Bei Abkündigung ihrer bestehenden lokalen ERP-Installation sind aktuell viele Unternehmen gezwungen, auf eine neue, mitunter Cloud-basierte Plattform zu migrieren. Der Wechsel bietet die Chance, das Zusammenspiel zwischen ERP und PLM neu zu definieren. Doch dazu benötigen sie eine flexible PLM-Plattform.
(Quelle: Getty Images)
ERP-Migration: Das Thema PLM-/ERP-Integration ist nicht neu, aber es gewinnt durch die kritischen Veränderungen der Märkte und Kundenanforderungen aktuell stark an Bedeutung. Die interdisziplinäre Entwicklung smarter Produkte mit einem hohen Elektronik- und Software-Anteil und die Unterstützung neuer, serviceorientierter Geschäftsmodelle zwingen die Unternehmen dazu, die Rolle von PLM neu zu definieren.
ERP-Migration: Das PLM und digitale Zwillinge
PLM ist damit die Voraussetzung für die digitale Durchgängigkeit und den Aufbau von Digital Twins, die das digitale Produkt mit der realen Produktwelt verbinden. Erst diese Verbindung macht es möglich, Produkte vorausschauend zu warten oder im laufenden Betrieb zu verbessern, etwa durch Software-Updates Over-the-Air.
PLM und der Digital Twin sind somit das Fundament für neue datengetriebene Geschäftsmodelle. Um sie unterstützen zu können, müssen Informationsflüsse und Prozesse nicht nur vertikal zwischen den unterschiedlichen Domänen, sondern auch horizontal zwischen Entwicklung, Produktionsplanung, Produktion und Service enger verzahnt werden. Hinsichtlich der PLM-/ERP-Migration stellt sich die Frage, ob die Aufgaben zwischen PLM und ERP neu verteilt werden sollten, weil bestimmte ERP-Prozesse besser im PLM-System aufgehoben sind. Das gilt beispielsweise für das Stücklisten-Management mit der klassischen Trennung zwischen Engineering-BOM im PLM und Manufacturing-BOM im ERP (BOM steht für Bill Of Material – Materialstückliste).
Dank entsprechender Module für die Manufacturing Process Planning (MPP) unterstützen moderne PLM-Systeme heute ein integriertes Stücklisten-Management, was den manuellen Aufwand für die Synchronisation von E- und M-BOM reduziert und Fehler in der Beschaffung oder Fertigung vermeidet.
Interessant ist diese Option vor allem für Unternehmen, die an ihren Fertigungsstandorten unterschiedliche ERP-Systeme oder Instanzen eines ERP-Systems einsetzen. Außerdem bieten PLM-Systeme umfassende Funktionen für das Varianten- und Konfigurationsmanagement und machen dadurch die zunehmende Produktvielfalt, mit der viele Unternehmen ringen, entwicklungsseitig besser beherrschbar.
Viele Unternehmen denken sogar darüber nach, das Management von Zukaufteilen vom ERP ins PLM zu verlagern. Davon versprechen sie sich eine bessere Kontrolle über die Lieferzeiten bei Langläufern und eine höhere Termintreue.
Wachsende Bedeutung des PLM
Im Unterschied zu früher erhalten PLM-Projekte aufgrund ihrer strategischen Bedeutung für die Unternehmensentwicklung heute deutlich mehr Aufmerksamkeit seitens des Managements. Die Unternehmen sehen die Notwendigkeit, ihre Fähigkeiten im Bereich der Produktentwicklung zu erhöhen und beispielsweise Themen wie die Compliance etwa den Klimaschutz und Nachhaltigkeit betreffend im PLM abzubilden.
Die Ingenieure, die die Erfüllung der Compliance-Anforderungen nachweisen müssen, wollen dies nach Möglichkeit in ihrer gewohnten Umgebung und mit mehr Flexibilität als im ERP-System tun.
ERP-Migration: Zwei Systeme gleichzeitig implementieren
Unternehmen, die eine anstehende ERP-Migration nutzen wollen, um ihre Unternehmensprozesse zu optimieren, kommen deshalb nicht umhin, auch ihre bestehenden PLM-Installationen zu hinterfragen. Insbesondere wenn es sich um ältere Systeme mit monolithischen Architekturen handelt, lässt sich das Zusammenspiel womöglich nicht flexibel an neue Anforderungen anpassen.
Mindestens eines der Systeme sollte deshalb hochgradig flexibel sein, um sich mit den Anforderungen des Unternehmens dynamisch weiter entwickeln zu können.
