Die Werkzeugmaschinen-Branche meldet seit Mitte 2018 das erste positive Quartal bei den Bestellungen. Die Freude ist nicht ungetrübt.
(Quelle: YouraPechkin/Shutterstock)
Die Werkzeugmaschinen-Branche hatte es seit Mitte 2018 nicht leicht – nun legten die Bestellungen aus dem Inland um satte 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu. Die Auslandsorders notierten sogar 35 Prozent über Vorjahr. Im ersten Quartal stieg der Auftragseingang der deutschen Werkzeugmaschinenindustrie im Vergleich zum Vorjahr um 26 Prozent. „Die Branche spürt bereits seit etlichen Monaten, dass sich die Stimmung bei den Kunden aufhellt. Nun macht sich dies auch endlich in den Zahlen bemerkbar“, kommentiert Dr. Wilfried Schäfer, Geschäftsführer des VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken), Frankfurt am Main, das Ergebnis.
Warum die Werkzeugmaschinen-Bauer jetzt nicht euphorisch werden
So richtig zufrieden kann man jedoch noch nicht sein, denn Ursache für den hohen Zuwachs sind auch die niedrigen Ausgangswerte im ersten Quartal 2020. Ab März 2020 ging die Nachfrage Corona-bedingt kräftig in die Knie. Der Vergleich zum ersten Quartal 2019 liefert daher ein realistischeres Bild: Das zeigt, dass der der Auftragseingang insgesamt noch 14 Prozent unter dem damaligen Stand liegt und im Ausland auch nur 1 Prozent darüber. „Demnach haben wir noch eine längere Strecke vor uns, bis wieder ein gutes Niveau erreicht ist“, resümiert Schäfer.
Für die Aufwärtsentwicklung der Auslandsbestellungen im laufenden Jahr ist vorrangig der Nicht-Euroraum verantwortlich. Hier heizt China als Lokomotive für die Weltwirtschaft die Nachfrage an und wird unterstützt vom neuen Hoffnungsträger USA. Die Erholung findet jedoch insgesamt auf einem breiteren Fundament statt, denn auch Europa lebt wieder auf. Viele Bereiche haben erheblichen Nachholbedarf. Abgerundet wird das positive Bild durch die steigende Kapazitätsauslastung vom Tiefstand mit 67 Prozent im vergangenen Sommer auf nunmehr 79 Prozent.
Rückläufige Beschäftigung in der Werkzeugmaschinen-Branche
Die Beschäftigung, ein Spätindikator in der Konjunkturentwicklung, ist rückläufig. Im Februar hat die Branche rund 7 Prozent weniger Menschen beschäftigt als im Vorjahr. Das sind 66.800 Frauen und Männer. „Im Vergleich zum Produktions- und Bestellrückgang ist das ein sehr moderates Ergebnis. Es zeigt, wie wichtig es für die Unternehmen ist, ihr gut qualifiziertes Personal zu halten. Hier hat uns die Kurzarbeiterregel sehr geholfen“, sagt Wilfried Schäfer.
Engpässe in den Lieferketten sind weiterhin spürbar
Gleichwohl haben die Firmen an anderer Stelle zu kämpfen. Engpässe bei den Zulieferungen behindern die Produktion. In einer aktuellen Corona-Umfrage geben fast die Hälfte der befragten Werkzeugmaschinenhersteller an, dass sie gravierende Probleme mit der Lieferung von Elektronikkomponenten, speziell Steuerungen, haben. Bei 46 Prozent gibt es Schwierigkeiten beim Stahl und Metallerzeugnissen. „Es werden bereits Befürchtungen laut, dass die Aufträge nicht fristgerecht abgearbeitet werden können, weil die Zulieferkette empfindlich gestört ist“, berichtet Schäfer.
Der VDW erwartet für das laufende Jahr einen Produktionszuwachs von 6 Prozent. Das Volumen von dann 12,9 Mrd. Euro liegt über dem der Finanzkrise 2009/2010, aber noch weit unter den Rekordjahren 2018 und 2019.
Eine große Teilbranche im Maschinenbau
Die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie gehört zu den fünf größten Fachzweigen im Maschinenbau. Sie liefert Produktionstechnologie für die Metallbearbeitung in alle Industriezweige und trägt maßgeblich zu Innovation und Produktivitätsfortschritt in der Industrie bei. Durch ihre absolute Schlüsselstellung für die industrielle Produktion ist ihre Entwicklung ein wichtiger Indikator für die wirtschaftliche Dynamik der gesamten Industrie. 2020 produzierte die Branche mit durchschnittlich rd. 70.000 Beschäftigten (Betriebe mit mehr als 50 Mitarbeitern) Maschinen und Dienstleistungen im Wert von 12,2 Mrd. Euro.
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