In der industriellen Blechumformung kommen zahlreiche Presswerkzeuge zum Einsatz, bei denen enorme Kräfte wirken. Um diese tonnenschweren Kräfte zuverlässig abzubauen und gleichzeitig Ausfallsicherheit sowie Langlebigkeit zu erhöhen, setzen Unternehmen zunehmend auf Strukturdämpfer aus Co-Polyester Elastomer. Sie haben die zuvor genutzten Polyurethan-Dämpfer (PUR) erfolgreich abgelöst.
Die Familie der Strukturdämpfer Tubus Special schützen zum Beispiel Halteschrauber und Steckbolzen, wie sie in der Metallbearbeitung vor allem während des Rückhubes nach der Umformung von Blechteilen im Dauerbetrieb eingesetzt werden, bis zu drei Mal länger als vergleichbare Lösungen aus PUR-Materialien.
(Bild: ACE Stoßdämpfer)
In der Automation die Wirtschaftlichkeit zu steigern, war das Ziel bei einer ProgDie-Schnellläuferpresse eines namhaften deutschen Automobilherstellers. Die Anlage produziert mit 40 Presshüben bis zu 160 Karosseriebauteile pro Minute und erreicht ihre Produktionsleistung durch die Integration mehrerer Arbeitsschritte. Die Zuführung des Stahlblechs in das Presswerkzeug erfolgt direkt von der Stahlblechrolle, dem Coil, ohne das übliche vorherige Zuschneiden einzelner Blechplatinen. Das Presswerkzeug ist als Folgeverbundwerkzeug ausgelegt. Bis zu 21 aufeinanderfolgende Arbeitsschritte sind in das 50 Tonnen schwere Presswerkzeug integriert
Bei jedem Presshub erfolgen alle Arbeitsschritte gleichzeitig. Der eingelegte Stahlblechstreifen wird dabei um je einen Schritt weiter durch das Werkzeug geschoben. Durch die Integration der Arbeitsschritte erreicht die Schnellläuferpresse einen besonders guten Materialnutzungsgrad. Darüber hinaus reduziert sich der jährliche Energiebedarf gegenüber konventionellen Verfahren um rund fünf Millionen Kilowattstunden, dem jährlichen Strombedarf von 1500 Einfamilienhäusern.
Strukturdämpfer verbessern Lebensdauer und Schutz von Presswerkzeugen
Schema eines Presswerkzeugs mit Niederhalter und Halteschrauben: Statt Niederhalterringen aus PU kommen Niederhalterdämpfer von ACE aus Co-Polyester Elastomer zum Einsatz (rot), um Kraftspitzen noch besser zu reduzieren und mehr Energie absorbieren zu können.
(Bild: ACE Stoßdämpfer)
Mit der Leistungssteigerung, in der die Karosserieteile für Kraftfahrzeuge in dieser Presse hergestellt werden, gelangten Federn aus Polyurethan, die bis dato als Niederhalterdämpfer zum Einsatz kamen, an ihre materialimmanenten Grenzen. Sind doch diese Art von Dämpfern dafür zuständig, beim Öffnen der Presswerkzeuge nach dem Pressvorgang die Halteschrauber und damit die eigentlichen Werkzeuge zu schützen. Die Halteschrauber dienen dabei zur Hub-Begrenzung des Niederhalters.
Durch die steigenden Rückhubgeschwindigkeiten nach der Blechumformung stiegen in den letzten zehn Jahren auch die auf die Niederhalterdämpfer wirkenden Kräfte. Die Federn aus Polyurethan (PUR) waren den neuen Bedingungen nicht gewachsen. Wie manche Betriebsleiter sagten, „zerbröselten“ sie buchstäblich nach wenigen Einsätzen, und so ließen sie die Halteschrauben, die Werkzeuge und auch die Niederhalter ohne Schutz. Die Halteschrauben rissen ab und verursachten Produktionsausfälle sowie erhebliche Reparaturkosten an den Werkzeugen. Daraufhin wandten sich einige Ingenieure, die mit dem Dämpfungsportfolio der ACE Stoßdämpfer aus Langenfeld vertraut waren, an den technischen Vertrieb und beauftragten diesen, neue Niederhalterdämpfer zu entwickeln. Damit waren die Strukturdämpfer namens Tubus Special geboren. Als Niederhalter- und Anhebedämpfer konzipiert, haben sie am Ende eines dreijährigen Entwicklungsprozesses die Arbeit der gleichnamigen PUR-Lösungen übernommen. Im direkten Vergleich sind die aus Co-Polyester Elastomer gefertigten Tubus dem PUR-Werkstoff hinsichtlich Dämpfungseigenschaften und Lebensdauern deutlich überlegen. „Für uns ist es selbstverständlich, unseren Kunden für spezielle Anforderungen spezifische Lösungen anbieten zu können. Häufen sich die Anfragen kann daraus – wie in diesem Fall – eine komplett neue Baureihe entstehen“, so Thorsten Kohnen, Tubus-Produktmanager von ACE.
