Interview mit Dr. Udo Haberland, Geschäftsführer von Faulhaber

Antriebstechnik: Innovation bedeutet, auch Risiken einzugehen

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Wichtig ist es, in der Antriebstechnik ein Systemverständnis aufzubauen

Die Entwicklung neuer Produkte erfordert ein tiefes Verständnis für Kundenanforderungen und technologische Trends. Welche Faktoren spielen aktuell die wichtigste Rolle bei der Entwicklung neuer Antriebssysteme?

Dr. Haberland: Wir betrachten hier einen Prozess, bei dem viele Faktoren eine Rolle spielen. Besonders wichtig ist es, ein Systemverständnis aufzubauen. Denn am Ende geht es nicht nur darum, ein leistungsfähiges Produkt zu entwickeln, sondern auch eine funktionsfähige, anwendungsorientierte Lösung anzubieten. Dafür sind zwei Dinge entscheidend: technologisches Know-how und ein klarer Fokus auf die Anforderungen des Kunden. Ein großer Vorteil ist es, wenn wir bereits früh im Entwicklungsprozess in engem Kontakt mit unseren Kunden stehen. Der direkte Austausch und die Möglichkeit, technische Details auf Augenhöhe zu besprechen, gehören zu den Schlüsselelementen für erfolgreiche, maßgeschneiderte Lösungen.

Wie sehen Sie die aktuellen Herausforderungen in der Branche und welche Chancen ergeben sich daraus für Faulhaber?

Dr. Haberland: Ich vergleiche die aktuelle Situation hier einmal mit ‚Skifahren im Nebel‘. Man ist unterwegs, aber die Sicht ist eingeschränkt. Was als Nächstes kommt, lässt sich höchstens erahnen. Wichtig ist deshalb, fokussiert und flexibel zu bleiben und schnell auf das reagieren zu können, was kommt. Ähnlich verhält es sich auf dem Markt. Wir wissen, dass wirtschaftlich unsichere Zeiten zu mangelnden Investitionen führen und wir merken, wie geopolitische Veränderungen uns beeinflussen. Daher ist es umso wichtiger, dass wir bei Faulhaber resilient und resistent zugleich sind und uns die Fähigkeit erhalten, schnell zu reagieren.

Faulhaber bietet ein umfangreiches Portfolio an innovativen Klein- und Kleinstantriebssystemen. Die Abbildung zeigt verschiedene DC-Motoren.(Bild:  Faulhaber)
Faulhaber bietet ein umfangreiches Portfolio an innovativen Klein- und Kleinstantriebssystemen. Die Abbildung zeigt verschiedene DC-Motoren.
(Bild: Faulhaber)

Effiziente Produktions- und Planungsprozesse sind entscheidend für die Lieferperformance. Welche Strategien verfolgt Faulhaber im Bereich Operations?

Dr. Haberland: Ein zentraler Baustein dafür ist die Zusammenarbeit aller Beteiligten aus den Fachbereichen Sales, Inventory, Operations und Planning. Die gesamte End-to-End-Kette wird so optimiert, dass alle relevanten Themen frühzeitig identifiziert und bearbeitet werden können. Dazu differenzieren wir die Geschäftsarten. Ein Kunde, der Katalogware bestellt, hat andere Erwartungen als ein Kunde mit Rahmenvertrag. Stichworte wie Verfügbarkeit, kurze Lieferzeiten und On-time-Delivery spielen beispielsweise eine große Rolle in diesem Kontext. Ein weiterer Fokus liegt auf mehr Digitalisierung und Automatisierung in der Auftragsabwicklung. Aufträge zu Katalogprodukten müssen sich möglichst automatisiert und ohne zusätzlichen Aufwand abwickeln lassen. So können sich unsere Mitarbeitenden stärker auf Sonderanfragen und individuelle Kundenlösungen konzentrieren. Gleichzeitig ist es uns wichtig, dass die Rolle der Mitarbeitenden im gesamten Prozess sichtbarer wird. Jeder im Unternehmen trägt seinen Teil dazu bei, dass unsere Kunden zuverlässig und pünktlich beliefert werden. Dieses Bewusstsein entlang der Auftragsbearbeitung zu schärfen, ist ein wichtiger Schritt.

Für uns es wichtig, resilient und resistent zugleich zu sein und die Fähigkeit zu erhalten, schnell zu reagieren.

Was motiviert Sie persönlich in Ihrer Arbeit bei Faulhaber und welche ­Vision haben Sie für die Zukunft des Unternehmens?

Dr. Haberland: Es macht immer Spaß mit einem höchst kompetenten Team zu arbeiten, die Begeisterung für unsere Technik zu erleben und mit Ideenreichtum an neue Herausforderungen heranzugehen. Und ich denke, diese Motivation und Leidenschaft spiegelt sich auch in unseren Produkten und Lösungen wider.  Meine Vision für Faulhaber ist klar: Wir wollen die Nummer eins im Bereich Präzisionsantriebssysteme sein. Wenn wir für eine Anwendung keine technisch sinnvolle Lösung finden, dann wird es mit vertret­barem Aufwand wohl niemand können. ­Unser Anspruch ist es nicht, meilenweit voraus zu sein – aber mindestens eine Nasenlänge. Faulhaber soll der Maßstab in der Branche sein. Unser Ziel ist es, dass Kunden bei anspruchsvollen Antriebsaufgaben zuerst an uns denken, mit ihrer Anfrage direkt zu uns kommen und darauf vertrauen, dass wir die beste Lösung entwickeln. Wir wollen nicht nur ein Anbieter sein, sondern der beste Ansprechpartner für die optimale technische Lösung. Damit das gelingt, müssen wir zwei Dinge verbinden: ein breites Portfolio und kundenangepasste Lösungen mit schlanken Prozessen. 

Wir wollen nicht nur ein Anbieter sein, sondern der beste Ansprechpartner für die optimale, technische 
Lösung.

Gab es einen besonderen Moment oder eine Entwicklung in Ihrer Karriere, die Ihre Sicht auf Technologie und Innovation nachhaltig geprägt hat?

Dr. Haberland: Ja, diese Erfahrung gibt es tatsächlich. Es war eine Situation, die Risiko und Chance gleichermaßen in sich vereinte – und gezeigt hat, dass Veränderungen oft der Startpunkt für etwas Neues und Erfolgreiches sein können. Ich habe erlebt, wie ein wichtiger Kundenauftrag weggebrochen ist – eine Situation, die zunächst wie ein Rückschlag aussah. Doch genau das hat dazu geführt, dass wir umgedacht, neue Wege gesucht und Lösungen entwickelt haben. Wir haben die Chance ergriffen und sind mit einer neuen Technologie durchgestartet. Risikobereitschaft ist essenziell. Manchmal muss man einfach den Mut haben, etwas Neues zu wagen – auch wenn nicht garantiert ist, dass es sofort funktioniert. In einem geregelten Ablauf bricht man selten freiwillig aus, um radikal Neues auszuprobieren. Doch genau diese Momente, in denen man herausgefordert wird und sich verändern muss, sind oft die wahren Treiber für Innovation. Deshalb sehe ich es als entscheidend an, immer wieder offen für Veränderungen zu bleiben, Risiken einzugehen und Chancen aktiv zu nutzen.

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