Viele moderne PLM-Systeme und weitere IT-Systeme der Entwicklung, Fertigung und Wartung von Produkten haben große Funktionsumfänge und dementsprechend umfangreiche und komplexe Benutzeroberflächen. Häufiger Wechsel und Informationsüberflutung hemmen die Produktivität – was tun?
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Den Usern von Business-Software geht es genauso wie den meisten Office-Usern – sie benötigen nur einen Bruchteil des Funktionsumfangs. Der Unterschied ist jedoch, dass in PLM-Umgebungen komplexe Produkt- beziehungsweise Prozessinformationen zur Verfügung stehen, die Anwender für ihre Aufgaben entlang des Produktlebenszyklus benötigen, die essentiell für die Geschäftsprozesse eines Unternehmens sind. Doch nicht alle benötigen diese Informationen in der gleichen Tiefe und Breite. Daher stellt sich die Frage, ob es sinnvoll und wirtschaftlich ist, eine arbeitsplatzbezogene Benutzeroberfläche für Usergruppen zu implementieren, vor allem wenn mehrere IT-Systeme integriert werden können.
Die User haben mit der auf sie zugeschnittenen Oberfläche gleichzeitigen Zugriff auf mehrere Backend Systeme. Das spart Zeit sowohl für Schulungen als auch bei der täglichen Arbeit und erhöht die Datenqualität durch automatisierte Speicherung/Synchronisierung von modifizierten Daten in die angeschlossenen Systeme.
Eine Analyse der gängigen Ist-Situation
Die PLM-Systeme haben sich über die Jahre weiterentwickelt und zweifelsohne sind die Benutzeroberflächen für die User besser bedienbar sowie intuitiver geworden. Viele Anbieter stellen auch Funktionen zur Gestaltung der Benutzeroberflächen zur Verfügung. Weiterhin hat sich die IT so entwickelt, dass dafür sehr effiziente Werkzeuge wie No- und Low-Code-Applikationen, verfügbar sind.
Allerdings gibt es in vielen Unternehmen eine Vielfalt von „gewachsenen“ IT-Systemen in einer PLM-Umgebung. Vielfach gibt es noch das sogenannte Drehstuhl-Interface, welches dadurch definiert ist, dass sich ein User gleichzeitig in mehrere IT-Systeme eingeloggt und oft sehr unterschiedliche Benutzeroberflächen bedienen muss. Da Objekte mit gleicher Identifikationsnummer in mehreren Systemen vorkommen können, muss geprüft und sichergestellt werden, dass alle Attribute in allen Systemen gleich sind. Ein User hat oft die Aufgabe ein Objekt in einem oder mehreren Systemen zu bearbeiten sowie zusätzliche Information einzupflegen. Hiermit ergibt sich für eine Automatisierung und Zusammenfassung die Anforderung, dass der Zugriff auf die Systeme nicht nur lesend notwendig ist, sondern auch schreibend.
Wann lohnt sich die arbeitsbezogene Benutzeroberfläche?
Vor Einführung von arbeitsbezogenen Benutzeroberflächen stellt sich immer die Frage, wie viele Arbeitsplätze davon profitieren würden, wie viele Benutzeroberflächen für Usergruppen sinnvoll sind und welche IT-Systeme integriert werden sollen. Die bisherigen Projekterfahrungen der ECS Engineering Consulting & Solutions GmbH, die solche Systeme erarbeitet, haben gezeigt, dass 10+-X Benutzeroberflächen für größere Unternehmen eine gute Annahme sind. Eine Implementierung sollte im heutigen Sprachgebrauch resilient sein. Soll heißen, dass Release Wechsel bei integrierten IT-Systemen ohne oder mit geringem Anpassungsaufwand durchgeführt werden können.
ECS hat bereits ab 10 Arbeitsplätzen erfolgreich arbeitsplatzbezogene Benutzeroberflächen implementiert. Bei einem Kunden wurden beispielsweise zwei PLM-Systeme, ein ERP-System und ein Dokumentenmanagementsystem erfolgreich integriert. Die Anzahl der Klicks für die Durchführung einer Aufgabe konnte dabei um rund 80 Prozent reduziert werden. Das ist nicht nur für den User eine kolossale Erleichterung, sondern es konnten dadurch auch Einsparungen im 6- bis 7-stelligen Bereich erzielt werden.
Technische Umsetzung
Die Gestaltung der Benutzeroberfläche ist heutzutage nicht mehr die große Herausforderung. Zurzeit verwendet ECS dazu bevorzugt JavaScript und JavaScript-Bibliotheken. Die wichtigste Ressource sind jedoch selbst entwickelte Adaptoren für PLM-, ERP- und Datenbank-Anwendungen, sowie die Integrationsplattform Connect als Verbindungselement zwischen den Adaptoren und der Benutzeroberfläche (Bild 2).
Bild 2: Vereinfachter Überblick der Architektur.
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Wie dort angedeutet, sind die Daten, die in den Geschäftsprozessen erzeugt werden, auf die Backend Systeme verteilt. Es ist daher notwendig, zu bearbeitende Objekte schreibend in das Originalsystem zu speichern und falls notwendig mit den weiteren beteiligten Systemen zu synchronisieren. Eine Aufgabe, die Connect übernimmt.
Beispiele der arbeitsplatzbezogenen Benutzeroberfläche
Die ECS hat arbeitsplatzbezogene Benutzeroberflächen bei vielen Unternehmen erfolgreich implementiert. Die Anwender kommen unter anderem aus der Luftfahrt sowie der Energie- und Verkehrsindustrie. Beispiele für Benutzeroberflächen sind Recherche (einfache und komplexe Suche), Dokumentenmanagement und Entwicklung, Fertigung, Produktkonfiguration und Produktdokumentation. Bild 3 zeigt den Vergleich von zwei Stücklisten aus dem PLM- und dem ERP-System in einer Benutzeroberfläche. Falls sinnvoll, können Informationsobjekte aus vielen weiteren Systemen integriert werden. Die Zuordnung der Datenelemente zu den verschiedenen Systemen kann nach Bedarf visualisiert werden.
Stand: 16.12.2025
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Bild 3: Stücklisten-Vergleich PLM (blau) und ERP (rot) in einer arbeitsplatzbezogenen Benutzeroberfläche.
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Fazit
Die meisten Unternehmen haben heute nicht mehr das Ziel ihre Geschäftsprozesse in einem beziehungsweise wenigen Backend Systemen zu konzentrieren. Es gibt viele Projekte, die daran gescheitert sind. Vielmehr streben die meisten Unternehmen an ihre bewährten und etablierten Systeme weiter zu betreiben und trotzdem die Integration der Systeme voranzutreiben. Arbeitsplatzbezogene Benutzeroberflächen können ein Lösungsbaustein für das Ziel der durchgängigen Digitalisierung sein. Die User profitieren davon, sich nicht in die UI von vielen verschiedenen Systemen einarbeiten zu müssen, die Qualitätssicherung von konsistenter Datenqualität und der Geschäftsführung bringen systemübergreifende Auswertungen Durchblick beispielsweise zum Fortschritt von Entwicklungsprojekten, zum Ressourcenverbrauch oder zum Stand der Fertigungsplanung.
Der Autor Prof. Josef Vilsmeier ist PLM-Consultant bei der ECS GmbH.