1. Welche Trends prägen aktuell die Simulation in der Produktentwicklung?
2. Wo liegen derzeit die größten Hürden beim Einsatz von Simulationssoftware in der Produktentwicklung und wie lassen sich diese überwinden?
3. Welche Rolle spielen künstliche Intelligenz (KI) und Machine Learning bereits heute in CAE-Anwendungen und wo liegt der größte praktische Nutzen für Anwender?
David Blass, VDMA Nordrhein-Westfalen
David Blass ist Geschäftsführer VDMA Nordrhein-Westfalen.
(Bild: David Blass)
1. Die Simulation rückt immer weiter ‚nach vorn‘ im Entwicklungsprozess. Dieses sogenannte Shift-Left-Prinzip ermöglicht es, Entwürfe bereits in sehr frühen Phasen schnell und zuverlässig zu bewerten, bevor kostenintensive Entscheidungen gefällt werden. Parallel wächst der Bedarf an einem durchgängigen digitalen Datenfaden – vom Anforderungsmanagement und der modellbasierten Systementwicklung (MBSE) über die numerische Berechnung bis hin zur virtuellen Inbetriebnahme und zum digitalen Zwilling im Betrieb. Technologisch rücken immer häufiger automatisierte Workflows, multiphysikalische Kopplungen und der Einsatz von Cloud-basiertem High Performance Computing, um Rechenkapazität flexibel zu skalieren, in den Anwendungsfokus. Gleichzeitig steigt der Anspruch an Rückverfolgbarkeit und Modell-Governance: Unsicherheiten sollen zukünftig transparent ausgewiesen werden, statt sich auf eine einzige Kennzahl als vermeintliche Wahrheit zu verlassen.
2. Vier Stolpersteine hemmen derzeit die breite Nutzung von Simulation: Erstens: Hoher Aufwand bei Geometrie-, Daten- und Modellaufbereitung sowie der dazugehörigen Qualitätskontrolle. Zweitens: Fehlende Integration in eine durchgängige IT-Werkzeug- und Prozesskette, was zu Datensilos führt. Drittens: Engpässe bei Fachkräften und Kompetenzen. Und viertens: Vertrauen in Simulationsergebnisse aufgrund mangelnder Validier- und Nachvollziehbarkeit.Abhilfe schaffen standardisierte und wiederverwendbare Simulationsbausteine, eine konsequente Parametrisierung sowie durchgängige Automatisierung entlang der gesamten IT-Werkzeugkette – vom Produktlebenszyklus- bis zum Anwendungslebenszyklusmanagement. Klare Rollen, Leitlinien für Verifikation und Validierung sowie automatisierte Freigabeprozesse erhöhen die Ergebnisqualität. Ergänzend sind gezielte Aus- und Weiterbildungsprogramme erforderlich, damit Entwicklungsteams Simulation, Automatisierung und Demokratisierung skalierbar umsetzen können. Entscheidend ist schließlich die aktive Unterstützung der Führungskräfte, um abteilungsübergreifende Veränderungen auch nachhaltig zu verankern.
3. Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen wirken derzeit vor allem als Beschleuniger. Surrogat- oder Reduced-Order-Modelle approximieren komplexe Physik so präzise, dass umfangreiche Designraumstudien, Optimierungen oder gar Echtzeit-Vorhersagen für digitale Zwillinge möglich werden. Intelligente Assistenten automatisieren die Netzerzeugung, das Setup und die Auswertung großer Ergebnisräume, indem sie Muster oder Anomalien aufdecken. Der größte praktische Nutzen liegt somit in deutlich verkürzten Iterationszeiten bei gleichbleibender Entscheidungsqualität bis hin zur Echtzeitfähigkeit. Wichtig bleibt jedoch: Maschinelles Lernen ergänzt die Physik, ersetzt sie aber nicht. Datenverfügbarkeit, Datenqualität, Gültigkeitsbereich und ein sauberer Nachweis der Vorhersagegüte sind unverändert erfolgsentscheidend.
Maschinelles Lernen ergänzt die Physik, ersetzt sie aber nicht.
Matthias Wilhelm ist Country Manager DACH bei Visual Components.
(Bild: Visual Components)
1. Wir sehen zum einen, dass die generelle Digitalisierung der Branche weiter rasant Fahrt aufnimmt. Das hat große Auswirkungen auf viele Bereiche und ist strategisch ganz klar auf den Einsatz von KI und Automatisierung ausgelegt. Für diese Use Cases muss jetzt das Fundament gelegt werden. Zum anderen steigt auch die virtuelle Kollaboration, also die nahtlose Zusammenarbeit in der Cloud, die Wissenssilos auflöst und Brüche in der Informationskette verhindert. Eine weitere zentrale Entwicklung ist die virtuelle Inbetriebnahme mittels eines digitalen Zwillings. Ein wichtiger Trend, denn die Simulation von Maschinen und Anlagen verhindert Fehler und Stillstand während der Produktion.
2. Neue Technologien und Ansätze benötigen Anfangsinvestitionen. Unsere neueste Studie hat gezeigt, dass für 56 Prozent der befragten Entscheider das Budget das größte Hindernis darstellt. Eine konkrete Lösung muss dafür individuell gefunden werden, aber es hilft sicherlich, das große Ganze im Blick zu behalten. Langfristig sichern Investitionen die Wettbewerbsfähigkeit, steigern die Qualität der Produkte und machen Prozesse erheblich effizienter.
3. Wir befinden uns immer noch in einer frühen Phase, in der viele KI-Projekte in der Pilotphase stecken. Was dort entsteht, sieht allerdings sehr vielversprechend aus, besonders mit Blick auf die Prozessautomatisierung. Für die Anwender und Unternehmen bedeutet das in erster Linie einen erheblichen Zeitgewinn und die Möglichkeit, Expertenwissen, das bisher nur fragmentiert zur Verfügung stand, zugänglich zu machen.
Stand: 16.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die WIN-Verlag GmbH & Co. KG, Chiemgaustraße 148, 81549 München einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://kontakt.vogel.de/de/win abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Eine zentrale Entwicklung ist die virtuelle Inbetriebnahme mittels eines digitalen Zwillings.