Wie verhalten sich Kabel und Leitungen bei einem Brand? Ihr Verhalten beeinflusst den Schaden. TKD Kabel erläutert die wesentlichen Aspekte rund um den Brandschutz bei Kabeln und Leitungen.
Brandschutz by TKD Kabel: Mit den richtigen Eigenschaften von Kabeln und Leitungen lassen sich Personen- und Materialschäden im Falle eines Brandes geringhalten.
Eine halbe Million Euro. Jeder dritte Brand in der Industrie verursacht Sachschäden in dieser Höhe, so die deutsche Versicherungswirtschaft. Die häufigste Brandursache ist seit Jahren in der Elektrizität zu finden. Daran wird sich aufgrund der weiter voranschreitenden Automatisierung und Elektrifizierung auch in der nächsten Zeit nichts ändern. Um selbst bei kilometerlangen Kabelverlegungen Schäden für Anlagen sowie für Menschen zu vermeiden oder wenigstens so gering wie möglich zu halten, spielt das Thema Brandschutz eine immer wichtigere Rolle. Kabel und Leitungen stehen hier besonders im Fokus. „Bezüglich Bränden hat Verkabelung ein dreifaches Gefahrenpotenzial“, sagt Sven Seibert. „Sie kann das Feuer verursachen, den Brand wie eine Lunte verteilen und giftige Gase sowie Rauch erzeugen, der das Auffinden des Brandherds erschwert.“ Seibert ist Produktmanager bei TKD Kabel. Das Unternehmen mit Sitz in Nettetal zählt zu den führenden Herstellern und Distributoren für Kabel, Leitungen, anschlussfertige Kabelsysteme und Kabelzubehör. Mit seinem Portfolio sowie seiner Entwicklung von Sonderlösungen deckt es mehrere Anwendungsbereiche ab, darunter die industrielle Automatisierung und den Maschinen- und Anlagenbau. Brandschutzeigenschaften finden sich bei praktisch allen der mehr als 30.000 Produkte. „Bei der Auswahl von Kabel und Leitungen geht es darum, die drei Brand-Gefahren für die Zielanwendung in den Griff zu kriegen“, schildert Seibert. Dafür müssen die Produkte je nach Anwendung eine hohe Flammwidrigkeit und eine geringe Rauchentwicklung aufweisen.
Flammwidrigkeit von Kabeln: Brandschutz durch halogenfreie Materialien
Die Flammwidrigkeit beschreibt das Brennverhalten von Leitungen und Kabeln. Zur Bewertung wird ein Material in einem Gemisch aus Sauerstoff und Stickstoff entzündet. Die Höhe der minimal notwendigen Sauerstoffkonzentration, bei der das Produkt entflammt, bestimmt dessen Flammwidrigkeit. Je höher dieser als Sauerstoffindex bekannte Wert ausfällt, desto schwieriger ist das Material zu entflammen. Sind Produkte als „schwer entflammbar“ kategorisiert, brennen sie zudem nicht selbstständig weiter, wenn die Brandquelle beseitigt wird; sie sind selbstverlöschend. Erzielt wird diese Eigenschaft durch die Zusammensetzung der Isolier- und Mantelwerkstoffe einer Leitung. Stoffe wie PVC oder PE erhalten durch das Hinzufügen von Flammschutzmitteln eine höhere Flammwidrigkeit. Die Rauchentwicklung, die Kabel und Leitungen verursachen können, ist in mehrfacher Hinsicht für den Brandschutz bedeutsam. Zu dichter Rauch erschwert die Sicht der Rettungskräfte sowie der Schutzsuchenden auf den Fluchtwegen. Mit dem Rauch werden auch Gase freigesetzt, deren Folgeschäden die reinen Brandschäden meist übertreffen. Zum einen führen sie zu Vergiftungen, die als die häufigste Todesursache in Brandfällen gilt. Zum anderen können korrosive Brandgase wie Ammoniak, Schwefeldioxid oder Chlorgas entstehen. Letzteres wird in Verbindung mit Löschwasser zu Salzsäure, die Beton und Stahl nachhaltig schädigt. Für brandschutzrelevante Bereiche oder Anwendungen bieten Kabelhersteller wie TKD daher Leitungen mit halogenfreier Aderisolierung und Ummantelung an. Die verwendeten Kunststoffmischungen verzichten auf Fluor, Chlor, Brom, Jod und Astat. Stattdessen bestehen die Werkstoffe aus Polymeren auf Basis reiner Kohlenwasserstoffe. Bei deren Verbrennung entstehen nur Wasserdampf und Kohlendioxid. „Für uns ist es die Herausforderung, die Brandschutzeigenschaften des Mantels immer weiter zu optimieren, ohne dabei die funktionalen Eigenschaften von Kabel oder Leitung zu beeinträchtigen“, sagt Seibert. Halogenfreiheit könne zum Beispiel dazu führen, dass die Beweglichkeit der Produkte verringert wird. „Daher gilt es einerseits zu prüfen, welche Eigenschaften eine Installation hinsichtlich Funktionalität und Brandschutz vorgibt. Andererseits arbeiten wir auch an Produkten, die möglichst viele Merkmale vereinen und daher vielseitig einsetzbar sind.“
Brandschutzeigenschaften finden sich bei praktisch allen der mehr als 30.000 Produkte von TKD Kabel.
