Industrien sollen zur Erreichung des Klimaneutralitätsziels Emissionen in Echtzeit steuern. CO2-Budget-Management, Emissionsanalyse und digitale Tools sind dabei entscheidend.
Die EU-Kommission hat ein neues Klimaziel vorgeschlagen: Bis 2040 will sie ihre Emissionen um 90 Prozent reduzieren. Damit hält sie an ihrem Fahrplan auf dem Weg zur Klimaneutralität fest.
Die EU-Kommission hat ein neues Klimaziel vorgeschlagen: Bis 2040 will sie ihre Emissionen um 90 Prozent reduzieren. Damit hält sie an ihrem Fahrplan auf dem Weg zur Klimaneutralität fest. Sie lässt den Mitgliedstaaten aber viel Freiraum, wie sie das Ziel erreichen, und genau das wird kritisiert – denn es steht bereits fest: das Zwischenziel wird Stand jetzt die EU verfehlen.
Experten schätzen, dass es auf die Maßnahmen in den nächsten fünf Jahre ankommt, um tatsächlich zu einer deutlichen Emissionsminderung zu kommen; das verbleibende CO2-Budget ist schon heute extrem begrenzt. Unternehmen stehen mehr denn je in der Verantwortung, ihren Beitrag zum Klimawandel zu leisten. Das lohnt sich nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch. Länder, die zielstrebig auf erneuerbare Energieträger umstellen, verbessern ihre Chancen auf wirtschaftliche Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit. Die relative Geschwindigkeit der Energiewende ist dabei entscheidend. Nachzügler sind deutlich höheren Transformationsrisiken ausgesetzt.
Dekarbonisierung budgetkompatibel ausrichten
Unternehmen sollten zeitnah definieren, wie sie ihre Klimaschutzpläne erreichen und umsetzen wollen und dann eine konkrete Dekarbonisierungsstrategie entwickeln. Den Anfang bildet eine ganzheitliche "Sustainability Roadmap", die im Idealfall ein Transformationskonzept, eine Analyse des Status quo und die Roadmap selbst umfasst. Anhand von kurz-, mittel- und langfristiger Ziel-KPIs kann der Fortschritt evaluiert und können iterativ weitere Maßnahmen festgelegt werden. Nachhaltigkeitsziele lassen sich dabei mit den übergeordneten Unternehmenszielen abstimmen beziehungsweise daraus ableiten. Die beste Orientierung bieten ESG-Kriterien des Finanzmarkts.
Die Reduktion von CO2-Emissionen ist in diesem Zuge ein wesentliches Ziel. Der Dekarbonisierungspfad sollte daher nicht nur auf ein bestimmtes Jahr ausgerichtet, sondern auch budgetkompatibel sein. Es empfiehlt sich, das eigene CO2-Budget strategisch auf die kommenden Jahre aufzuteilen und mit konkreten Reduktionszielen zu verbinden, ähnlich einem Finanzbudget.
Die Datenpunkte durch Regulatorik werden in Zukunft weiter zunehmen, Daten sollten daher besser gemanagt werden.
(Bild: MHP)
Eine zentrale Frage stellt sich nach der ökonomischen Emissionsintensität: Wie viele CO₂-Emissionen entstehen pro Euro Umsatz, Tonne Produkt oder Dienstleistungseinheit? Diese Kennzahl verbindet Klimawirkung mit wirtschaftlicher Effizienz. Wer diese Metrik kennt und verfolgt, kann eine Vergleichbarkeit zwischen Tochterunternehmen und Standorten, Geschäftsbereichen oder Produkten herstellen, Benchmarking mit Wettbewerbern durchführen, Hotspots im Unternehmen identifizieren und priorisieren sowie Entscheidungen in Forschung und Entwicklung, Einkauf und Produktion an Klimazielen ausrichten. In der Praxis bedeutet das: Statt pauschale Kompensationen oder End-of-Pipe-Technologien, kann gezielt dort angesetzt werden, wo die höchste „CO₂-Rendite“ erzielt wird – also am meisten Emissionen je investiertem Euro gesenkt werden.
