Für seine Möbelsysteme nutzt USM bereits seit fast zwei Jahrzehnten eine sich stetig entwickelnde digitale Vertriebsplattform zur Produktpflege, Konfiguration und Konfektionierung für die weltweite Vertriebsorganisation. Nun folgt ein Webkonfigurator und weitere Features.
(Quelle: USM)
Das USM-Möbelbausystem „Haller“ kam 1965 auf den Markt und hat sich seither weltweit zu einem Design-Klassiker entwickelt. Neue Ausstellungskonzepte für die eigenen Showrooms in Bern, Hamburg, München, New York, Paris und Tokio setzen das Programm in Bezug zu aktuellen Themen. Dabei zeigen die Showcases Einsatzmöglichkeiten in modernen Büroumgebungen, zur Warenpräsentation im Showroom oder als komplexe Designobjekte in Wohnbereichen. Zudem soll ein Webkonfigurator für Endkunden nun die Vertriebswege für individualisierbare, vorkonfigurierte Module ergänzen.
Digitaler Vertrieb durch Webkonfigurator
Denn die klassische Vertriebsorganisation ist bereits weitgehend digitalisiert. Sie umfasst Tochtergesellschaften in Europa, den USA und Japan ebenso wie weltweit über 400 Vertriebspartner und Generalimporteure. Diese planen objektbezogen und individuell Büro- und Wohneinrichtungen, die alle technischen, ergonomischen und sozialen Anforderungen der Auftraggeber erfüllen.
Eine digitale Vertriebsplattform liefert die Basis auch für die Webkonfiguration.
Nachhaltige Software-Investition
Bereits seit 2002 nutzt die Vertriebsorganisation - der Innendienst ebenso wie alle Vertriebspartner - die P´X Industry Solution von Perspectix. Die intern „Virtual.USM“ genannte Lösung wurde stetig ausgebaut und weiterentwickelt und verbindet 3D-Konfiguration auf der Basis leichtgewichtiger CAD-Geometrien mit Stücklistenverwaltung sowie kaufmännischen Vertriebsfunktionen. CAD-Modelle werden dazu bearbeitet und in die Konfigurationslogik integriert, um das Produktangebot zu erweitern. Sämtliche Bauregeln für die Komponenten sind hinterlegt, so dass nur noch technisch machbare und sinnvolle Produkte entstehen können.
„Fehler bei der Konfiguration sind kaum noch möglich“, kommentiert Dominic Deichgard, Head of Sales Support and Virtual.USM. „Deshalb nehmen wir seit langem nur noch Bestellungen aus dem Konfigurator an.“ Dazu betreibt das Unternehmen einen zentralen Server in Münsingen – die Vertriebler sind mit diesem über sichere VPN verbunden.
„Die Antwortzeiten sind hervorragend“, erklärt Deichgard. „Im weltweiten Datenverkehr bemerkt man kaum noch etwas von der Distanz.“ Eine enge Integration mit dem ERP-System Infor LN sorgt für einheitliche, durchgehende Prozesse: Zum Beispiel werden der jeweilige Projektstatus und Informationen über Liefertermine übergeben. Ruft ein Vertriebspartner seine Projekte in der Vertriebsplattform auf, werden alle Daten aktualisiert.
Geringer Aufwand bei Updates
Aus der zentralen Installation ergeben sich einige Vorteile. Das Einpflegen neuer Produkte und Funktionen, aber auch die laufende Wartung übernimmt der Software-Hersteller Perspectix. Neue Versionen in Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch werden in kürzester Zeit installiert und intern wie extern gleichzeitig aufgeschaltet. Die Benutzer in aller Welt können ohne Neustart nach wenigen Minuten weiterarbeiten – Release Notes informieren anschaulich über Neuerungen.
„Pro Jahr verteilen wir zwei bis drei Hauptversionen mit neuen Produkten, Preisanpassungen in den Bestellwährungen und neuen Funktionen“, erläutert Deichgard. „Nie war es einfacher, eine internationale Vertriebsorganisation zu unterstützen.“
(Die modularen Möbelbausysteme von USM sind Klassiker für Büroeinrichtungen im Großraum ebenso ... Bild: USM)
Fehlersichere Konfiguration
Die 3D-Planungsfunktionen unterliegen ebenso wie die vertriebliche Konfiguration dem internen Regelwerk – Fehler werden dadurch weitgehend ausgeschlossen. Planungen, Skizzen und Grundrisse lassen sich in gängigen Formaten importieren und als Basis der Möbelplanung nutzen. Ein besonderes Highlight sehen Vertriebspartner in der wirklichkeitsgetreuen Visualisierung, die bei entsprechendem Zoom jedes für den Kunden relevante Detail darstellt.
