Große Expertenumfrage

CAD-/CAM-Lösungen: Das sind die Trends

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Dr. Josef Koch, Dominik Öhler und Gunther Wamser

Fragen an die Experten:

1. Systembrüche und Insellösungen sind ineffizient. Welche Voraussetzungen müssen Unternehmen erfüllen, um eine durchgängige Datenkette vom CAD-Modell bis zur Werkzeugmaschine zu schaffen?

 2. Fachkräftemangel und steigender Kostendruck erhöhen den Automatisierungsbedarf. Welche Funktionen moderner CAM-Lösungen bieten heute den größten Mehrwert für Fertigungsunternehmen?

 3.  Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz heute und in Zukunft in modernen CAD-/CAM-Lösungen?

Dr. Josef Koch, Open Mind Technologies

Dr. Josef Koch ist CTO bei Open Mind Technologies. (Bild:  Open Mind Technologies)
Dr. Josef Koch ist CTO bei Open Mind Technologies.
(Bild: Open Mind Technologies)

1. Wenn Werkzeugdaten, NC-Programme oder Fertigungsinformationen in mehreren Systemen separat gepflegt und manuell übertragen werden, entstehen Medienbrüche und Fehlerquellen. Durchgängige Prozessketten brauchen offene Softwarearchitekturen und klar definierte Schnittstellen. Hypermill lässt sich flexibel mit MES, PLM, Werkzeugmanagement oder ERP verbinden. Mit Hummingbird verfügen wir zudem über ein eigenes MES, das Hypermill mit der Fertigungsplanung und -steuerung verbindet. Entscheidend ist, dass spezialisierte Lösungen zuverlässig Daten austauschen und Informationen bis an die Maschine weitergeben.

2. Moderne CAM-Lösungen schaffen Mehrwert, indem sie vorhandenes Fertigungswissen wiederverwenden, Routineaufgaben automatisieren und sichere Prozesse ermöglichen. Mit den Hypermill-Automatisierungstechnologien lassen sich zum Beispiel Bearbeitungsschritte standardisieren, Werkzeuge intelligent zuordnen und bewährte Abläufe wiederverwenden. Simulation und maschinenbezogene Optimierung verkürzen zusätzlich Programmierzeiten und reduzieren Fehler. Experten werden entlastet und weniger erfahrene Anwender schneller produktiv.

3. KI kann große Datenmengen analysieren, Muster erkennen, Wissen leichter zugänglich machen und Anwender bei komplexen Aufgaben unterstützen. So lassen sich Prozesse beschleunigen und Know-how besser nutzen. Bei hochpräzisen und sicherheitskritischen Aufgaben wie Werkzeugbahnberechnung, Kollisionskontrolle oder reproduzierbaren Bearbeitungsprozessen bleiben regelbasierte Algorithmen unverzichtbar. Künftig werden spezialisierte KI-Anwendungen bestehende CAM-Technologien gezielt ergänzen und einzelne Aufgaben effizienter machen.

Bei hochpräzisen und sicherheitskritischen Aufgaben wie Werkzeugbahnberechnung, Kollisionskontrolle oder reproduzierbaren Bearbeitungsprozessen bleiben regelbasierte Algorithmen unverzichtbar.

Dr. Josef Koch

Dominik Öhler, PTC

Dominik Öhler ist Principal Solutions Consultant bei PTC (Bild:  PTC)
Dominik Öhler ist Principal Solutions Consultant bei PTC
(Bild: PTC)

1. Die Basis ist ein durchgängiges 3D-Mastermodell. Produkt- und Fertigungsinformationen (PMI) sollten dafür direkt im CAD-Modell hinterlegt werden. Model-Based Definition (MBD) reduziert Medienbrüche und verhindert so Informationsverluste zwischen Konstruktion und Fertigung. Zudem müssen CAD, CAM und PLM auf derselben Produktstruktur arbeiten, damit Geometrie, Stücklisten, Materialien und Änderungsstände konsistent bleiben. Assoziative Prozesse sorgen dafür, dass Konstruktionsänderungen automatisch in die Fertigung übernommen werden. Ziel ist ein Intelligent Product Lifecycle, bei dem Daten nicht exportiert werden, sondern im gesamten Produktentstehungsprozesses verfügbar sind.

