3D-Simulationssoftware So optimiert Bosch Rexroth das Engineering von Materialflusssystemen

Von Matthias Wilhelm 5 min Lesedauer

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Bosch Rexroth unterstützt das Engineering von Materialflusssystemen mit realitätsnahen Simulationen in Visual Components. Das Unternehmen begleitet Projektierungen digital von der Layoutvalidierung bis zur virtuellen Inbetriebnahme. In der Batteriefertigung und im Batterierecycling hat sich dieser Ansatz bewährt.

Mit der 3D-Simulationssoftware Visual Components optimiert Bosch Rexroth seine Materialflüsse digital.(Bild:  Visual Components)
Mit der 3D-Simulationssoftware Visual Components optimiert Bosch Rexroth seine Materialflüsse digital.
(Bild: Visual Components)

Bosch Rexroth zählt zu den führenden Herstellern von Materialflusssystemen. Die Transfer- und Fördertechnik des Unternehmens wird von Maschinenbauern, Systemintegratoren und Unternehmen für Automatisierungslösungen in den unterschiedlichsten Branchen und Bereichen genutzt. Dazu zählen die Verpackungs-, Lebensmittel- und Elektronikindustrie als auch die Automotive- und Batterie-Branche. Um seine Kunden und Partner bei der Planung und Inbetriebnahme ihrer Lösungen optimal zu unterstützen, hat Bosch Rexroth Softwarebausteine für die digitale Simulation von Materialflusssystemen erstellt. „Die Komplexität von produktionslogistischen Systemen wächst und der Wettbewerbsdruck für die Optimierung von Prozessen und Ressourcen steigt“, sagt Dominik Groicher, Senior Business Development Manager Consumer Packaged Goods bei Bosch Rexroth. „Die Simulation von Fördertechnik ist ein bewährter Ansatz, um den Herausforderungen bei der Auslegung komplexer Systeme zu begegnen. Planungsfehler können in einer kontrollierten Umgebung frühzeitig erkannt und behoben werden, um späteren Mehraufwand, Kosten und die Verzögerung von Projekten zu vermeiden.“ 

Bosch Rexroth erstellt Simulationsbibliothek für Visual Components

Das Vorgehen unterstützte das Projektteam bei der Konzeption und Umsetzung einer der weltweit ersten automatisierten Batteriemodulentladeanlagen der BLC – The Battery Lifecycle Company am Standort Magdeburg. (Bild:  Bosch Rexroth)
Das Vorgehen unterstützte das Projektteam bei der Konzeption und Umsetzung einer der weltweit ersten automatisierten Batteriemodulentladeanlagen der BLC – The Battery Lifecycle Company am Standort Magdeburg.
(Bild: Bosch Rexroth)

Als digitale Plattform für Materialflusssimulationen nutzt Bosch Rexroth die 3D-Simulationssoftware Visual Components. Diese kann das gesamte Engineering durchgängig unterstützen: von der ersten Visualisierung der Layouts über die Optimierung technischer Parameter und Ressourcen bis hin zur virtuellen Inbetriebnahme der Steuerung. Die Software bietet dabei eine intuitive Benutzeroberfläche und kann dadurch auch von Anwendern ohne tiefgreifende Kenntnisse für ihre jeweilige fachliche Domäne eingesetzt werden.  Visual Components stellt in seiner Online-Bibliothek (eCatalog) einen umfangreichen Katalog mit 3D-Modellen von Fabrikkomponenten führender Hersteller bereit, die durch integrierte Bewegungsachsen, Materialflusslogiken und technische Parameter bereits voll simulationsfähig sind. Gemeinsam mit Visual Components brachte Bosch Rexroth Simulationsmodelle seiner Produkte in diese Bibliothek. Die meisten Transfer- und Fördersysteme sowie die kollaborativen Roboter von Kassow Robots wurden bereits integriert, die übrigen Systeme, wie das Highspeed Motion-System ctrlX Flow, sollen alsbald folgen. Durch eine spezielle Schnittstelle unterstützt Visual Components den Industriestandard OPC UA. Sie ermöglicht es, 3D-Modelle direkt mit einer realen Steuerung zu koppeln, um sie vor der Inbetriebnahme in einer virtuellen Umgebung zu evaluieren. In einem übersichtlichen Editor können reale Steuerungssignale per Drag&Drop mit den Simulationsmodellen verbunden werden. Diese Funktion explorierte Bosch Rexroth für die virtuelle Inbetriebnahme einer Steuerung von Fördersystemen, die auf seiner Automatisierungsplattform ctrlX Automation basiert. „Unsere Simulationsmodelle im eCatalog sind aktuell primär auf Materialfluss- und Prozesssimulation ausgelegt“, erklärt Richard Verbeet, Systemarchitekt bei Bosch Rexroth. „Zukünftig wollen wir sie mit I/O-Signalen erweitern, um sie ohne aufwändige Anpassungen auch für eine virtuelle Inbetriebnahme einsetzen zu können.“

