Maßgeschneidert und abgestimmt soll das Angebot versendet werden, und zwar möglichst schnell – wären da nicht die CAD-Daten. Denn die will der Kunde heute zum Angebot auf dem Tisch haben.
(Quelle: Gordenkoff/Shutterstock)
CAD-Automation: Das Anbieten individualisierter Kundenlösungen ist das erfolgreiche Geschäftsmodell vieler Industrieunternehmen. Dieser Erfolg hat seinen Preis: Denn individuell bedeutet oft aufwändig. Wie aufwändig, veranschaulicht ein einfaches Rechenbeispiel: 100 Schrauben mit 100 passenden Muttern sowie 100 passenden Scheiben ergeben eine Million Möglichkeiten, diese zu kombinieren. Es braucht keinen Adam Riese, um zu erkennen, dass bereits wenige änderbare Parameter die Anzahl möglicher Produktmodelle ins Endlose skalieren lassen.
Baukästen und Konfiguratoren liegen im Trend
Viele Unternehmen setzen daher auf strukturierte Produktbaukästen und Produktkonfiguratoren, um die steigende Nachfrage nach individuellen Produkten und die damit verbundenen Herausforderungen zu beherrschen. Dieses Duo hat sich bestens bewährt im Unternehmensalltag und ihr Einsatz ist ein unentbehrlicher Erfolgsfaktor wachsender Bedeutung.
Damit kommen Unternehmen gut klar – wenn da nicht die Sache mit den für die Vertriebs- und Verkaufsprozesse benötigten CAD-Dokumenten wäre. Denn das Vorhalten und Bereitstellen vollumfänglicher Daten für alle technisch möglichen Produktkonfigurationen ist schlicht nicht praktikabel.
CAD-Know-how für die Angebotserstellung nutzen
Um das Engineering von zeitaufwändigen und fehleranfälligen Routinetätigkeiten zu befreien, kommen häufig Tools für die Konstruktionsautomatisierung zum Einsatz. Mit ihrer Hilfe können Konstrukteure manuelle Konstruktionsprozesse beschleunigen, optimieren und verteiltes Wissen im eingesetzten CAD-System zusammenführen und für die gemeinsame Nutzung bereitstellen. Aber dieses Wissen bleibt dem Engineering vorbehalten. Der Vertrieb bleibt außen vor, da Vertriebsmitarbeiter in der Regel weder über das notwendige CAD-Fachwissen noch über eine CAD-Lizenz verfügen, um dieses Wissen für die Angebotserstellung zu nutzen.
Das Ergebnis: Manuelle, zeitaufwändige Vertriebs- und Angebotsprozesse sowie der Mangel an Konstruktions-Know-how führen dazu, dass zuerst Angebote von verschiedenen Bereichen, wie der Produktentwicklung und der kaufmännischen Leitung, geprüft werden müssen. Erst nach deren Freigabe kann der Vertrieb sie verschicken.
Solche Informationen aus verschiedenen Abteilungen zusammenzutragen, technische Feinheiten auszuarbeiten, um Kundenwünsche und Machbarkeiten in Einklang zu bringen, kostet Zeit im Vertriebsprozess, die Markt und Wettbewerb nicht zulassen.
Abhilfe schafft eine Lösung, die Konstruktions- und Konfigurationswelt vereint. Gemeint ist eine Möglichkeit, direkt aus der Konfigurationslösung die für die Angebotserstellung benötigten CAD-Dokumente zu erstellen – basierend auf der vorgenommenen Produktkonfiguration, fehlerfrei und auf Knopfdruck. Eine solche Lösung ist eine übergreifende Anwendung, die sämtliche für Vertrieb relevanten Informationen, wie die angebotene Produktkonfiguration, die erstellten Angebotsunterlagen inklusive Historie und dazugehöriger CAD-Dokumente, Preise und vereinbarte Liefertermine, zentral bereithält.
(Damit der Vertrieb ohne Abstimmung mit dem Engineering komplexe und hochvariable Maschinen und Anlagen anbieten kann, empfiehlt sich die Nutzung des Constraints-Konzeptes sowie der CAD-Automation. Bild: Tacton)
CAD-Automation: Valide Angebote auf Knopfdruck
Eine Lösung, die die Möglichkeiten und Vorteile aus anwendungsbasierter Produktkonfiguration und automatischer CAD-Daten-Generierung kombiniert, ermöglicht beispielsweise folgendes Szenario: Ein Maschinenbauer erhält die Anfrage für ein Produkt. Das entscheidende Auswahlkriterium ist dessen Nachhaltigkeit (schadstoffarm, geringer Ressourcenverbrauch). Wie funktionieren die internen Verkaufs- und Vertriebsprozess, mit und ohne Unterstützung durch einen anwendungsbasiertem Produktkonfigurator mit integrierter automatischer Generierung der CAD-Dokumente?
