Bereinigung, Strukturierung und Klassifizierung von technischen Daten Datenbasis: Wie sich Daten bei der Produktentwicklung gewinnbringend einsetzen lassen

Verantwortlicher Redakteur:in: Rainer Trummer 4 min Lesedauer

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Als Start-up aus der Universität Karlsruhe (heute KIT) fokussierte sich Simus Systems bereits 2002 auf die Strukturierung, Qualitätsverbesserung und Auffindbarkeit von Stammdaten technischer Produkte, die aus der Produktentwicklung ­stammen.

(Quelle:  Simus Systems GmbH)
(Quelle: Simus Systems GmbH)

Warum diese Strategie der optimierten Datenbasis aufging, erläutert uns Dr.-Ing. Arno Michelis, einer der Geschäftsführer und Gesellschafter von Simus Systems.

Vorhandene Datenbasis als Grundlage nutzen

Simus Systems entwickelt bereits seit 2002 Software für die Bereinigung, Strukturierung und Klassifizierung von technischen Daten und bietet dies als Dienstleistung an. Wie kam es dazu?

Dr. Arno Michelis: Noch als wissenschaftliche Mitarbeiter haben zunächst zwei, dann drei Gesellschafter in ersten universitären Projekten erkannt, welche Herausforderungen die stets wachsenden Datenmengen der Produktdefinition an mittelständische und große Industrie­unternehmen stellen. Um Aufgaben dieser Projekte effizienter lösen zu können, haben wir ein erstes Programm entwickelt. Daraus wurde in weiteren Schritten die Software Classmate Data für die Analyse, Bereinigung und den Aufbau von Klassifikationen zur Strukturierung der Datenbasis von technischen Stammdaten, typischerweise aus PDM-/ERP-Systemen. Diesen Ansatz haben wir mit Classmate CAD für die Analyse von 3D-CAD-Modellen ausgedehnt, die inzwischen patentiert wurde. Damit konnten wir den Aufwand und die Zeitdauer von Analyse- und Optimierungsprojekten von technischen Daten erheblich verringern. Kunden können so Projekte in einem überschaubaren Zeitaufwand umsetzen, die sich sonst nicht realisieren lassen.

Die Klassifikation und Suche von CAD-Modellen erfordern enge Verbindungen zu den betreffenden Systemen. Wie halten Sie diese aufrecht?

Michelis: Wir haben nach und nach Schnittstellen zu Inventor, Catia, Creo, NX, Solid Edge und Solid Works entwickelt. Unsere Software integriert sich damit und verarbeitet alle Modelle, zum Beispiel für eine Teilbereichssuche. Intern verwendet unsere Software ein leichtgewichtiges, eigenes Datenformat. Wir haben alle diese Systeme, einschließlich der PDM-Lösungen Teamcenter und Windchill im Hause und reagieren jeweils auf die neuesten Versionen, um unseren Kunden den größten Nutzen zu sichern.

Schnittstellen für eine komfortable Migration

Sind Verbindungen zu ERP-Systemen ebenfalls eine wichtige Voraussetzung bei den Kunden?

Michelis: Die 50 Jahre der SAP-­Ge­schichte begleiten wir seit genau 20 Jahren. Schon 2005 haben wir die erste Standard-Schnittstellenlösung zu SAP entwickelt, die seither kontinuierlich ausgebaut wird. Daten­bestände lassen sich zuverlässig zwischen Simus Classmate und SAP synchronisieren; die Aufbereitung und die Pflege außerhalb der SAP-Oberfläche gestaltet sich dadurch flexibler, schneller und komfortabler. Dies gilt nicht nur für die Klassifikation, sondern auch für Materialstämme und andere Informationsobjekte wie etwa Equipments. Auch Strukturanpassungen von Klassensystemen lassen sich mit unserer Lösung leicht bewerkstelligen. Aufwändige Arbeitsschritte wie das Anlegen neuer Klassen und Merkmale gelingen in kürzester Zeit. Die Schnittstellenlösung arbeitet optimal mit SAP S/4HANA, was bei Migrationen sehr hilfreich ist.

Wer die Datenbasis einmal strukturiert und bereinigt hat, möchte sie in diesem Zustand erhalten. Was können Sie dazu beitragen?

Michelis: Simus Systems setzt zum einen in der Produktentwicklung an. Mit Classmate Finder wurde bereits 2006 ein Softwaremodul entwickelt, mit dem sich Bauteile anhand Geometrie und technischen Daten schnell und zuverlässig auffinden lassen. Die Wiederverwendung von vorhandenen Lösungen wird so gefördert, dass erst gar keine Dubletten entstehen.

