Durchgängiges Datenmodell Wie Schaltschrankbauer von digitalen Lösungen profitieren

Von Timo Tarrach und Miguel Delgado-Abracos 5 min Lesedauer

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Manuelle Arbeit, Papierunterlagen und verteilte Informationen bremsen viele Schaltschrankbauer weiterhin aus. Eine durchgängig umgesetzte Digitalisierung schafft hier klare Vorteile und stärkt die Wettbewerbsfähigkeit.

Die Marking System Software steuert alle Drucksysteme zentral und ermöglicht einen vollständig digitalisierten Markierungsprozess.(Bild:  Phoenix Contact)
Die Marking System Software steuert alle Drucksysteme zentral und ermöglicht einen vollständig digitalisierten Markierungsprozess.
(Bild: Phoenix Contact)

Nach wie vor prägen manuelle Tätigkeiten die Prozesse vieler Schaltschrankbauer. Informationen liegen verteilt in verschiedenen Systemen, von denen viele noch nicht vollständig digitalisiert sind. Besonders papierbasierte Fertigungsunterlagen führen dabei zu erheblichen Ineffizienzen. Wichtiges Erfahrungswissen, über das ausschließlich einzelne Fachkräfte verfügen, läuft komplett an Prozessen und einer systematischen Dokumentation vorbei. Das macht die Produktion fehleranfällig, langsam und schwer skalierbar. Insbesondere in Zeiten, in denen qualifiziertes Personal schwer zu finden ist, führen diese Rahmenbedingungen zu schwerwiegenden Problemen.Gleichzeitig steigen die Anforderungen: Kunden erwarten kürzere Lieferzeiten, eine höhere Variantenvielfalt und maximale Qualität. Um diesen Spagat zu meistern, braucht es digitale Lösungen, die nicht nur einzelne Arbeitsschritte optimieren, sondern den gesamten Prozess intelligent vernetzen.

Durchgängige Daten vom Engineering bis zur Fertigung 

Die Grundlage für effiziente, abgestimmte Prozesse ist ein durchgängiges, digitales Datenmodell. Das Engineering verantwortet die Anlage und Pflege eines standardisierten, vollständigen digitalen Zwillings und stellt ihn für alle Prozessschritte konsistent bereit. Nur unter dieser Voraussetzung lassen sich Medienbrüche vermeiden, Fehler reduzieren und Durchlaufzeiten verkürzen.  Leistungsfähige digitale Schnittstellen ermöglichen den Datenexport aus dem Engineering in die Fertigungsprozesse, sodass eine durchgängige Nutzung der Daten sichergestellt ist. Dabei ist ein klares Konzept erforderlich, um Daten gezielt für jeden einzelnen Schritt der Produktion bereitzustellen: so viele Informationen wie nötig – so wenig Daten wie möglich. Dieser Leitsatz ist bei der Betrachtung jedes Arbeitsschritts für eine effiziente Digitalisierung im Schaltschrankbau zu berücksichtigen.Mit der Engineering-Software Clipx Engineer bietet Phoenix Contact eine umfassende Lösung für die Planung und Bestellung von Klemmenleisten. Die Software ermöglicht die einfache Auswahl und Platzierung von Komponenten. Gleichzeitig stellt sie im Hintergrund die entsprechende Dokumentation bereit – inklusive Ergänzung des passenden Zubehörs und direkter Anbindung an gängige ECAD-Systeme. Es entsteht ein digitaler Zwilling der Klemmenleiste als Datenbasis für alle weiteren Fertigungsschritte.  

Werkerassistenz: Effizienz steigern mit digitaler Unterstützung 

Ein besonders großer Effizienzhebel durch den Einsatz digitaler Daten liegt in der Fertigung. Hier setzt das Unternehmen mit zwei spezialisierten Software-Lösungen für die Werkerassistenz an:
Clipx Engineer assemble unterstützt die manuelle Montage von Klemmenleisten. Das kostenpflichtige Add-on für den Clipx Engineer führt den Werker Schritt für Schritt durch den Bestückungsprozess und visualisiert die Positionierung aller Komponenten. Diese Anleitung reduziert Fehler auf ein Minimum und verkürzt Einarbeitungszeiten maßgeblich – ideal auch für wenig erfahrene Mitarbeitende. Des Weiteren können die Markierungsdaten bedarfsgerecht an einen Drucker gesendet und so während des Bestückungsvorgangs platziert werden. Die gesamte Datenübernahme erfolgt direkt aus der zugehörigen Engineering-Software.
Clipx Wire assist begleitet die teilautomatisierte Leitervorbereitung. Die Software steuert halb automatische Geräte, um abzulängen, abzuisolieren und Aderendhülsen zu verpressen. Der maschinelle Prozess stellt die Verarbeitung der Leiter exakt nach Vorgabe und in gleichbleibend hoher Qualität sicher. Zusätzlich ermöglicht die Software die direkte Übermittlung der Informationen zur Leiterkennzeichnung an ein Markierungssystem. Für maximale Effizienz sorgt hier die Thermomark E Series, die die Bedruckung und Applizierung der Leiter in einem Arbeitsschritt ausführt. Die eingesetzten Daten stammen direkt aus dem Engineering. Ihre Übertragung erfolgt nahtlos, also ohne Systembruch, in die Fertigung.  