Tubus Special: Serienreife Strukturdämpfer für die Blechumformung
ACE bietet Dämpfungselemente aus Co-Polyester Elastomer in vielen Varianten: Kundenspezifische, kostengünstige Lösungen für Presswerkzeuge beim Blechumformen sind in Form des abgebildeten Tubus-Special-Niederhalterdämpfers entstanden.
(Bild: ACE Stoßdämpfer)
Obwohl die Tubus-Dämpferfamilie bereits standardmäßig aus sechs Baureihen und über 140 verschiedenen Ausführungen besteht, waren für die speziellen Anforderungen mehrere Anpassungen nötig, die nach einer intensiven, an den Kundenbedürfnissen orientierten Zusammenarbeit in den Tubus Special genannten Komponenten mündeten. Nach Dauertests im Labor, Erprobung in ausgewählten Presswerkzeugen sowie der Berechnung von Auswahltabellen ermittelte der Hersteller die statischen und dynamischen Kraft-Weg-Kennlinien sowie die Energieaufnahme und -absorbierung für diese Maschinenelemente auf Prüfständen, wobei die maximale Energieaufnahme der neuen Komponenten zwischen fünf und 269 Newtonmetern beträgt.
Erste Statik- und Dynamiktests waren vielversprechend und konnten unter dynamischen Bedingungen in der Praxis bestätigt werden. So wurden die Ergebnisse der zuvor verwendeten PUR-Elemente um fast das Dreifache übertroffen. Dadurch müssen Tubus Special seltener ausgetauscht werden als ihre Vorgänger und sorgen dank der geringeren Ausfall- und Wartungszeiten für höhere Produktivität der jeweiligen Anlagen.
Inzwischen bietet das Unternehmen noch leistungsstärkere Niederhalter- und Anhebedämpfer als während der Tests und ersten Serien für Halteschrauben der Größen M10 bis M30 an. Als zusätzlichen Service hat das Tubus-Team von Thorsten Kohnen im Verlauf der Produktentwicklung für jede Dämpfungstype eine Auswahlmatrix für das beauftragende Unternehmen erstellt. Anhand derer können Werkzeugmacher jetzt noch leichter die Baugröße und Anzahl der Dämpfer bestimmen. Das Resultat dieser Entwicklungen: Diese Strukturdämpfer werden inzwischen von allen namhaften Automotive-Herstellern in Werken rund um den Globus bei der Blechumformung genutzt.
Stand: 16.12.2025
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Strukturdämpfer von ACE: Spielraum für anspruchsvolle Konstruktionen
Wie hoch Energieaufnahme und Haltbarkeit der Tubus-Special-Niederhalterdämpfer sind, wurde in Testreihen auf Prüfständen bei ACE ermittelt.
(Bild: ACE Stoßdämpfer)
Bei einer genauen Betrachtung erklärt sich schnell, warum diese Produktserie aus dem Bereich der Dämpfungstechnik mehr als 140 verschiedene Typen aufweist. So gibt es bereits standardmäßig Modelle mit axialen, degressiven, linearen, progressiven und radialen Kennlinien. Diese Vielfalt bei der Absorption von Energie wird durch weltweit einzigartige Fertigungsschritte erzeugt. Die Überlegenheit der Hochleistungslösungen aus Co-Polyester Elastomer gegenüber den vorher genutzten PUR-Materialien liegt in der Veränderbarkeit des Werkstoffes. Auch falls, wie im vorliegenden Fall, wenig Einbauraum zur Verfügung steht, empfehlen sie sich für den Gebrauch. Sie kommen immer dann zum Einsatz, wenn es nicht auf punktgenaues Abstoppen ankommt. Die ingenieurstechnische Leistung bestand in diesem Fall darin, ihre auf eine Million Lastwechsel ausgelegte Lebensdauer noch einmal zu erweitern.
Werden noch höhere Ansprüche an die Dämpfungseigenschaften gestellt, bietet der Hersteller zudem Klein- und Industriestoßdämpfer. Deren Einsatz ist vor allem dann sinnvoll, wenn es auf rückprallfreies Abstoppen ankommt. Zudem lassen sich gerade mit Kleinstoßdämpfern noch größere Lebensdauern von bis zu 25 Millionen Hüben erzielen. Ansonsten überzeugen Tubus-Strukturdämpfer durch ihr attraktives Preis-Leistungsverhältnis und sind kurzfristig ab Lager lieferbar. Sie bieten dank des widerstandsfähigen Festkörpermaterials zudem den Vorteil, selbst in aggressiven Umgebungen und Extremsituationen zuverlässig ihren Dienst zu verrichten. So sind sie resistent gegen Meerwasser, Chemikalien, UV und Ozon. Kompakte Bauform und schnelle Montage runden das Vorteilspaket ab.
Der Autor Robert Timmerberg M. A. ist Fachjournalist bei plus2 in Düsseldorf