Von Stuttgart in die Welt: Fraunhofer IPA wird 60

Vor 60 Jahren – am 1. Juli 1959 – nahm das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA in Stuttgart seine Arbeit auf: Seitdem bringt es passend zur Fraunhofer-Philosophie Innovationen und Lösungen für Industrieanwendungen hervor und schlägt die Brücke zwischen Wissenschaft und Praxis – ein Forschungsmodell, das heute international mehr und mehr Anklang findet. Auch Zeit drüber zu sprechen, was die Instituts-Mitarbeiter leisten.

„Wie wertvoll Fraunhofer für das deutsche Innovationssystem ist, erkennt man daran, dass sich andere Länder wie Brasilien, Großbritannien oder die USA Organisationen aufbauen, die ähnliche Strukturen haben wie die Fraunhofer-Gesellschaft“, kommentiert IPA-Institutsleiter Professor Thomas Bauernhansl. Für ihn ist das Modell Fraunhofer, das anwendungsorientierte Forschung im Auftrag der Industrie und Vorlaufforschung mit Universitäten und anderen Forschungseinrichtungen verbindet, das A und O für den Innovationserfolg Deutschlands.

Als größtes produktionstechnisches Institut der Fraunhofer-Gesellschaft hat das Fraunhofer IPA nicht nur den Anspruch, aktuelle Themen zu bearbeiten, es will auch Trends setzen. „Gerade im Automobil- und Maschinenbauland Baden-Württemberg sind wir in einer Vorreiterrolle gefragt. Bei Industrie 4.0, also der digitalen Transformation, konnten wir ganz vorn gestaltend mitwirken. Auch bei der biologischen Transformation, die zunehmend an Bedeutung gewinnt, werden wir von Anfang an dabei sein“, weiß Bauernhansl.

„Wir haben den Vorteil, dass wir schon immer sehr schnell und flexibel neue Themen und damit auch neue Disziplinen an Bord geholt haben – etwa in Bereichen wie Medizin- und Biotechnologie oder auch der Reinraumtechnik. Wir sind es gewohnt, interdisziplinär zusammenzuarbeiten und das Konzert der verschiedenen Technologien zu spielen. Denn nur mit Wissen aus unterschiedlichen Disziplinen kommen wir systemisch zu einer optimalen Lösung“, so sein Resümee.

Professor Fritz Klocke, der seit Juli 2018 die Institutsleitung des Fraunhofer IPA unterstützt, ergänzt: „Die enge Partnerschaft mit den Stuttgarter Universitätsinstituten für Industrielle Fertigung und Fabrikbetrieb (IFF) sowie für Energieeffizienz in der Produktion (EEP) hat maßgeblich zu unserem eigenen Erfolg beigetragen. Gemeinsam sind wir natürlich viel erfolgreicher als alleine“. Für Klocke, der lange Zeit an der RWTH Aachen tätig war, ist auch das Cyber Valley eine wunderbare Möglichkeit, die Brücke zwischen grundlagenorientierten Naturwissenschaften und den praktischen Anwendungswissenschaften zu schlagen. Hier soll die Zusammenarbeit in Zukunft weiter gestärkt werden.

Internationale Vernetzung als wichtige Säule

Das Fraunhofer IPA beschäftigt 700 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Neben den Außenstellen und Projektgruppen in Bayreuth, Mannheim und Reutlingen unterhält das IPA auch in Österreich, Ungarn und Japan Dependancen unterschiedlicher Größe und Struktur, jeweils an Hochschulen gekoppelt. Die jüngste internationale Präsenz entsteht derzeit in Shanghai /Lingang, einer der führenden Wissenschafts- und Technologieregionen Chinas. Das Project Center for Smart Manufacturing, eine Kooperation mit der Shanghai Jiao Tong University, setzt gemeinsam mit Industriepartnern Forschungsprojekte zur digitalen Transformation um.

Stärkung des Standorts Stuttgart vorantreiben

Nicht nur international, auch vor Ort will das Institut wachsen. „IPA 100 in den nächsten zwei bis drei Jahren ist für uns ein realistisches Arbeitsziel. Das bedeutet 100 Millionen Euro Umsatz pro Jahr – ein Aufwuchs um mehr als ein Drittel im Vergleich zu heute. Um das umzusetzen, müssen bestehende Strukturen angepasst, neue Strukturen aufgebaut und vor allem die Mitarbeiter mitgenommen werden“, so Professor Fritz Klocke.

Professor Thomas Bauernhansl ergänzt: „Eines unserer größten Leuchtturmprojekte ist der Stuttgarter Technologie- und Innovationscampus S-TEC. Er soll Unternehmen mit der thematisch breit gefächerten Forschungslandschaft am Standort Stuttgart vernetzen und zukunftsrelevante Forschungsthemen vorantreiben. Inhaltlich sind das Themen wie additive Produktion, cyberkognitive Intelligenz, cyberphysische Systeme, digitalisierte Batteriezellenproduktion, Ultraeffizienz sowie frugale Produkte und Produktionssysteme, die in Zentren organisiert sind und von der Landesregierung finanziell unterstützt werden“.

Für Bauernhansl und Klocke ist S-TEC eine enorme Chance, den Wissenschaftsstandort Stuttgart zu einem weithin sichtbaren Leuchtturm zu entwickeln und somit attraktiv für Nachwuchswissenschaftler zu machen.

Die "Übermorgen-Macher"

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind das höchste Gut am Fraunhofer IPA. Daher kommen auf der Jubiläumswebsite stellvertretend für das gesamte Institut 60 Menschen mit 60 Geschichten aus den letzten 60 Jahren zu Wort. Sie sind schließlich diejenigen, die aus »Wir produzieren Zukunft« gelebte Realität machen. Ein eigens von Mitarbeitenden des Instituts komponierter Jubiläumssong erzählt von der Vielfalt der Forschungsaufgaben und schildert mal ernst, mal ironisch den Arbeitsalltag. Wie das arbeiten am IPA aussieht und aussah: http://die-uebermorgen-macher.de/

  • Persil-Werbung? Nein - eine Reise in eine andere Zeit: 1961 saß das Forschungsinstitut noch in der Kepplerstraße 10. Bild aus dem Lesebuch »50 Jahre IPA«, 2009.
  • Nobel statt Keppler: Heute hat das Fraunhofer IPA gemeinsam mit vier weiteren Fraunhofer-Instituten seinen Hauptsitz in der Nobelstraße 12 in Stuttgart-Vaihingen. Bild: Fraunhofer IPA/Foto: Rainer Bez
  • Die Wissenschaftler des Fraunhofer IPA forschen beispielsweise an cyber-physischen Produktionsprozessen der Zukunft. Bild: Universität Stuttgart IFF / Fraunhofer IPA, Foto: Rainer Bez
  • 700 Forscher brauchen Chefs, die die ganzen Vorhaben koordinieren: Prof. Fritz Klocke und Prof. Thomas Bauernhansl leiten das Fraunhofer IPA in Stuttgart. Bild: Fraunhofer IPA/Rainer Bez
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