Ohne Unterstützung muss der Vertriebsmitarbeiter zunächst klären, wie sich die nicht-technische Anforderung „Nachhaltigkeit“ konstruktiv umsetzen lässt. Gibt die Produktentwicklung „grünes Licht“ in Form der passenden Produktvariante, wird in einem weiteren (zeitaufwändigen) Schritt das Kaufmännische geklärt: Zu welchem Preis kann das Produkt angeboten werden? Ist der Preis zu hoch, nicht wettbewerbsfähig oder die vorgeschlagene Produktvariante aus Anbietersicht nicht profitabel, geht es zurück zum Engineering mit dem Ziel, eine bessere Lösung zu finden.
Während intern die am Vertriebsprozess beteiligten Bereiche versuchen, eine zufriedenstellende Lösung zu finden, hofft der Vertriebsmitarbeiter, dass sich die Anforderungen und Wünsche des Kunden nicht ändern. Denn dann geht wieder es zurück auf Anfang und der ganze startet erneut.
Alle Daten auf einen Blick
Im Vergleich dazu der Vertriebsprozess mit einer Konfigurationslösung (CAD-Automation), die es den Vertriebsmitarbeitern ermöglicht, die CAD-Dokumente des konfigurierten Produkts auf Knopfdruck zu erstellen: Die eingesetzte Lösung basiert auf sogenannten Constraints. Abhängigkeiten und Eigenschaften definieren den möglichen Lösungsraum für technische valide Produkte. Das könnte beispielsweise die Abhängigkeit der Senktiefe einer Bohrung von der Schraubenkopfhöhe sein oder der Zusammenhang zwischen der Senkbohrung und dem maximalen Schraubenkopfdurchmesser. Das Besondere an Constraints ist, dass sie nicht nur technische Spezifikationen abbilden können, sondern auch nicht-technische Eigenschaften wie Markt- oder Geschäftsanforderungen.
Stand: 16.12.2025
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Diese Fähigkeit ermöglicht es dem Vertriebsmitarbeiter, durch die Beschreibung des erwarteten Ergebnisses ein Produkt zusammenzustellen. Der Konfigurator durchsucht den gesamten Lösungsraum und findet eine passende Lösung. Ein weiterer Vorteil eines mit Constraints arbeitenden Konfigurators: Eine solche Lösung erstellt selbst aus unvollständigen Spezifikationen – beispielsweise „geringster Schadstoffausstoß“ – eine technisch valide Lösung.
Mit einer solchen Lösung kann der Vertrieb in kurzer Zeit viele verschiedene Produktvarianten ausprobieren. Weil die Produktmodelle mit der Konfigurationslogik verknüpft sind, können die dazugehörigen CAD-Daten jederzeit generiert werden. Da die Constraints-basierte Lösung sicherstellt, dass jede vorgenommene Konfiguration technisch valide ist, sind auch die dazugehörigen CAD-Dokumente fehlerfrei.
Um die CAD-Dokumente, einschließlich gebräuchlicher Austauschformate wie PDF, STEP oder JPG, zu generieren, benötigen Vertriebsmitarbeiter weder spezifisches CAD-Fachwissen noch eine CAD-Lizenz.
Was die CAD-Automation über das Engineering hinaus bringt
Für Industrieunternehmen mit hochvariablem Produktportfolio, die für jedes Angebot fehlerfreie CAD-Dokumente benötigen, ist eine Lösung für die CAD-Automation ein echter Gewinn. Sie beschleunigen die Angebotsprozesse signifikant, da sie die zu 100 Prozent dem konfigurierten Produkt entsprechenden CAD-Dokumente auf Knopfdruck erstellen können. Außerdem senken sie ihre Vertriebskosten und verschaffen den Vertriebs- und Konstruktionsteams mehr Zeit für wertschöpfende Tätigkeiten. Und zu guter Letzt steigern sie die Qualität, indem sie manuelle, fehleranfällige Prozesse automatisieren.
Der Autor Dr. Daniel Kortmann ist Senior Sales Executive bei Tacton Systems.