Geopolitische Spannungen, neue Handelsbarrieren und fragile Lieferketten verändern die Rahmenbedingungen für Fertigungsunternehmen grundlegend. Resilienz wird zur zentralen strategischen Fähigkeit. Digital vernetzte PLM-Umgebungen schaffen dafür die Grundlage.
Geopolitische Spannungen wirken sich auf den gesamten Produktlebenszyklus aus.
Weltweit stehen Fertigungsunternehmen zunehmend unter Druck, da geopolitische Spannungen und wirtschaftliche Disruptionen die Spielregeln des globalen Geschäfts neu definieren. Handelskonflikte, schwankende Zölle und Lieferkettenstörungen infolge militärischer Auseinandersetzungen verschärfen die Unsicherheit.
Die Auswirkungen sind bereits in wichtigen Industrieländern spürbar: Laut dem ifo Institut für Wirtschaftsforschung könnten die im April von den USA angekündigten reziproken Zölle und produktspezifischen Abgaben die deutsche Industrie mittelfristig um bis zu 2,8 Prozent schrumpfen lassen. Zwar wurden einige Maßnahmen inzwischen abgemildert, doch die künftigen Handelsbeziehungen bleiben unklar.
In dieser volatilen Lage überdenken Fertigungsunternehmen ihre Produktions-, Vertriebs- und Lieferkettenstrategien, um Kosten zu stabilisieren und ihre Widerstandsfähigkeit zu erhöhen. Eine aktuelle Studie im Auftrag von Revalize zeigt: 85 Prozent der befragten Unternehmen aus den USA, Deutschland, Österreich und der Schweiz restrukturieren derzeit aktiv ihre Lieferketten, um Risiken zu minimieren und langfristige Resilienz aufzubauen.
Auswirkungen auf den gesamten Produktlebenszyklus
Die Bereiche des Produktlebenszyklus, die laut der Revalize am stärksten von geopolitischen Entwicklungen betroffen sind.
(Bild: Revalize)
Geopolitische Spannungen verändern nicht nur, wie Organisationen über internationale Grenzen hinweg agieren, sondern stören auch Produktionsprozesse innerhalb ihrer Werke. Was einst als ein potenzielles Risiko gesehen wurde, ist zu einer alltäglichen Realität geworden, die jede Phase des Produktlebenszyklus betrifft. Von der Planung und Produktion bis hin zur Beschaffung und Auslieferung stehen Fertigungsunternehmen unter wachsendem Druck, sich in Echtzeit an die sich verändernden globalen Bedingungen anzupassen.
Die finanziellen Auswirkungen sind deutlich erkennbar: 53 Prozent der für die Studie befragten Fertigungsunternehmen berichten von steigenden Produktionskosten aufgrund jüngster geopolitischer Ereignisse und 50 Prozent verzeichnen höhere Kosten durch neue Zölle und geänderte weltweite Compliance-Vorschriften.
Bei der Frage, welche Bereiche des Produktlebenszyklus der eigenen Organisation am stärksten von den jüngsten geopolitischen Ereignissen betroffen waren, nennen 62 Prozent der Studienteilnehmer die Beschaffung, 62 Prozent die Produktion, 48 Prozent den Vertrieb, 24 Prozent die Kundenbetreuung und 19 Prozent die Konstruktion. Das legt gravierende Schwachstellen in eng verzahnten Liefernetzwerken offen. Für viele Organisationen bedeutet das mehr Transparenz, Zusammenarbeit und End-to-End-Kontrolle zur Risikominderung und Absicherung der operativen Resilienz.
Mehr Resilienz durch Vereinfachung und Transparenz
In dieser Ära der Unsicherheiten bedeutet wettbewerbsfähig zu bleiben, über kurzfristige Lösungen hinauszudenken und echte digitale Transformation aktiv voranzutreiben. Für Fertigungsunternehmen weltweit beginnt das mit der Vereinfachung komplexer Tech-Stacks, der Verbesserung der funktionsübergreifenden Transparenz, der Automatisierung von Workflows und der Stärkung der Agilität in der Lieferkette.
Wenn Daten und Workflows in einer Single Source of Truth (SSOT) vereint sind, erhalten Fertigungsunternehmen die notwendige Transparenz, um Szenarioplanung, Kostenmodellierung und Risikomanagement gezielt zu optimieren, lange bevor sich Störungen auf das gesamte Netzwerk auswirken.
Die Umsetzung dieses Integrationsniveaus bleibt jedoch eine Herausforderung: 58 Prozent der befragten Fertigungsunternehmen berichten über Schwierigkeiten bei der Verknüpfung ihrer Tools und Technologien, bedingt durch isolierte Datenbestände, veraltete Infrastrukturen und fragmentierte Prozesse. Die Konsolidierung redundanter Systeme und die Abstimmung von Engineering-, Produktions- und Supply-Chain-Prozessen sind daher entscheidend, um Margen zu verbessern und die organisatorische Agilität zu erhöhen.
Digitaler Faden und automatisierte Workflows
Moderne Umgebungen für das Product Lifecycle Management (PLM) wie PRO.FILE von Revalize können maßgeblich dazu beitragen, Lücken zu schließen, indem sie Produktdaten, die Dokumentation und die Zusammenarbeit in einem einheitlichen digitalen Ökosystem zentralisieren. Diese vernetzte Grundlage verschafft Teams die erforderliche Transparenz und Kontrolle, um schneller zu agieren, Compliance-Anforderungen einzuhalten und von der Konstruktion bis hin zur Auslieferung abgestimmt zu bleiben.
Fortschritte in Künstlicher Intelligenz (KI) und Automatisierung erweitern die Möglichkeiten im Product Lifecycle Management (PLM) erheblich. Sie liefern die Intelligenz und Agilität, die Fertigungsunternehmen benötigen, um schneller und datengestützt zu entscheiden, sich an geopolitische Veränderungen anzupassen und operative Risiken zu minimieren. Ein durchgängiger Datenfluss zwischen Konstruktion, Produktion und Lieferkette schafft dabei die Basis für belastbare, integrierte Prozesse.
Stand: 16.12.2025
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Durch mobilen Zugriff auf Echtzeitinformationen, etwa über die PRO.FILE FLEX App, können Teams standortunabhängig Fortschritte verfolgen, Freigaben steuern und Design-Iterationen vergleichen. Das erhöht Transparenz, Produktivität und Verantwortlichkeit. Zudem ermöglichen KI-gestützte Analysen und automatisierte Workflows die Prognose von Lieferantenrisiken, die Optimierung von Prozessen und fundiertere Entscheidungen. So entstehen Freiräume für Innovation und strategisches Wachstum.
Fazit: Herausforderungen mit Zuversicht meistern
Lieferketten werden zunehmend komplexer, was es Fertigungsunternehmen erschwert, Transparenz zu wahren und schnell auf Veränderungen zu reagieren. Ein Echtzeitzugriff auf Daten über den gesamten Produktlebenszyklus und die Lieferkette hinweg ist daher entscheidend, um Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und Unsicherheiten proaktiv zu bewältigen.
Resilienz bedeutet dabei nicht, die nächste Disruption vorherzusagen, sondern Systeme zu schaffen, die sich unmittelbar an neue Bedingungen anpassen. Durch Vereinfachung von Prozessen, mehr Transparenz und den Einsatz von Automatisierung bleiben Fertigungsunternehmen agil und können zukünftige Herausforderungen mit Zuversicht meistern.
Dr. Steffen Kunnen ist Lead Product Manager bei Revalize.