In der industriellen Produktion, beim autonomen Fahren oder in der medizinischen Bildgebung fallen riesige Datenmengen an. Das neue Transferzentrum für Digitalisierung, Analytics und Data Science Ulm (DASU) will regionale Unternehmen künftig dabei unterstützen, diese zu gewinnen und zu interpretieren.
(Quelle: Wright Studio/Shutterstock.com)
Dafür bündeln interdisziplinär Forschende der Universität Ulm und der Technischen Hochschule Ulm (THU) ihre Kompetenzen im Bereich Daten. Die Idee des Forschungs- und Transferzentrums ist gemeinsam von der Ulmer Industrie- und Handelskammer (IHK), der Stadt und Universität Ulm, der THU sowie weiteren regionalen Partnern entwickelt worden. Im Wettbewerb RegioWin 2030 wurde der Zusammenschluss bereits als Leuchtturmprojekt ausgezeichnet. Jetzt haben Universität und THU mit der Gründung des Virtuellen Zentrums DASU den nächsten Schritt getan.
Wie lassen sich Informationen aus Daten gewinnen und interpretieren?
Die digitale Transformation geht unaufhaltsam voran: Um konkurrenzfähig zu bleiben, müssen insbesondere regional ansässige „Hidden Champions“ die Herausforderung „Digitalisierung“ annehmen. Bei datenwissenschaftlichen und analytischen Fragen steht ihnen ab sofort das neue Transferzentrum Digitalisierung, Analytics und Data Science in Ulm, kurz DASU, zur Seite. Im Zentrum unterstützen Forschende der Technischen Hochschule und der Universität Ulm Unternehmen – aber auch Kommunen oder Bildungseinrichtungen – bei der Wissens- und Wertschöpfung aus Daten. „Wie lassen sich aus riesigen Datenmengen mit intelligenten Analysemethoden Informationen gewinnen und interpretieren?“, bringt DASU-Vorstandsmitglied Professor Manfred Reichert, Informatiker an der Uni Ulm, die Leitfrage auf den Punkt. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen können aus solchen Datenbergen Handlungsempfehlungen oder neue Geschäftsmodelle abgeleitet werden. In der digitalen Fabrik mit vernetzten Maschinen lassen sich zum Beispiel Wartungsarbeiten oder die Lagerhaltung optimieren. „Dank Objekterkennung können Unternehmer vorhersehen, welche Materialien demnächst fehlen werden und auf den drohenden Engpass reagieren“, erläutert Professor Reinhold von Schwerin, DASU-Vorstand von der Technischen Hochschule Ulm.
Anwendungsbereiche von Industrie 4.0 bis Medizin
Insgesamt setzt das bundesweit einmalige Transferzentrum auf einen interdisziplinären, ganzheitlichen Ansatz, der neben den klassischen datenwissenschaftlichen Disziplinen Mathematik und Informatik vielfältige Anwendungsbereiche umfasst – von der Mensch-Technik-Interaktion über die Medizin und Arbeitspsychologie bis hin zu ingenieur- und wirtschaftswissenschaftlichen Fragestellungen im Kontext Industrie 4.0. Neben dem Forschungstransfer in Unternehmen und datenwissenschaftlichen Beratungen soll in Ulm ein Digitalisierungslabor zur Erprobung, Demonstration und Visualisierung von anwendungsorientierten Lösungen aufgebaut werden. Dazu kommen Schulungsangebote für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in den Bereichen Data Science, Data Analytics und Künstliche Intelligenz. „Der Einsatz datenwissenschaftlicher Methoden ist der Schlüssel zur digitalen Transformation. Im Transferzentrum DASU sollen Familienunternehmen oder kommunale Einrichtungen in die Lage versetzt werden, ihre Datenschätze zu heben“, erklärt Professor Karsten Urban, Mathematiker an der Universität Ulm. Als Sprecher des Ulmer Zentrums für Wissenschaftliches Rechnen (UZWR) bringt er seine Expertise im Bereich Simulationen und Kontakte zu regionalen Mittelständlern in das neue Zentrum ein.
Kooperative Promotionen und Projekte im Bereich Data Science
Das Transferzentrum DASU wird als gemeinnützige Stiftung bürgerlichen Rechts unter Beteiligung von Universität, Technischer Hochschule Ulm, IHK und Stadt Ulm sowie regionalen Unternehmen etabliert werden. Universität und THU bringen sich über ihr gemeinsames Virtuelles Zentrum DASU ein, dessen konstituierende Sitzung am Donnerstag, 6. Mai, stattfand. In diesem Zentrum sollen vornehmlich öffentlich geförderte Forschungsprojekte sowie kooperative Promotionen im Bereich Data Science und Data Analytics durchgeführt werden. Synergien in der Lehre bestehen mit einschlägigen Masterstudiengängen wie „Künstliche Intelligenz“, „Intelligente Systeme“ und Weiterbildungsangeboten der „School of Advanced Professional Studies“ (SAPS). „Sowohl Data Science als auch das Forschungsfeld Künstliche Intelligenz zählen zu den strategischen Entwicklungsbereichen der Universität Ulm. Im Transferzentrum DASU bündeln Forschende verschiedener Disziplinen und Einrichtungen ihre Expertise, um aus riesigen Datenmengen wertvolle Informationen zu gewinnen. Gemeinsam werden die Ulmer Partner die Wissenschaft und insbesondere den Transfer in diesem zukunftsträchtigen Bereich auf die nächste Ebene heben", resümiert Professor Michael Weber, Präsident der Universität Ulm.
Transferzentrum DASU als Leuchtturmprojekt ausgezeichnet
Erst kürzlich war das Transferzentrum DASU im landesweiten Wettbewerb RegioWin 2030 erfolgreich: Der Aufbau wird in den kommenden 6 Jahren mit über 5,9 Millionen Euro unterstützt. Eine Jury hatte das vom grenzüberschreitenden Zusammenschluss der Regionalverbände und Wirtschaftskammern, „Schwabenbund“, eingereichte regionale Entwicklungskonzept prämiert – unter anderem wurde das DASU als Leuchtturmprojekt ausgezeichnet. „Wir freuen uns sehr über die Prämierung des Konzepts. Das Leuchtturmprojekt DASU stärkt die Forschung und den Transfer im Bereich Data Science und Künstliche Intelligenz und wirkt dadurch auch auf die Weiterentwicklung unserer Lehre ein“, kommentiert Professorin Marianne von Schwerin, Prorektorin für Forschung der Technischen Hochschule Ulm. „Gemeinsam haben wir es mit unseren Partnern geschafft, die anvisierten Fördergelder in die Region zu holen. Das DASU wird als Vermittler und Impulsgeber den digitalen Wandel und die digitale Transformation in der Region vorantreiben.“
Stand: 16.12.2025
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