Im Zeitalter der Individualisierung ändern sich Kundenwünsche stetig und führen zu kürzeren Produktlebenszyklen und schnell wechselnden Marktanforderungen. Wie können neue KI-basierte Automatisierungslösungen weiterhelfen?
(Quelle: Micropsi)
Die heutige Marktvolatilität verlangt von Herstellern, ihre Produktionsprozesse agil an ihre Umwelt anzupassen, zum Beispiel durch eine Automatisierungslösung. Um weiterhin kosteneffizient zu produzieren, müssen Hardware-Lösungen zunehmend durch Software erweitert werden. Lösungen, die auf Künstlicher Intelligenz (KI) basieren, werden zum Schlüssel-Faktor für künftigen Erfolg.
Herausforderung für die Automatisierungslösung: Die Märkte
Das produzierende Gewerbe sieht sich mit zahlreichen Herausforderungen aus dem Markt konfrontiert: Der Wunsch nach individuellen Produkten steigt ebenso wie der Qualitätsanspruch stetig zunimmt. Zugleich erwarten Kunden immer kürzere Lieferzeiten und ein wechselndes Angebot. Wer diesen Ansprüchen nicht gerecht wird, verliert auf lange Sicht gegen die Konkurrenz. Gleichzeitig soll der bereits spürbare Arbeitskräftemangel laut dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) in den kommenden Jahren weiter drastisch zunehmen.
Die Expertise von Fertigungsentwicklern und -konstrukteuren ist daher gefragter denn je. Die Aufgabenstellung lautet: Wie lassen sich unter den gegebenen Voraussetzungen Prozesse agil planen, optimieren und im Idealfall automatisieren?
Unflexible Systeme hemmen die Automatisierung
Herkömmliche Automatisierung ist nicht immer eine geeignete Lösung: Bei einer High-Mix-Low-Volume-Fertigung sind Lösungen wie Industrieroboter meist nicht rentabel. Zu viel Zeit muss in Programmierung, Rekonfiguration und Kontrolle investiert werden. Sind Fertigungsschritte zudem noch sehr vielfältig, stoßen konventionelle Roboter an ihr Limit.
Je komplexer die Herstellung ist, desto komplexer muss auch die Hardware sein. Durch die korrelierenden Kosten lohnen sich speziell geplante Sondermaschinen jedoch nur bei hohen Stückzahlen und langen Produktlebenszyklen. Bei kleinen Losgrößen ist nach wie vor der Mensch gefragt, jene Aufgaben in der Fertigung zu übernehmen, für die Kollege Roboter zu unflexibel oder die Maschine zu teuer ist.
Dieses Problem wird auch als „Flexibility Gap“ (Flexibilitätslücke) bezeichnet. Mitarbeitende übernehmen an Handarbeitsplätzen bestimmte Tätigkeiten, da nur sie über die entsprechende Flexibilität verfügen. Sie können mit Varianzen, zum Beispiel in Form, Position oder Beschaffenheit der Werkstücke umgehen oder kurzfristig nötige Änderungen im Fertigungsprozess umsetzen. Was aber tun, wenn gut ausgebildete Mitarbeitende fehlen und Arbeitsplätze unbesetzt bleiben?
Automatisierungslösung: Software-first-Ansatz als Antwort
Statt auf immer komplexere und teurer werdende Hardware zu setzen, ist die Kombination mit Software der Schlüssel zu einer agilen und kosteneffizienten Produktion. Die Fortschritte in der KI, vor allem im Teilbereich des Maschinellen Lernens (ML), bieten Betrieben effiziente Möglichkeiten, Prozesse und Produkte zu planen und zu fertigen.
Beispielsweise unterstützt ML bereits in der Überwachung und Wartung von Produktionsanlagen. Auch das Wissensmanagement greift für die Auswertung von internen Informationen auf ML zurück. Daten von Fertigungslinien, Lieferketten und Produkten werden für die Produktentwicklung, für neue Geschäftsmodelle und strategische Entscheidungen ausgewertet.
Seit Kurzem kann Software auch die Flexibility Gap schließen: Der Zusammenschluss von Robotik und KI ermöglicht die Automatisierung auch von Handarbeitsplätzen. Mit KI-Steuerungen basierend auf einer Kamera und ML, erlangen Roboter eine Auge-Hand-Koordination und damit eine Flexibilität, die, bezogen auf die Aufgabe, mit der eines Mensch vergleichbar ist.
KI und Robotik ermöglichen Umgang mit Varianzen
Ein solches Robotersystem versteht bei neuen Aufgaben, bei anders geformten oder positionierten Werkteilen oder vergleichbaren Varianzen schnell, was es zu tun hat und passt bei Bedarf seine Bewegungen in Echtzeit eigenständig an. Ob es sich um das Picken einzelner Teile, Zustellbewegungen oder Fügen und Verfolgen handelt: Zahlreiche Tätigkeiten sind mit einer Kamera am Roboter-Handgelenk und ML umsetzbar.
