Die neue Version der Multiphysik Software von Comsol bietet eine Umgebung für die Modellierung vollständiger Systeme und eine Schnittstelle für KI-Tools. Hinzu kommen ein neues Electric Motor Module sowie Erweiterungen für Solver, Vernetzung und Simulations-Apps.
Simulation eines E-Motors.
(Bild: Comsol)
Comsol, Anbieter von Modellierungs- und Simulationssoftware, veröffentlicht im Herbst Comsol Multiphysics Version 2027. Zu den zentralen Neuerungen zählen Comsol Systems, eine neue Umgebung für die Modellierung und Simulation vollständiger Systeme, sowie der Comsol MCP Server, über den KI-Agenten direkt mit Comsol Multiphysics interagieren können. Mit Version 2027 führt der Softwareentwickler außerdem das Electric Motor Module für die Simulation von Elektromotoren und Generatoren ein und erweitert den Application Builder auf macOS und Linux. Ein neuer zeitperiodischer Löser soll zudem insbesondere Simulationen in Plasma-, Elektromagnetik- und MEMS-Anwendungen beschleunigen.
Tiefere Einblicke in die Wechselwirkungen gewinnen
Ein in Comsol Systems erstelltes Modell einer elektrischen Schaltung, das mit einem detaillierten 3D-Multiphysik-Modell aus Comsol Multiphysics gekoppelt ist, wodurch die physikalischen Vorgänge auf Schaltungs- und Komponentenebene gemeinsam analysiert werden können.
(Bild: Comsol)
Neben diesen wesentlichen Neuerungen enthält die Version 2027 einen neuen zeitperiodischen Löser, der deutlich schnellere Simulationen für Anwendungen in den Bereichen Plasma, Elektromagnetik und MEMS ermöglicht. Zusätzliche Verbesserungen bei Lösern, Geometrie, Vernetzung und Funktionen zur effizienteren Modellerstellung werden die Leistung und Benutzerfreundlichkeit von Comsol Multiphysics weiter steigern. „Technische Herausforderungen treten selten isoliert auf; das Verhalten jeder einzelnen Komponente beeinflusst die Gesamtleistung des Systems“, sagt Svante Littmarck, CEO von Comsol. „Comsol Multiphysics Version 2027 ermöglicht es Anwendern, detaillierte Multiphysik-Modelle mit Simulationen auf Systemebene in einer integrierten Umgebung zu verknüpfen und so tiefere Einblicke in die Wechselwirkungen zu gewinnen, die die Leistung von Produkten und Prozessen stimmen."
Modellierungen auf Systemebene durchführen und gleichzeitig detaillierte Modelle einbinden
Mit Comsol Systems können Ingenieure vollständige technische Systeme auf Systemebene modellieren und einzelne Komponenten dort, wo eine höhere physikalische Detailtiefe erforderlich ist, direkt mit 1D-, 2D- oder 3D-Multiphysikmodellen koppeln. Mit knapp 5.000 einsatzbereiten Komponenten können elektrische Schaltpläne, Prozessablaufdiagramme und benutzerdefinierte, auf Gleichungen basierende Systemmodelle erstellt werden. Einzelne Bausteine können elektrische Geräte, Prozessanlagen, benutzerdefinierte Komponenten oder vollständige Komponenten von Multiphysik-Modellen darstellen. Diese Komponenten lassen sich miteinander verbinden, um Systeme aus miteinander interagierenden Komponenten zu bilden. So können Anwender effizient Modellierungen auf Systemebene durchführen und gleichzeitig detaillierte Modelle einbinden, wo immer lokale physikalische Effekte berücksichtigt werden müssen. Insgesamt bietet dieser Prozess einen Modellierungsansatz, mit dem untersucht werden kann, wie das Verhalten einzelner Komponenten die Gesamtleistung des Systems beeinflusst.
Agentische Workflows für KI-gestützte Simulationen
Der Model Builder mit dem Interface Flowsheet, dem entsprechenden Einstellungsfenster und einem Flussdiagramm im Grafikfenster, das mit einem detaillierten 3D-Multiphysik-Modell eines Durchlaufmischers verknüpft ist.
(Bild: Comsol)
Während die bisherige KI-Unterstützung in Comsol Multiphysics Anwender über ein Chatbot-Fenster beim Modellieren und Programmieren unterstützt, ermöglicht Version 2027 erstmals agentische Workflows. Dazu führt Comsol den Comsol MCP Server ein. Der Server nutzt das Model Context Protocol (MCP) als standardisierte Schnittstelle zwischen externen KI-Agenten und Comsol Multiphysics. Über die Comsol API können Agenten auf Funktionen entlang des Modellierungs- und Simulationsworkflows zugreifen. Ein KI-Agent kann ein Modell erstellen und/oder anpassen, Simulationen durchführen, die Ergebnisse überprüfen und anhand dieser Ergebnisse entscheiden, wie es weitergehen soll. Während des gesamten Prozesses kann der Anwender die Arbeit in der Comsol Desktop-Umgebung überprüfen und verfeinern. „Diese Unterstützung wird den Weg für anspruchsvollere technische Workflows ebnen, bei denen Modellierung, Simulation, Optimierung, Validierung und Berichterstellung in einem iterativen, zielorientierten Prozess miteinander verknüpft werden“, sagt Mikael Sterner, Entwicklungsleiter bei Comsol. „Ingenieure können sich stärker auf die Fragen konzentrieren, die sie beantworten möchten, während Agenten dabei helfen, die Simulationsarbeit durchzuführen.“
Electric Motor Module
Das neue Electric Motor Module bietet eine optimierte Umgebung für die Modellierung von Elektromotoren und Generatoren in Comsol Multiphysics. Das neue Electric Motor Module bietet eine spezialisierte Umgebung für die 2D- und 3D-Modellierung von Elektromotoren und Generatoren. Damit lassen sich unter anderem Leistung, Betriebsbereiche, Verluste, Materialeffekte, Erregerschaltungen und Störungen untersuchen sowie Maschinendesigns hinsichtlich Wirkungsgrad, Leistung und Materialeinsatz optimieren. Das Modul bietet erweiterte Funktionen zur Kopplung von Modellen elektrischer Maschinen mit Wärmetransport, Strukturmechanik, Akustik, Strömung und elektrischen Schaltungen. Diese spezialisierte Multiphysik-Funktionalität ermöglicht es, über die reine Elektromagnetik hinaus effizienter und genauer zu verstehen, wie verschiedene physikalische Effekte die Gesamtleistung beeinflussen.
Stand: 16.12.2025
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Mit Version 2027 steht der Application Builder erstmals auch unter macOS und Linux zur Verfügung. Damit können Anwender auf allen drei großen Desktop-Plattformen Multiphysikmodelle in aufgabenspezifische Simulations-Apps überführen. Die Apps stellen nur die für den jeweiligen Anwendungsfall relevanten Eingaben, Einstellungen und Ergebnisse bereit und ermöglichen so auch Anwendern ohne umfassende Simulationserfahrung den Zugriff auf komplexe Modelle. Sie können außerdem als maßgeschneiderte Interfaces für digitale Zwillinge eingesetzt werden.
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Weitere Einzelheiten zu Comsol Multiphysics Version 2027 werden auf der Comsol Conference vorgestellt, die diesen Herbst in Großbritannien, den USA, Japan, China und Indien stattfindet.