Schaltschrankbau So automatisiert der Wago Wiring Bot die Verdrahtung

Von Anja Koser 4 min Lesedauer

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Im Schaltschrankbau dominieren noch immer manuelle Prozesse, vor allem bei der Verdrahtung. Um Zeit, Kosten und Fachkräfte zu sparen, rücken Automatisierungslösungen zunehmend in den Fokus, so wie der Wago Wirig Bot.

Der Wago Wiring Bot sorgt für eine deutliche Effizienzsteigerung und Fachkräfteentlastung bei der Schaltschrankverdrahtung.(Bild:  Wago)
Der Wago Wiring Bot sorgt für eine deutliche Effizienzsteigerung und Fachkräfteentlastung bei der Schaltschrankverdrahtung.
(Bild: Wago)

So sehen laut einer Studie, die Wago in Zusammenarbeit mit Statista+ zum Thema Automatisierung im Schaltschrank- und Maschinenbau erstellt hat, 70 Prozent der Befragten das größte Potenzial von Automatisierung in der Effizienz- und Produktivitätssteigerung, 56 Prozent in einer erhöhten Wettbewerbsfähigkeit und 41 Prozent in der Bewältigung des Fachkräftemangels. Dies zeigt, dass Automatisierung nicht nur ein Mittel zu Effizienzsteigerung ist, sondern auch eine strategisch notwendige Maßnahme, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Mit dem modularen Wago Wiring Bot bietet Wago nun eine innovative Automatisierungslösung für die effiziente Verdrahtung von Schaltschränken, die auf alle diese Punkte einzahlt.

Vollautomatische Leitervorbereitungsstation

Dank seiner vollautomatischen Leitervorbereitungsstation, bei der bis zu 16 verschiedene Leiter vorgehalten, individuell auf die passende Länge geschnitten, abisoliert, gecrimpt und bedruckt werden, kann der Wago Wiring Bot auf die optimal für jede Klemmstelle vorbereiteten Leiter zurückgreifen. Die Leitervorbereitungsstation spart einen erheblichen Anteil an manueller Arbeitslast bei der Drahtkonfektion – dem Werker wird so ein zeitaufwändiger Prozessschritt abgenommen. Möglich sind hier derzeit Leiterquerschnitte von 0,5 bis 2,5 mm² sowie Leiterlängen von 300 bis 2500 mm. Nach der Aderendbehandlung wird diese mittels einer Leiterauszugsprüfung getestet. Bei positiver Qualitätsprüfung jedes einzelnen Leiters erfolgt die Übergabe der fertig konfektionierten Leiter an den Verdrahtungsroboter oder optional an die Fachkraft.

Herstellerunabhängige Komponentenverdrahtung

Der Verdrahtungsroboter agiert dabei perfekt im Zusammenspiel mit den Wago Reihenklemmen mit Push-In-Klemmenanschluss.(Bild:  Wago)
Der Verdrahtungsroboter agiert dabei perfekt im Zusammenspiel mit den Wago Reihenklemmen mit Push-In-Klemmenanschluss.
(Bild: Wago)

Beim Wago Wiring Bot selbst handelt es sich um einen hochpräzisen, modularen Portalroboter mit 4,5 Achsen, der auf ein Magazin von 12 Greif- und Montagewerkzeugen und bis zu 7 Schraubbits zugreifen kann. Der Verdrahtungsroboter agiert dabei perfekt im Zusammenspiel mit den Wago Reihenklemmen mit Push-In-Klemmenanschluss; durch sein Repertoire an Werkzeugen aber auch mit Komponenten anderer Hersteller; die durchschnittliche Verdrahtungszeit liegt hier bei unter 45 Sekunden pro Leiter. Die einseitige Verdrahtung einer Vielzahl von Komponenten unterschiedlichster Hersteller auf bestückten DIN-Tragschienen, offenen Gestelle oder Montageplatten ist für viele Anwendungsfälle und Aufgabenstellungen ideal. Als Anschlusstechnologien sind sowohl Schraub- als auch Federanschlüsse möglich, wie sie beispielsweise in Sicherungsautomaten und Reihenklemmen anzutreffen sind.