2. Den größten Mehrwert bietet die Kombination aus Automatisierung, Standardisierung und Wiederverwendbarkeit: Eine automatische Feature-Erkennung reduziert den Programmieraufwand und beschleunigt die NC-Erstellung, wissensbasierte Bearbeitungsstrategien machen Fertigungs-Know-how wiederverwendbar und Prozesse reproduzierbar. Assoziative NC-Programme bleiben bei Modelländerungen aktuell und reduzieren die Nacharbeit. Zudem machen standardisierte Templates und UDFs Expertenwissen für unerfahrenere Anwender zugänglich.

3. KI automatisiert bereits repetitive Tätigkeiten, unterstützt Arbeitsabläufe, hilft bei der Modellanalyse und dem Auffinden von Informationen. Künftig wird KI in der Konstruktion auch Designvorschläge generieren, Prozesse optimieren und Unternehmenswissen nutzbar machen. In der Fertigung wird sie Bearbeitungsstrategien, Werkzeugauswahl und NC-Prozesse automatisiert vorbereiten und optimieren. Dabei bleibt die Expertise des Anwenders entscheidend. Voraussetzung ist jedoch eine konsistente Datenbasis über CAD, CAM und PLM hinweg.

Künftig wird KI in der Konstruktion auch Designvorschläge generieren, Prozesse optimieren und Unternehmenswissen nutzbar machen.

Dominik Öhler

Gunther Wamser, Schott Systeme

Gunther Wamser ist Geschäftsführer bei Schott Systeme GmbH. (Bild:  Schott Systeme)
Gunther Wamser ist Geschäftsführer bei Schott Systeme GmbH.
(Bild: Schott Systeme)

1. Idealerweise kommt ein durchgängiges CAD/CAM-System aus einer Hand zum Einsatz, um Brüche an der kritischsten Schnittstelle komplett zu vermeiden – dem Übergang vom CAD zum CAM. Schott Systeme entwickelt seit über 40 Jahren mit Pictures by PC eine solche durchgängige CAD/CAM-Lösung. In der Realität sieht es in den meisten Betrieben jedoch anders aus: Hier sind oft mehrere unterschiedliche CAD- und CAM-Systeme parallel im Einsatz. Erschwert wird dies zudem durch die notwendige Anbindung weiterer Systeme wie PLM oder PDM. Deshalb müssen bestehende Softwarelandschaften vor allem im Hinblick auf ihre Konnektivität kritisch hinterfragt werden. Zukunftsorientierte Software soll nicht nur über Schnittstellen verfügen, sondern andere Programme steuern können und selbst steuerbar sein. 

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2. Moderne CAM-Lösungen nehmen dem Anwender vor allem die Routineaufgaben ab: Standardgeometrien werden automatisch erkannt und den passenden Bearbeitungsstrategien sowie Werkzeugen zugeordnet. Um die Prozesse jedoch optimal abzubilden, benötigt der Anwender maximale Flexibilität bei der Hinterlegung seiner individuellen CAM-Strategien.

3. Softwarehersteller setzen KI bereits ein, um neue CAD/CAM-Funktionen effizienter zu entwickeln. Wesentlich relevanter ist diese Technologie für den Softwarenutzer selbst: Mit Hilfe von KI können Anwender selbst mit rudimentären Programmierkenntnissen ihre Prozesse automatisieren und eigene Features generieren. Deshalb sind CAD/CAM-Anbieter gefordert, ihren Kunden den Zugang zur Systemprogrammierung so einfach wie möglich zu machen. Wünschenswert sind gängige CAD/CAM-Plattformen, die der Anwender seinen Bedürfnissen anpasst.

Mit Hilfe von KI können Anwender selbst mit rudimentären Programmierkenntnissen ihre Prozesse automatisieren und eigene Features generieren.

Gunther Wamser