Zwei Systeme gleichzeitig zu implementieren, erfordert jedoch eine gute Abstimmung zwischen IT-Organisationen und Fachbereichen. Da die Einführung eines neuen ERP-Systems erfahrungsgemäß sehr viele IT-Ressourcen bindet, sollte die Implementierung neuer PLM-Funktionen so einfach wie möglich sein. Ein agiler Ansatz ermöglicht hier ein Vorgehen in kleinen, aber schnellen Schritten. Der Einsatz einer Cloud-basierten Anwendung ist eine weitere Möglichkeit, um den Aufwand für die PLM-Implementierung zu minimieren.
Informationsflüsse in beide Richtungen
Um die digitale Durchgängigkeit zwischen PLM und ERP zu erreichen, müssen zusammengehörende Informationen über Systemgrenzen hinweg verknüpfbar sein. Eine wesentliche Anforderung an die neue Generation von Integrationen ist, dass die Daten bidirektional fließen und die Zusammenhänge in beide Richtungen nachvollziehbar sind. Es reicht nicht mehr aus, fertigungsrelevante Informationen an das ERP-System zu übergeben; Fehlermeldungen (Issues) aus der Produktion oder dem Feld müssen mit den Entwicklungsdaten in Beziehung gesetzt werden, um beispielsweise die Ursache von Fehlern identifizieren zu können. Idealerweise werden die Informationen gar nicht mehr ausgetauscht, sondern über entsprechende Webservices im jeweils anderen System visuell bereitgestellt.
Zielsetzung bei der PLM-/ERP-Integration sollte sein, so viele Daten wie möglich zu verlinken statt sie zu duplizieren, um das zu replizierende und zu synchronisierende Datenvolumen zu minimieren und um Schnittstellen schneller anpassen zu können. Gleichzeitig muss es aber möglich sein, als Basis für den Digital Twin auskonfigurierte Stücklisten mit entsprechenden Seriennummern persistent im PLM zu generieren.
Stand: 16.12.2025
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Diese Stücklisten – egal ob E-BOM, M-BOM oder Service-Stücklisten – sind im Prinzip jedoch nur eine „Sicht“ auf beziehungsweise Ausschnitte der Gesamtheit der verknüpften Informationen. Diese Sichten lassen sich in einer einheitlichen Systemumgebung einfacher synchron halten, weshalb es zweckmäßig ist, sie durchgängig im PLM zu managen.
So viele Daten wie möglich verlinken
Um den Integrationsaufwand zu minimieren sind standardisierte Lösungen für die Integration von PLM-, ERP- und anderen Enterprise-Anwendungen erforderlich, die gegebenenfalls als Cloud Service (Integration Platform as a Service oder iPaaS) bereitgestellt werden. Aras arbeitet gemeinsam mit Partnern und Kunden an entsprechenden Lösungen. Die Partner sollen auch weiterhin die Entwicklung und Implementierung der Schnittstellen übernehmen. Allerdings gehen viele Kunden inzwischen dazu über, sie selbst zu konfigurieren, da das auf Seiten der Aras-Lösung Innovator sehr einfach ist.
Standardisierte Integrationsplattformen und neue Konzepte der Daten-Verknüpfung werden zunehmend wichtiger, weil die Anwender den Zugriff auf immer komplexere und größere Informationsumfänge aus unterschiedlichen Datenquellen benötigen. Insbesondere die Software wird bei smarten Produkten zu einem wichtigen Bestandteil der (mechatronischen) Stückliste. Das erfordert die Anbindung der ALM-Systeme (Application Lifecycle Management), mit denen viele Unternehmen ihre Software-Entwicklungsprozesse steuern. Auch bestimmte Datenumfänge aus dem Betrieb, die üblicherweise auf einer separaten IoT-Plattform gesammelt werden, müssen mit dem Digital Twin verknüpft werden.
Tendenziell werden künftig immer mehr Enterprise-Anwendungen in einem Netzwerk von Beziehungen bi- und mehrdirektional miteinander kommunizieren.
Resümee
Eine offene und flexible PLM-Plattform ist Dreh- und Angelpunkt einer IT-Bebauung, die den Anforderungen neuer Geschäftsmodelle Rechnung trägt. Unternehmen sollten den Umstieg auf eine neue ERP-Umgebung als Chance begreifen, ihre PLM-Strategie neu zu definieren und die Stärken von PLM besser auszuschöpfen. Eine anpassungsfähige IT-Bebauung ermöglicht, schneller auf die sich verändernden Marktanforderungen zu reagieren, und sichert ihnen Vorteile im Wettbewerb.
Der Autor Peter Schoppe ist Vice President Operations Central Northern Europe bei Aras Software.