Präzise Prüf- und Messtechniken

Um eine maximale Ausführungsqualität zu erzielen, wird jeder Schraubanschlusspunkt nach erfolgter Verdrahtung einer Auszugsprüfung unterzogen. Die Bedienung der Federanschlüsse ist vollständig Kraft-Moment-überwacht. Darüber hinaus macht die integrierte Kamera- und Lasermesstechnik vor jedem Auftragsstart einen Soll-Ist-Abgleich, um zu überprüfen, ob die Komponenten passend montiert sind. Sollten kleine Abweichungen bei der Position vorkommen, berücksichtigt der Roboter dies bei der Verdrahtung und justiert ggf. in den digital vorliegenden Auftragsdaten nach – wodurch die Prozesssicherheit erhöht wird.

Entlastung des Werkers

Damit die Verdrahtungsarbeit schnell und effizient vervollständigt werden kann, ist die zweite Seite des Drahtes bereits vorkonfektioniert, sodass der Werker diesen nur noch verlegen (bei Gestellen rückseitig, bei Montageplatten in den Kabelkanälen) und die zweite Seite anschließen muss. Zudem befinden sich die Drähte, die vom Roboter nicht verdrahtet werden konnten, bereits fertig konfektioniert in einer Drahtaufnahme, aus der sich der Werker bedienen kann. Der Werker wird somit also nicht überflüssig, sondern nur von aufwändigen manuellen Arbeitsschritten wie der Drahtkonfektionierung entbunden und dank der einseitigen Verdrahtung in seiner Arbeit unterstützt. Die Kabelführung und die zweite Seite zu verdrahten, bleibt aber weiterhin Aufgabe des Werkers - genauso wie die abschließenden Prüfungen, nur dass für diese Aufgaben nun durch den Einsatz der Drahtvorbereitungsstation und des Verdrahtungsroboters mehr Zeit zur Verfügung steht. Auch der Gesundheitsaspekt spielt hier eine nicht unerhebliche Rolle: Bei Beschwerden im Bewegungsapparat stellt die Unterstützung bei der Kabelkonfektionierung und/oder Verdrahtung eine erhebliche Erleichterung bei der täglichen Arbeit dar.

Einfache Einbettung in bestehende Systemlandschaften

Ein weiterer großer Vorteil des Wago Wiring Bot ist seine einfache Integration in bestehende Systemlandschaften, da kein 3D-CAE-Engineering erforderlich ist. Einfache Kabellisten und Konfektionsdaten für die Schienen, wie sie etwa der Wago Konfigurator Smart Designer liefert, reichen bereits an Daten aus, um die Drahtvorbereitungsstation und den Verdrahtungsroboter mit den notwendigen Informationen zu speisen.

Fazit: Mensch bleibt weiterhin unverzichtbar

Die Automatisierung im Schaltschrankbau ist ein essenzielles Zukunftsthema, insbesondere mit Blick auf den Fachkräftemangel und die fortschreitende Digitalisierung. Die (Teil-) Automatisierung von Prozessschritten, beispielsweise durch den Einsatz von Automatisierungsanlagen in der Verdrahtung wie den Wago Wiring Bot, verändert zwar die Arbeitsweise, bewirkt aber keine grundsätzliche Transformation; viele Arbeitsanteile bleiben bestehen. Der Mensch bleibt daher weiterhin unverzichtbar. Dank seiner besonderen Fähigkeiten, wie seinem Fingerspitzengefühl und seinem Fachwissen, kann er dadurch jedoch neue, höher qualifizierte Aufgaben wie die Überwachung, die Koordinierung oder die Steuerung übernehmen. Dies zeigen auch die Ergebnisse der Studie zum Thema Automatisierung von Wago und Statista. Unternehmen im Schaltanlagenbau, die in Automatisierung investiert haben, konnten dabei neben Kostenreduktionen (79 Prozent) und einer schnelleren Fertigung (58 Prozent) vor allem dem Fachkräftemangel entgegenwirken, indem sie Fachkräfte effizienter nutzen (68 Prozent) und ihre Mitarbeiter entlasten konnten (63 Prozent).

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Anja Koser ist Communications Managerin bei Wago.