Zum anderen bieten wir Tools an, die Prozesse wie die Anlage und Pflege der Materialstämme geregelt durch alle beteiligten Stellen führen. So kann man auch eine Stammdaten-Stelle einrichten, die für Qualität sorgt und das Wachstum der Datenmengen begrenzt. Diese Prozesse der Master Data Governance lassen sich außerhalb von SAP einfach und schnell einrichten und mit der Datenbasis im ERP-System synchronisieren.

Das Führungsteam von Simus Systems (von links nach rechts): Dietmar Thomes, Vertrieb und Marketing, Dr. Jörg Weißkopf, Projektmanagement sowie die Geschäftsführer Dr. Arno Michelis und Dr. Harald Kunze. (Bild: Simus Systems GmbH)
Das Führungsteam von Simus Systems (von links nach rechts): Dietmar Thomes, Vertrieb und Marketing, Dr. Jörg Weißkopf, Projektmanagement sowie die Geschäftsführer Dr. Arno Michelis und Dr. Harald Kunze.
(Bild: Simus Systems GmbH)

Wie gehen Sie bei einem solchen Stammdatenprojekt vor?

Michelis: Wir haben nicht nur Software, sondern auch eine strukturierte Projektmethodik und standardisierte Regelwerke entwickelt, die bei jedem Projekt zum Einsatz kommen. Zunächst werden die Datenquellen eingebunden und automatisch analysiert. Mittels neutraler Regeln für die Aufbereitung und Optimierung lassen sich die Daten sortieren, anreichern und in einer Ergebnisdatenbank ablegen. Mit unserer Suchmaschine Classmate Finder kann man diese Daten filtern und betrachten, um eventuelle Fehler, Dubletten oder Ungenauigkeiten aufzufinden. Anschließend werden die Basisregelwerke so lange kundenindividuell angepasst, bis die optimalen Ergebnisse erreicht sind.

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Welchen Nutzen ziehen die Anwender noch aus der Software Simus Classmate?

Michelis: An den Schnittstellen der etablierten Software-Systeme CAD/PDM und ERP sind Digitalisierungslücken entstanden, die unsere Software schließen kann. Zum Beispiel erstellt Simus Classmate automatisch Arbeitspläne maschineller Bearbeitungen anhand der CAD-Modelle und Werkstoffinformationen, die an SAP übergeben werden. Die Verknüpfung mit Kostenparametern aus SAP ergibt eine schnelle Möglichkeit zur Vorkalkulation. Dieses frühe und reproduzierbare Wissen über Produkt- und Produktionskosten unterstützt Make-or-Buy Entscheidungen. Ebenso können Konstrukteure direkt aus der Benutzerführung ihres 3D-CAD-Systems heraus die voraussichtlichen Herstellkosten ihrer Bauteile und Baugruppen automatisch berechnen lassen. So erkennt man Kostentreiber bereits sehr früh in der Entwicklungsphase und kann wirksam gegensteuern.

Die Datenbasis ist nur der Anfang

Wie entwickelt Ihr Unternehmen die Software in Zukunft weiter?

Michelis: Unsere Entwicklungsstrategie wird von Kunden getrieben. Wir sind offen für interessante Themen und auch bereit, in Vorleistung zu gehen, setzen sie dann aber so um, dass alle Kunden davon profitieren. Um gerade mittelständischen Kunden mehr Flexibilität bei der Nutzung unserer Software zu bieten, bieten wir die Module seit diesem Jahr auch als Cloud-Lösungen an. Jetzt können Anwender frei wählen, wie sie Simus Classmate an ihre Systeme anbinden.

Zum Schluss eine Frage zu ­Ihrem Erfolgsrezept: Was können heutige Start-ups von Simus Systems lernen?

Michelis: Wir haben unsere Produkte kundenbezogen entwickelt und uns vom ersten Tag an gleichgewichtet auch um Vertrieb und Marketing gekümmert. Unser Wachstum haben wir aus eigener Kraft und dafür nachhaltig vorangetrieben. Die Kosten wurden gerade zu Anfang sehr niedrig gehalten – durch Carsharing, gebrauchte, selbst renovierte Büromöbel und das Büro im Gründerzentrum „Technologiefabrik Karlsruhe“. Natürlich haben uns auch Fördermittel, Mentoring und zum Beispiel ein Businessplan-Wettbewerb geholfen.

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