unternehmen dabei, Werkzeugdaten, Bearbeitungsstrategien und Fertigungswissen zentral zu verwalten und für die wiederholbare NC-Programmierung nutzbar zu machen. Werden Werkzeuggeometrien, Schnittwerte und Einsatzparameter zentral bereitgestellt, profitieren Programmierung, Arbeitsvorbereitung und Fertigung gleichermaßen von einer konsistenten Datenbasis. Suchzeiten verkürzen sich, Rüstprozesse werden sicherer und neue Mitarbeitende können deutlich schneller produktiv eingesetzt werden.
Gerade vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels gewinnt dieser Aspekt zunehmend an Bedeutung. Automatisierung kann personelle Engpässe zwar abfedern, ihr volles Potenzial entfaltet sie jedoch nur auf Basis standardisierter und digital durchgängiger Prozesse.
Ein wesentlicher Produktivitätsfaktor liegt in der engen Verzahnung von Konstruktion und Fertigung. Noch immer werden in vielen Unternehmen Geometriedaten exportiert, manuell übertragen oder mehrfach bearbeitet. Nicht selten verbringen NC-Programmierer einen relevanten Teil ihrer Arbeitszeit damit, Modelle aufzubereiten, Werkzeugdaten zusammenzusuchen oder Konstruktionsänderungen nachzupflegen.
Stand: 16.12.2025
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Besonders kritisch wird es, wenn Änderungen aus der Konstruktion nicht rechtzeitig in der Fertigung ankommen. Bereits ein veralteter Modellstand kann dazu führen, dass Programme angepasst, Bauteile nachbearbeitet oder Fertigungsaufträge neu gestartet werden müssen. Jede zusätzliche Schleife verlängert die Durchlaufzeit und erhöht das Fehlerrisiko.
Moderne CAD/CAM-Umgebungen ermöglichen dagegen einen durchgängigen digitalen Workflow. SolidCAM integriert die NC-Programmierung direkt in die CAD-Umgebung, sodass Konstruktionsänderungen automatisch in der Fertigung berücksichtigt werden können. Gleichzeitig ermöglicht DELMIA CAM, Prozesse nicht isoliert zu betrachten, sondern in den Gesamtkontext von Ressourcen, Produktionsplanung und Ausführung einzubinden.
Konstruktionsänderungen stehen dadurch unmittelbar für die Programmierung zur Verfügung, Bearbeitungsmerkmale werden automatisiert erkannt und bewährte Fertigungsstrategien können standardisiert wiederverwendet werden. Das verkürzt die Programmierzeit, erhöht die Prozesssicherheit und beschleunigt die Reaktion auf kurzfristige Änderungsanforderungen.
KI-Expertentalk live AUF DER amb
(Bild: WIN-Verlag)
Erleben Sie führende KI-Experten im Live-Talk auf der AMB und erfahren Sie, wie Künstliche Intelligenz die Fertigungsindustrie verändert – praxisnah, kompakt und mit viel Raum für Ihre Fragen.
Im Mittelpunkt stehen Themen wie KI in der Fertigungsplanung, KI in der Prozessoptimierung, Predictive Maintenance, KI-gestützte Qualitätskontrolle sowie die Wirtschaftlichkeit von KI-Projekten.
Kommen Sie am 16. September um 14:00 Uhr zur "AMB Stage“ im Atrium (Eingang Ost). Wir freuen uns auf Sie!
Produktionsunternehmen stehen zudem vor der Herausforderung, neue Prozesse, Maschinen oder Automatisierungslösungen unter hohem Zeit- und Kostendruck einzuführen. Fehler zeigen sich dabei häufig erst im laufenden Betrieb, wenn bereits Material, Maschinenzeit und Personalressourcen gebunden sind. Genau hier setzt der digitale Zwilling an. Er ermöglicht die virtuelle Abbildung einzelner NC-Prozesse ebenso wie kompletter Produktionsumgebungen. Moderne Lösungen für die Digitale Fabrik und Fabrikplanung machen Produktionslayouts, Materialflüsse, Roboterzellen und Bearbeitungsprozesse bereits vor der physischen Umsetzung sichtbar. Die Vorteile reichen dabei weit über die klassische Kollisionskontrolle hinaus. Unternehmen können unterschiedliche Fertigungsstrategien vergleichen, Prozessvarianten bewerten und neue Automatisierungsszenarien risikolos testen. Der digitale Zwilling entwickelt sich dadurch zunehmend zur Schaltzentrale einer datengetriebenen Produktion. Gleichzeitig verbessert er die Planbarkeit von Investitionen, reduziert Projektrisiken und unterstützt Unternehmen dabei, fundierte Entscheidungen deutlich früher im Planungsprozess zu treffen.
Viele Unternehmen beschäftigen sich aktuell intensiv mit neuen KI-Anwendungen und Automatisierungs-szenarien. Häufig wird dabei jedoch eine entscheidende Voraussetzung unterschätzt: KI kann nur so gut sein wie die Daten, auf denen sie basiert. Fehlende Transparenz, Medienbrüche und inkonsistente Informationen begrenzen den Nutzen selbst der leistungsfähigsten Algorithmen. Erst eine strukturierte Datenbasis schafft die Grundlage für intelligente Anwendungen. Sind Fertigungsdaten verfügbar, Prozesse digitalisiert und Systeme miteinander vernetzt, können Simulation, Automatisierung und später auch KI ihr volles Potenzial entfalten.
Die Zukunft der CNC-Fertigung beginnt heute
Die Fertigung der Zukunft wird vernetzter, automatisierter und intelligenter sein. Doch der Weg dorthin beginnt nicht mit künstlicher Intelligenz, sondern mit Transparenz, Datenqualität und durchgängigen Prozessen. Unternehmen, die ihre Werkzeugdaten standardisieren, CAD- und CAM-Systeme integrieren, digitale Zwillinge nutzen und Fertigungsinformationen zentral verfügbar machen, schaffen die Grundlage für nachhaltige Produktivitätssteigerungen. Gleichzeitig verbessern sie ihre Planbarkeit, reduzieren Investitionsrisiken, sichern wertvolles Expertenwissen und erhöhen ihre Reaktionsfähigkeit auf volatile Marktanforderungen.
Die Besucher der AMB 2026 in Stuttgart können diese Themen vom 15. bis 19. September bei Bechtle PLM in Halle C2 am Stand 2A45 erleben. Im Mittelpunkt des Messeauftritts stehen Lösungen für die Digitale Fabrik, die durchgängige digitale Prozesskette, SolidCAM, DELMIA CAM sowie Konzepte der additiven und hybriden Fertigung. Besucher erfahren vor Ort, wie vernetzte Daten, Simulation und Automatisierung zu einer leistungsfähigen und zukunftssicheren Fertigungsumgebung zusammenwachsen.
Joerg Rudig ist Head of CAM Manufacturing & Woodworking bei Bechtle PLM.