Interview mit Dr. Udo Haberland, Geschäftsführer von Faulhaber Antriebstechnik: Innovation bedeutet, auch Risiken einzugehen

Verantwortliche:r Redakteur:in: Rainer Trummer 8 min Lesedauer

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Als Geschäftsführer verantwortet Dr. Udo Haberland beim Antriebstechnik-Spezialisten Faulhaber die Bereiche Entwicklung, Forschung, Qualität, Logistik und Produktion. Im Interview spricht er darüber, warum es bei Innovation um mehr als nur um neue Produkte geht, wie sich das Unternehmen den Herausforderungen der Branche stellt und warum Veränderungen oft der Startpunkt für nachhaltigen Erfolg sind.

Dr. Udo Haberland ist Geschäftsführer bei Faulhaber und verantwortet beim Antriebstechnik-Spezialisten die Bereiche Entwicklung, Forschung, Qualität, Logistik und Produktion.(Bild:  Faulhaber)
Dr. Udo Haberland ist Geschäftsführer bei Faulhaber und verantwortet beim Antriebstechnik-Spezialisten die Bereiche Entwicklung, Forschung, Qualität, Logistik und Produktion.
(Bild: Faulhaber)

Herr Haberland, Sie verantworten bei Faulhaber die Bereiche Entwicklung, Forschung, Qualität, Logistik und Produktion. Was fasziniert Sie an dieser Aufgabe am meisten?

Dr. Udo Haberland: All diese Bereiche hängen in verschiedenen Punkten zusammen. Das Spannende und auch das Wichtige ist sicherlich die zusammenhängenden Prozesse und die Durchgängigkeit dabei zu betrachten: Von einer Produktidee bis zur finalen Serie durchlaufen wir verschiedene Phasen. Das Qualitätsniveau ist beispielsweise ein wichtiger Aspekt. Ein hoher Standard für den reibungslosen Prozess von Beginn an resultiert später auch in keinen oder wenigen Problemen in der Produktion. Die Komplexität und Größe unseres Produktportfolios nehmen stetig zu. Das bedeutet auch, dass wir uns ständig hinterfragen und unsere Abläufe noch effizienter gestalten müssen. Das ist eine Gratwanderung: Wir wollen die Komplexität der Prozesse reduzieren, ohne den Kern unseres Geschäftsmodells oder die Qualität unserer Produkte zu gefährden. Ein zentraler Punkt dabei ist, wie wir unsere Kernprozesse automatisieren. Arbeitsabläufe sollen schlanker, aber die Geschwindigkeit sowie Präzision gleichzeitig erhöht werden. Wenn wir in der Produktion oder in der Logistik Schritte automatisieren, schaffen wir Kapazitäten für strategische Aufgaben und können schneller auf Marktveränderungen reagieren. Zusätzlich spielt die Datenqualität eine entscheidende Rolle. Wir können nur dann effizient und nachhaltig arbeiten, wenn die Daten, auf denen unsere Entscheidungen basieren, verlässlich sind. Daher investieren wir nicht nur in Technologie, sondern auch in die Verstärkung unserer Planungskapazitäten, um sicherzustellen, dass wir jederzeit mit einem klaren Überblick und fundierten Analysen arbeiten können.

Die Reduktion von CO2-Emissionen, sowohl bei uns als auch in der Lieferkette, und die Berücksichtigung von Kreislaufwirtschaft und Recycling sind entscheidend für eine nachhaltige Zukunft.

Innovation gehört zu den zentralen Erfolgsfaktoren für Faulhaber. Wie definieren Sie Innovation in Ihrem Bereich ...