Durchgängige Unterstützung des Systemengineerings in drei Anwendungsstufen

Visual Components ermöglicht es Bosch Rexroth, Simulationen gemeinsam mit seinen Partnern und Kunden in drei Anwendungsstufen im Systemengineering zu nutzen. Um in einer frühen Konzeptphase eine Automatisierungslösung mit ihren Abläufen zu visualisieren und einen Eindruck vom Layout zu erhalten, können die erforderlichen Komponenten aus dem eCatalog per Drag&Drop in der virtuellen Umgebung platziert und miteinander verknüpft werden. Dadurch ist bereits eine erste Evaluierung der Prozesse und des Materialflusses möglich. Danach lässt sich die Systemleistung validieren und optimieren. Simulation erlaubt die Analyse von Systemen über die Zeit: Die dynamische Bewegung von Material und Produkten durch das System kann beobachtet und mit statistischen Methoden ausgewertet werden, um Engpässe oder ineffizienten Ressourceneinsatz zu erkennen. Durchsatz-, Taktzeit- und Auslastungsmessungen ermöglichen die Bewertung einer Automatisierungslösung in einem Layout. Anhand der Analysen lassen sich unterschiedliche Entwürfe und Planungsstände vergleichen, um eine optimale Lösung zu ermitteln. In einem letzten Schritt unterstützt die Simulation eine virtuelle Inbetriebnahme, um die reale Hardwaresteuerung für die Steuerung der Komponenten in Visual Components zu verwenden. Der Programmcode kann dabei schon in einer frühen Implementierungsphase ohne physische Hardware validiert werden. Fehler in der Steuerung oder Anlagenlogik können dadurch vor der technischen Inbetriebnahme vor Ort entdeckt und behoben werden, was zeitaufwändige Baustelleneinsätze und Beschädigungen an der Anlage vermeidet.

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Einsatz im Digital Engineering der Batteriefertigung und im Batterierecycling

In Projekten der Batteriefertigung und im Batterierecycling wird die durchgängige simulative Unterstützung für Automatisierungslösungen bereits eingesetzt. Insbesondere technologisch anspruchsvolle Innovationsprojekte werden von der ersten Konzeption bis zur Implementierung der Transportsteuerung durchgängig mit Simulationen unterstützt. In einer frühen Planungsphase visualisiert das Unternehmen die Systemkomponenten in verschiedenen Layoutvarianten, um den Materialfluss für die Umgebung und gegebenenfalls weitere Prozesse, etwa Notfall- und Montageprozesse, zu evaluieren. Dadurch können die notwendigen Ressourcen und die Abläufe der Lösung diskutiert und abgestimmt werden. Basierend auf dieser Evaluation werden eine Layoutvariante und die optimale Anzahl Werkstückträger für die Transportsysteme ermittelt. Simulativ wird dann für die spezifizierte Planungsvariante die Auslastung und Leistung der Systemkomponenten evaluiert, um die Einhaltung von Durchlaufzeiten und den Durchsatz zu validieren und zu optimieren. Das Simulationsmodell wird danach von Bosch Rexroth für eine virtuelle Inbetriebnahme um die Signalmodelle der Transportsysteme und Komponenten erweitert. Die Visualisierung von Auswirkungen der Steuerung und die frühzeitige Identifikation von Fehlern ermöglichten den Programmierern dadurch eine wesentlich schnellere Implementierung. So kann die Installation einer Anlage mit einer virtuellen Umgebung unterstützt und die Einsatzzeit vor Ort signifikant reduziert werden. Dieses Vorgehen unterstützte auch das Projektteam bei der Konzeption und Umsetzung einer der weltweit ersten automatisierten Batteriemodulentladeanlagen der BLC – The Battery Lifecycle Company am Standort Magdeburg.

Ziel ist eine vollständig digitalisierte Customer Journey

„Die Funktionen der Simulationssoftware und die Unterstützung beim Design unserer Digital Customer Journey entlang des Systemengineerings haben uns überzeugt“, resümiert Systemarchitekt Verbeet. „Die ersten Komponenten für den eCatalog wurden noch von Visual Components implementiert, aber mittlerweile haben wir das notwendige Know-how aufgebaut, um die Bausteine selbst zu erstellen.“ Neue Komponenten für den eCatalog werden vor dem Upload nur noch abschließend von dem Dienstleister geprüft. Bei technischen Fragen arbeiten die Entwickler aber auch weiterhin eng mit Visual Components zusammen, um sowohl die Software als auch die Customer Journey für kommende Herausforderungen umzusetzen. Die Integration der Simulationen in seine Toolchain ist für Bosch Rexroth ein wichtiger Schritt zur Realisierung einer vollständig digitalisierten Customer Journey. „Wir wollen das gesamte Engineering vom ersten Konzept bis zur Abnahme durch eine konsistente Werkzeug- und Datenkette digital begleiten“, erklärt Senior Business Development Manager Groicher. „Simulationsmodelle spielen dabei eine zentrale Rolle, um als digitale Zwillinge die Durchgängigkeit der Planung zu verbessern und Informationsverluste bei Systembrüchen zu reduzieren.“ Die Einbindung in das Ökosystem von ctrlX Automation ist dabei von großer Bedeutung: Sie ermöglicht es, die Auslegung von Materialflüssen und Prozessen mit der Implementierung von Steuerungen und der Installation von Automatisierungssystemen zu synchronisieren.

Matthias Wilhelm ist Country Manager DACH bei Visual Components.