CO2-Steuerung digital abbilden
Das Zusammenspiel von Budgetdenken und Emissionsintensitätsanalyse schafft eine neue Qualität der Dekarbonisierungssteuerung. Unternehmen können damit nicht nur Emissionen messen – sondern aktiv priorisieren, wo und wann Investitionen am meisten wirken. Ein Beispiel: Ein Werk oder eine Produktlinie verursacht zehn Prozent der Emissionen, aber 30 Prozent des Umsatzes – und seine Intensität sinkt durch Elektrifizierung drastisch. Die Priorität ist hoch. Ein anderer Bereich hat zwar hohe Emissionen, aber sehr geringe Wertschöpfung und kaum Reduktionspotenzial. Hier sind langfristige Transformation mit Ausgleichsstrategie sinnvoller. Diese Kombination erlaubt die ökonomische Optimierung der Klimastrategie – eine Voraussetzung für fundierte Investitionsentscheidungen.
Ohne digitale Unterstützung ist dieses Steuerungsniveau jedoch kaum erreichbar. Intuitiv verständliche und zuverlässige Instrumente berücksichtigt drei Faktoren – Full Scope Emissionen (Scope-1-3-Emissionen nach dem Greenhouse Gas Protocol), EBITDA-Angaben und die Personalkosten – und messen in der gleichen Einheit wie es die Ziel-Maßeinheit ist: in Grad Celsius. Sie beantworten damit die Frage, um wie viel Grad Celsius sich das Klima erwärmen würde, wenn die gesamte Welt die gleiche Klima-Performance hätte wie die betrachtete Organisation. Das macht das Ableiten und anschließende Implementieren sektorspezifischer Dekarbonisierungsstrategien in bestehende Prozesse so einfach wie möglich und erleichtert die Compliance. Das Unternehmen erhält ein individuelles CO2-Budget unter Einbeziehung seiner bisherigen Performance und kann so flexible Maßnahmen entlang des 1,5-Grad-Pfades umsetzen. Es kann dadurch beispielsweise einen internen CO2-Preis festlegen, über den sich wiederum Emissionsrisiken quantifizieren lassen.
Stand: 16.12.2025
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Überschreitung der Belastungsgrenzen und 1.5-Grad-Ziel: Ein Net-Zero-Ziel sagt nicht aus, wie viele Emissionen bis zum Zieljahr ausgestoßen werden und ob das Unternehmen damit das 1,5-Grad-Ziel unterstützt.
(Bild: MHP)
All-in-One-Lösung als zentrale Datenbasis
Zusammenfassend lässt sich sagen: Der Corporate Carbon Footprint ist die Grundlage für strategisches Klimamanagement. Um wettbewerbsfähig und profitabel zu bleiben, müssen Unternehmen ihre Emissionen verstehen, Risiken erkennen und wirksame Strategien entwickeln. Moderne Carbon-Management-Plattformen machen CO₂-Budgets, Intensitäten und Szenarien sichtbar, vergleichbar und handlungsleitend. Das schafft volle Transparenz über alle Emissionsquellen hinweg und damit Kontrolle. Mit Digital Carbon Management können Unternehmen Scope-1, -2 und -3-Emissionen automatisiert erfassen, in Echtzeit monitoren und Forecastings durchführen, Reduktionsmaßnahmen bezüglich Budget und Kosten simulieren, Daten aus Lieferketten integrieren sowie Berichtspflichten aus Rahmenwerken wie der CSRD erfüllen.
Künstliche Intelligenz kann dabei als Enabler für bessere Entscheidungen, höhere Qualität und mehr Effizienz genutzt werden. Bei der Wahl der Plattform empfiehlt es sich, eine All-in-One-Lösung gemäß GHG Protocol als zentrale Datenbasis in der Cloud zu wählen. Sie deckt dann nicht nur das Carbon Management, sondern auch andere relevante Tools für eine nachhaltige Unternehmensführung, Compliance, Transparenz und Effizienz ab.
Von Alexander Appel ist Manager Sustainability Transformation bei MHP.