Dr. Haberland: Innovation ist für uns zentral, sie ist jedoch nicht ausschließlich auf die Entwicklung neuer Produkte beschränkt. Um technisch führend zu bleiben, müssen wir Innovation ganzheitlich denken – das bedeutet, dass wir auch unsere Prozesse kontinuierlich weiterentwickeln. Schließlich bewegen wir uns in einem Umfeld, in dem wir uns oft an der Grenze des technisch Machbaren befinden.Ich definiere Innovation gerne anhand des sogenannten Fünf-Säulenmodells: Produkte, Prozesse, People, Methoden & Tools sowie das Umfeld. Als erstes denken wir in Bezug auf Innovation häufig an Produkte. Gewissermaßen wird vorausgesetzt, dass neue Produkte innovative Lösungen bieten – aber dort endet es nicht. Unsere Prozesse müssen ebenfalls immer wieder abgestimmt und weiterentwickelt werden, um effizient und flexibel zu bleiben. Ein weiterer zentraler Faktor ist der People-Aspekt. Ein zukunftsorientiertes Unternehmen braucht ein innovatives Mindset. Das bedeutet, dass unsere Mitarbeitenden lernen und ausprobieren wollen und dürfen, Freiraum für kreative Ideen haben und dabei auch mal Fehler machen. Fehler gehören zum Lernprozess und sind keineswegs negativ – sie bieten wertvolle Erkenntnisse und treiben uns voran. Die richtigen Methoden und Tools sind ebenfalls entscheidend. Alte Werkzeuge müssen hinterfragt und gegebenenfalls durch neue Technologien ersetzt werden. Gerade in der Produktentwicklung sind moderne Messmethoden, Simulationen und kontinuierliche Weiterbildung elementar, um immer up to date zu bleiben.

Am Ende geht es nicht nur darum, ein leistungsfähiges Produkt zu entwickeln, sondern auch darum, eine funktionsfähige, anwendungsorientierte Lösung anzubieten.

... und welche Trends treiben die Entwicklung neuer Produkte an?

Dr. Haberland: Ich nenne hier gerne die drei D’s: ‚Digitalisierung‘, ‚De-Carbonisierung‘ und ‚De-Globalisierung‘. In der Digi­talisierung sehen wir eine enorme Chance, sowohl die Planbarkeit unserer Prozesse als auch die Vernetzung zu optimieren – Stichwort IoT und Schnittstellenintegration. Dies ermöglicht uns, schnellere und präzisere Entscheidungen zu treffen. Nicht zuletzt treiben uns die Themen ‚De-Carbonisierung‘ und ‚De-Globalisierung‘ an. Die Reduktion von CO2-Emissionen, sowohl bei uns als auch in der Lieferkette, und die Berücksichtigung von Kreislaufwirtschaft und Recycling sind entscheidend für eine nachhaltige Zukunft. Gleichzeitig beobachten wir eine Verschiebung in den globalen Lieferketten. Als Beispiel lässt sich hier die Abhängigkeit von seltenen Erden und die Frage nennen, ob wir künftig noch auf Übersee-Lieferungen angewiesen sein wollen oder uns noch mehr innerhalb Europas orientieren. Innovation ist also für uns ein ganzheitlicher Prozess, der nicht nur durch Produkte, sondern durch die kontinuierliche Verbesserung in allen Bereichen getragen wird.

Das Bild zeigt Dr. Udo Haberland, Geschäftsführer bei Faulhaber.
Dr. Udo Haberland: „Wir wollen die Nummer eins im Bereich Präzisionsantriebssysteme sein.“
(Bild: Faulhaber)

Gibt es aktuelle Forschungsprojekte oder technologische Entwicklungen, die Sie besonders spannend finden?

Dr. Haberland: Wir beschäftigen uns intensiv mit verschiedenen Forschungsprojekten und technologischen Entwicklungen, die großes Potenzial für die Zukunft haben. Besonders spannend finde ich unser Pilotprojekt mit Fraunhofer, bei dem auch künstliche Intelligenz eine Rolle spielt. KI ist in aller Munde und wir wollen frühzeitig verstehen, welche Chancen sich daraus für zukünftige Technologien und Prozesse ergeben.Parallel dazu führen wir eine interne Umfrage und Sichtung zum Einsatz von KI durch, um Bestehendes zu analysieren und neue Initiativen abzuleiten. Wir sehen darin eine wichtige Grundlage, um gezielt in die vielversprechendsten Themen zu investieren und unsere Innovationskraft weiter auszubauen. Vor allem, weil viel Potenzial in diesen Entwicklungen steckt.

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