Ein von Studenten der Universität des Saarlandes entwickelter intelligenter Koffer soll dafür sorgen, dass Reisende ihre Hände für Wichtigeres frei haben.
(Quelle: Foto: Oliver Dietze)
Lästiges Schleppen und kippeliges Hinterherziehen von Reisegepäck könnten bald der Vergangenheit angehören: Ein von Studenten der Universität des Saarlandes entwickelter intelligenter Koffer soll dafür sorgen, dass Reisende in Zukunft ihre Hände für Wichtigeres frei haben.
Der „Smartcase“ genannte Prototyp, den die vier Nachwuchsforscher gerade entwickeln, heftet sich an die Fersen -- oder bei Rollstuhlfahrern auch an die Felgen -- seines Besitzers und fährt ihm oder ihr ohne Weiteres hinterher. Möglich wird dies durch eine Kombination aus Kamera, Sensoren und einer pfiffigen Regelung und Steuerung. Mit ihrer Tüftelei vertreten die Studenten ab 28. Oktober die Saar-Universität beim Wettbewerb Cosima.
Die nötigsten Habseligkeiten mit auf Reisen zu nehmen, kann eine echte Herausforderung sein. Wer Reiseunterlagen, Handgepäck und Taschen, Jacken, mitunter auch heißgeliebte Teddys oder Kekse von kleinen Mitreisenden zugleich jonglieren muss, hat alle Hände voll zu tun. Da kann ein Koffer, auch wenn er Rollen hat, zum Ballast werden – erst recht, wenn die Zeit drängt. Würde einem das Reisegepäck wie ein treuer Hund von selbst nachfolgen, wäre dies für viele Reisende tagtäglich eine enorme Erleichterung. „Wir denken dabei gerade auch an Menschen mit Einschränkungen wie Gehbehinderungen. Ihnen könnte solch ein intelligenter Koffer unabhängigeres Reisen möglich machen“, erklärt Joshua Summa, der Systems Engineering an der Universität des Saarlandes studiert. Gemeinsam mit seinen Studienkollegen Till Mertin, Nick Kempel und dem Informatikstudenten Joshua Arens, baut der angehende Ingenieurwissenschaftler derzeit einen intelligenten Koffer, der das Reisen künftig stressfreier machen soll.
Der „Smartcase“-Prototyp ist bereits jetzt in der Lage, sich an die Fersen einer bestimmten Zielperson zu heften, und dann konsequent ihre Verfolgung aufzunehmen. „Unser System beruht auf einer Kombination mehrerer Sensoren“, erklärt Joshua Summa. Kernstück ist eine Kamera, die denjenigen erkennt, dem sie folgen soll, und jede seiner Bewegungen erfasst. Hinzu kommen drei Ultraschallsensoren, die unter anderem permanent Entfernungen messen und so etwa dabei helfen, Hindernisse zu erkennen und ihnen, wenn nötig, auszuweichen.
Die Messdaten der Sensoren laufen in einem Mikro-Prozessor zusammen, der die Informationen auswertet, weiterarbeitet und entsprechende Befehle an die Elektromotoren der Räder des Koffers weitergibt. Dies alles haben die Studenten dem Prozessor beigebracht. „Wir haben das System so angelernt, dass es mit den Daten der Sensoren die Route permanent neu berechnen kann und entsprechende Signale an den Motor sendet“, sagt Joshua Summa.
Intelligenter Koffer: Sensorsystem auch im Transportsektor oder in der Lagerlogistik einsetzbar
„Die Einsatzmöglichkeiten eines solchen Sensorsystems lassen sich noch weiterdenken: etwa im Transportbereich oder in der Lagerlogistik“, erläutert Summa das weitere Potenzial der Erfindung, an der die vier Nachwuchsingenieure derzeit in den Räumen des Lehrstuhls für Mikromechanik von Professor Helmut Seidel auf dem Saarbrücker Uni-Campus arbeiten. Die Idee zum smarten Koffer hat ihren Ursprung in einer Vorlesung von Professor Seidel über Mikromechanik. Diese gilt an der Saar-Uni bereits seit Langem als Ideenschmiede für besondere Prototypen: Ein anderes Studententeam hat etwa einen kopfgesteuerten Rollstuhl entwickelt. Besonders erfolgreich war auch ein Sensorsystem gegen Falschfahrer, das in Leitpfosten eingebaut werden kann: Die Jungforscher, die dieses System entwickelt hatten, wurden mehrfach ausgezeichnet. „Hier an der Uni haben wir ein gutes Umfeld für unsere Arbeit am Prototyp, bei Fragen können wir uns an die Professoren und ihre Teams wenden. So unterstützt uns zum Beispiel auch die Forschergruppe von Antriebstechniker Professor Matthias Nienhaus, die unter anderem auf intelligente Elektromotoren in Rädern spezialisiert ist“, sagt Joshua Summa.
Studenten nehmen mit Smartcase am Cosima-Wettbewerb in Berlin teil
Mit ihrem Prototyp „Smartcase“ nehmen die Bachelor-Studenten Joshua Summa, Till Mertin, Nick Kempel und Joshua Arens vom 28. bis 30. Oktober am Cosima-Wettbewerb in Berlin teil: Der Studentenwettbewerb, der jedes Jahr vom Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE) ausgeschrieben wird, soll dazu beitragen, neue Einsatzmöglichkeiten von Mikrosystemen zu finden.
Stand: 16.12.2025
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