Einheitlich und effizient markieren 

Ein Schlüssel für fehlerarme, effiziente Abläufe nicht nur in der Fertigung von Schaltschränken, sondern auch im späteren Betrieb, ist die eindeutige Kennzeichnung aller Bauteile. Die Marking System Software bietet die zentrale, digitale Plattform für die Planung und Erstellung von Kennzeichnungen. Sie umfasst alle Arten von Markern für Klemmen, Kabel und Leiter, Geräte und Anlagen. Weiterhin steuert die Software alle Drucksysteme des Herstellers bei der Ausführung der Druckaufträge. Integrierte Schnittstellen ermöglichen die direkte Übernahme und Konvertierung der Kennzeichnungsdaten aus dem Engineering für eine durchgängige, fehlerfreie Markierung. Alle Kennzeichnungsmaterialien lassen sich dabei kundenspezifisch anpassen. Für die Schaltschrankfertigung bedeutet dies unter anderem die Gestaltung von Typenschildern mit Kundenlogos, Barcodes sowie variablen Feldern für den Datenimport – ganz nach den individuellen Anforderungen der Kunden. In Kombination mit den passenden Drucksystemen und der mobil nutzbaren App entsteht ein vollständig digitalisierter Markierungsprozess – schnell, flexibel und skalierbar.

Skalieren und wiederverwenden: der unterschätzte Vorteil 

Ein häufig vernachlässigter Vorteil durchgängiger Digitalisierung ist die Möglichkeit zur Replikation: Einmal vollständig digital dokumentierte Projekte lassen sich mit minimalem Aufwand wiederverwenden – sei es in der Serienfertigung, der Ausprägung von Varianten oder ähnlichen Anwendungen. Das spart nicht nur Zeit, sondern schafft auch eine neue Qualität in der Projektabwicklung. Unter anderem aus diesem Grund bietet bereits der Einsatz einzelner digitaler Lösungen des vorgestellten Portfolios signifikantes Potenzial zur Effizienzsteigerung. Die ganzheitliche, individuell abgestimmte Vernetzung der digitalen Daten in der Produktion ermöglicht in der Folge die Nutzung von Synergieeffekten mit übergeordnetem Mehrwert für einen langfristigen Wettbewerbsvorteil.

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Einfach und schnell Klemmenleisten  bestellen

Individuell konfigurierte Klemmenleisten lassen sich schnell und unkompliziert direkt aus der Engineering-Software Clipx Engineer heraus bestellen. Ob Einzelstück oder Serienfertigung: Die vormontierten, markierten und mit Zubehör versehenen Leisten sind je nach gewähltem Servicelevel in zwei bis acht Werktagen versandfertig. Das spart Zeit und reduziert Lagerkosten. Schaltschrankbauer können sich ganz auf Ihr Kerngeschäft konzentrieren.

Fazit: Digitalisierung als strategischer Hebel 

Die durchgängige Digitalisierung im Schaltschrankbau ist längst keine Zukunftsvision mehr. Sie lässt sich bereits heute umsetzen und ist wirtschaftlich sinnvoll. Voraussetzung dafür ist es, Daten standardisiert und vollständig anzulegen, zu pflegen und bereitzustellen. Der Hersteller bietet mit seinem Softwareportfolio praxisnahe Lösungen, die sich nahtlos in bestehende Prozesse integrieren lassen und echte Mehrwerte schaffen: kürzere Durchlaufzeiten, höhere Qualität, geringere Fehlerquoten und eine deutlich gesteigerte Effizienz. Wer jetzt in durchgängige Digitalisierung investiert, sichert sich nicht nur einen technologischen Vorsprung, sondern macht sich unabhängiger vom Fachkräftemarkt. Dies schafft die Basis für skalierbares Wachstum.

Timo Tarrach ist Produktmanager Software BU ICS bei Phoenix Contact in Blomberg.
Miguel Delgado-Abracos ist Produktmanager  Software BU MI bei Phoenix in Blomberg.