(Bild: TKD Kabel)
Erweiterung schwer entflammbarer Leitungen nach CPR-Vorschriften
TKD Kabel hat sein Angebot an schwer entflammbaren Energie- und Steuerleitungen ausgebaut, die auch den Vorschriften der europäischen Bauprodukteverordnung (Construction Products Regulation, CPR) entsprechen. Seine Produktfamilie Flame-JZ/OZ-H FRNC 0,6/1 kV umfasst ungeschirmte Starkstromleitungen mit Kupferlitze, die je nach Abmessung die Anforderungen der CPR-Brandverhaltensklassen B2ca und Cca erfüllen. Das bedeutet, dass die Leitungen gering (B2ca) beziehungsweise moderat (Cca) entflammbar sind. Mantel- und Isolierwerkstoffe bestehen aus einer halogenfreien Spezialmischung, der schwarze Außenmantel ist UV-beständig.
Damit eignen sich die Leitungen für alle brandgefährdeten Zonen sowie für Einrichtungen, in denen viele Personen leben oder arbeiten oder hohe Sachwerte zu schützen sind. Zudem weisen sie hohe Werte für die Zusatzqualifikationen Rauchentwicklung (mit s1 die höchste Stufe), brennendes Abtropfen (mit d1 die zweitbeste Stufe) und Säurefreisetzung (mit a1 die höchste Stufe) auf. Die Leitungen wurden sowohl für die feste Verlegung als auch für flexible Anwendungen ohne Zugbeanspruchung und ohne zwangsweise Führung entwickelt. Sie eignen sich für die Verwendung in trockenen und feuchten Räumen sowie im Freien. Die Produktfamilie Flame-JZ/OZ-CH FRNC 0,6/1KV verfügt über die gleichen Eigenschaften. Diese Leitungen sind zusätzlich geschirmt und durchgängig in der Brandschutzklasse B2ca erhältlich. „Wir haben hier Eigenschaften zusammengeführt, die sich in dieser Kombination selten am Markt finden, aber dem Anwender gerade im Brandschutz einen breiten Nutzen bieten“, schildert Seibert. Das TKD-Portfolio an CPR-konformen Leitungen umfasst inzwischen 75 Produktfamilien. Der Hersteller deckt damit die Brandschutzklassen Eca für die Basisanforderungen bis zu B2ca ab: diese gilt für Kabelhersteller als die höchste erreichbare Klasse.
Stand: 16.12.2025
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Die Leitungen der Produktfamilie Flame-JZ/OZ-H FRNC 0,6/1 kV von TKD Kabel erfüllen die Anforderungen Brandverhaltensklassen B2ca und Cca gemäß CPR.
(Bild: TKD Kabel)
Flammwidrige Leitungen für Automotive
Die Nachfrage nach flammwidrigen Leitungen im Automotivebereich wächst mit der Elektrifizierung. TKD Kabel bietet UN/ECE-R 118.02 zertifizierte Produkte, die Brandschutzrichtlinien für Busse umsetzen. Diese Leitungen für Energie-, Signal- und Datenübertragung werden auf Entflammbarkeit und Selbstverlöschung getestet. ECE-R-zertifizierte Produkte wie Elitronic-CY und ÖPVC-JZ/OZ nutzen PVC und Flammschutzmittel wie Aluminiumhydroxid. Brandschutzbedarf wächst auch durch steigende Speicherbatterien in Photovoltaikanlagen, die schwer entflammbar sein müssen, um Sicherheitsrisiken zu minimieren.
Christian Hohnen ist Manager Marketing bei TKD Kabel.