Animationen wie das Öffnen und Schließen einer Schublade führen den Kunden das Produkt während der gemeinsamen Konfiguration mit dem Vertriebler plastisch vor Augen, minimieren Bedenken und Risiken und führen zu höherer Identifikation mit vorgeschlagenen Lösungen.
Entscheidet sich der Kunde zu einer Bestellung, muss der jeweilige Vertriebspartner lediglich den Projektstatus auf „bestellbereit“ setzen. Nach einer automatischen Überprüfung auf Vollständigkeit, kann er die Bestellung per Knopfdruck an die Firmenzentrale in der Schweiz übermitteln. Der Verkaufsinnendienst überprüft die eingegangenen Projekte final und gibt sie frei: „Dabei stehen das Gesamtgewicht, die Gegengewichte zu Auszügen und Türen oder auch Sicherheitsaspekte im Fokus“, erklärt Deichgard „Nur ein geringer Anteil der Projekte wird mit Änderungsvorschlägen zurückgeschickt.“
Stand: 16.12.2025
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Die geprüften Konfigurationen werden an das ERP-System übergeben, das den Stücklisten die realen Artikel zuordnet und die interne Logistik auslöst. Kurz vor der geplanten Auslieferung werden Montage-skizzen aus der Vertriebsplattform Virtual.USM abgerufen. „Dank dieser Durchgängigkeit bekommt der Kunde genau das, was er bestellt hat“, kommentiert Deichgard. „Die Lieferzeiten konnten wir maßgeblich reduzieren – ein wichtiges Thema in Zeiten der Online-Bestellungen.“
(.. wie für zu Hause. Bild: USM)
Konfektionierung und Auslieferung inklusive
Die Montagedokumente enthalten 3D-Ansichten ebenso wie Skizzen und begleiten die Arbeitspakete durch die Montage und Konfektionierung. Damit dies papierlos funktioniert, hat der Software-Hersteller die CPQ-Lösung um einen Montageviewer erweitert, der die Informationen per Webtechnologie bereitstellt.
„In einem kurzen und erfolgreichen Projekt hat Perspectix den Montageviewer integriert und an unsere Anforderungen angepasst“, berichtet Deichgard. „Der seit Jahresanfang laufende Pilotbetrieb an einigen Arbeitsplätzen erfüllt unsere Erwartungen bestens.“
Geplant ist, dass die gesamte Montage in Münsingen und Leipzig per Scan mit Touchpanels auf die Montageinformationen zugreifen kann. Deichgard kommentiert: „Mit der papierlosen Montage verbessern wir die Informationsbasis unserer Mitarbeiter, die dadurch die Kundenwünsche noch besser erfüllen können.“
Webkonfigurator auf gleicher Basis
Das Beispiel bei USM zeigt grundsätzliche Vorteile der P´X Industry Solution: Auf der gleichen Datenbasis, die in fast 20 Jahren Einsatz in der Vertriebsorganisation gewachsen ist, baut der Hersteller nun einen Webkonfigurator für Endkunden auf.
„Wir werden unseren Endkunden damit ein reduziertes Sortiment mit einem geringeren Funktionsumfang an-bieten“, kommentiert Dominic Deichgard. Denn mit vorkonfigurierten Modulen und branchenspezifischen Komponenten werden höhere Verkaufserfolge erreicht.
Der Webkonfigurator führt den Kunden durch die 3D-Visualisierung von Modulen und Komponenten im Einbauraum. Ergebnis ist eine Projektdatei, mit dem er anschließend sein individuelles Angebot anfordert.
Deichgard ergänzt: „Die Integration der Industry Solution mit dem Webkonfigurator erspart uns doppelte Datenhaltung und zusätzlichen Aufwand.“ Denn auch zum Erstellen des Angebots bearbeitet der Vertriebler diese Datei nahtlos in der CPQ-Lösung. Sollte etwas nicht passen, werden Beratungsgespräche und anschließende Anpassungen durchgeführt. Schließlich erhält der Kunde Angebote mit 3D-Ansichten, Aufstellplanung und Stücklisten.
Der Autor Dr. Thomas Tosse ist Fachjournalist in München.