Ein Roboter in Kombination mit einer KI-Steuerung wie Mirai von Micropsi Industries lässt sich dabei durch menschliche Demonstration in wenigen Stunden trainieren. Weder KI- noch Programmierkenntnisse sind für die Automatisierungslösung erforderlich. Dem Roboter muss dafür das Ziel einige Male in typisch vorkommenden Varianzen mit der Kamera gezeigt werden. Bei neuen Aufgaben ist die KI in Kürze neu trainiert und umgerüstet. Selbst eine High-Mix-Low-Volume-Fertigung zu automatisieren, lohnt sich mit intelligenten Robotersystemen – auch unter zeitlichem Druck.
Stand: 16.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die WIN-Verlag GmbH & Co. KG, Chiemgaustraße 148, 81549 München einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://kontakt.vogel.de/de/win abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
ZF automatisiert Werkstückaufnahme
Unter Zeitdruck zu fertigen, ist besonders in der Mobilitätsbranche eine Prämisse für Erfolg. Auch das Unternehmen ZF stand vor der Herausforderung, Flexibilität und Präzision unter einen Hut zu bringen und die Werkstückzufuhr einer großvolumigen Frässtation, in der Zahnräder produziert werden, zu automatisieren.
Im Werkprozess werden Metallringe aus einer Kiste entnommen und auf ein Förderband gelegt, um später in die Produktion der Zahnräder einzufließen. Die Schwierigkeit: Der Produktionsschritt ist sehr variantenreich, da sich die Ringe in der angelieferten Gitterbox verschieben und dadurch zufällig angeordnet sein können. Auch Platzierung und Form der Box variieren. Wechselnde Lichtverhältnisse stellen eine zusätzliche Herausforderung dar. Außerdem ist die Oberfläche der Ringe metallisch glänzend, teilweise ölverschmiert oder korrodiert, was eine klassische Automatisierung unmöglich machte.
Heute ist bei ZF die KI-Steuerung Mirai und ein kollaborierender Roboter von Universal Robots in einer automatisierten Werkstückaufnahme im Einsatz. Mit seiner eigenen Steuerung bringt sich der Cobot über den Ringen in der Kiste in Position. Nun übernimmt das KI-System die Kontrolle: Es bewegt den Roboter selbstständig zum nächsten Ring und bringt den Greifer in die korrekte dreidimensionale Greifposition. Danach übernimmt der Roboter wieder, nimmt den Ring auf und bewegt ihn zum Ablegen auf das Förderband. Das komplette Einrichten des Roboters dauerte lediglich wenige Tage – die KI-Steuerung löste in kürzester Zeit ein lang bestehendes Problem.
(Entwicklern von Fertigungsprozessen und Automatisierungen steht mit einer KI-basierten Steuerung ein neues Tool zur Verfügung, das hilft, manuelle Tätigkeiten auch bei zunehmender Varianz einzusparen. Bild: Micropsi)
Automatisierungslösung: Intelligente Robotik bei Siemens Energy
Siemens Energy stand ebenfalls vor dem Problem, einen Prozessschritt mit konventionellen Lösungen nicht automatisieren zu können. Bei der Aufarbeitung von Gasturbinenschaufeln müssen Bohrungen mit Lötpaste verschlossen werden. Die Aufgabe ist aus mehreren Gründen komplex.
Die Positionen der Bohrungen auf der Schaufel weichen aufgrund von Temperaturverformungen der Schaufel ab. Die Dosierung der Lötpaste gestaltet sich mühsam und monoton, da Hunderte von Bohrungen zu füllen sind. Es dauert Stunden, bis ein Mensch dies erledigt hat. Die Schaufeln selbst gibt es in verschiedenen Ausführungen und unterschiedlichen Verschleißzuständen.
Ein Cobot, ausgestattet mit der KI-Steuerung von Micropsi, konnte bei Siemens Energy schnell und verlässlich Abhilfe schaffen. Dazu führt der Roboter die Dosiernadel in die Bohrungen der Turbinenschaufel ein und überwindet dafür mitunter die Varianzen bei Form und Zustand der Schaufeln. Die KI übernimmt die Bewegung der Nadel von einer Bohrung zur nächsten und das präzise Einsetzen der Nadel in die Bohrungen. Die Steuerung des Roboters leitet anschließend das Auftragen der Lötpaste und andere vorgegebene Teile der Aufgabe, die sich programmieren lassen.
KI unterstützt bei Planung und Umsetzung
Um im volatilen Umfeld zu bestehen, sind Hersteller aus allen Branchen auf eine flexible und wirtschaftliche Automatisierungslösung angewiesen. Entwickler und Konstrukteure sollten deren Planung allerdings aus einem neuen Blickwinkel betrachten: Statt nur auf komplexe und teure Hardware-Lösungen oder Handarbeitsplätze zu setzen, bietet ergänzende Software die notwendige Agilität. Künstliche Intelligenz unterstützt nicht nur bei der Planung von Fertigungsprozessen. Neue Technologien wie KI-basierte Robotersteuerungen ermöglichen auch eine immer einfachere und schnellere Automatisierung auch komplexer Tätigkeiten. Sie entwickeln sich damit zum Schlüssel für den künftigen Erfolg.
Der Autor Maximilian Mutschler ist VP Sales bei Micropsi Industries.