Technikgeschichte: Rätsel um geheimnisvollen Dachbodenfund in Augsburg gelöst

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Ein Gerät zur Landvermessung? Zur Messung elektromagnetischer Felder? Oder doch ein technischer Wolpertinger? Über 200 Menschen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben seit Juli 2013 gegrübelt, recherchiert und getüftelt, um dem Augsburger Technikfundstück sein Geheimnis zu entlocken. Am 25. Februar wurde das Rätsel aufgelöst und die zwei besten Erklärungen in Augsburg prämiert. Drei Schülerinnen des Holbein-Gymnasiums wurden für ihre kreativen Geschichten rund um das Gerät ausgezeichnet. Der rund 150 Jahre alte Dachbodenfund des Augsburger Holbein-Gymnasiums war auch Wissenschaftlern ein Rätsel. Deshalb hatten die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften, das Deutsche Museum und das Gymnasium in einer Forscherausschreibung um Hinweise und Lösungsvorschläge aus der Bevölkerung gebeten.

Schüler des Augsburger Holbein Gymnasiums hatten im Frühjahr 2013 das Gerät aus der Mitte des 19. Jahrhunderts entdeckt. Gemeinsam mit ihren Lehrern fahndeten sie nach seiner Funktion und Geschichte. „Unsere Schüler haben es sogar auf einer internationalen Konferenz vorgestellt. Aber auch die Experten konnten nicht helfen“, berichtete Herbert Schuhknecht, stellvertretender Schulleiter des Holbein-Gymnasiums. acatech, das Deutsche Museum und das Holbein-Gymnasium schrieben deshalb mit Unterstützung der MAN Gruppe ein Preisgeld von 1‘000 Euro aus und fragten: „Wer erklärt das unbekannte Technikfundstück?“. Medien von Hamburg bis Wien berichteten.

Forscher, Hobby-Tüftler, Studierende, einzeln oder als Team – über 200 Menschen beteiligten sich an der Ausschreibung. Eine technikbegeisterte Familie schrieb aus ihrem Italien-Urlaub, andere glaubten, ein verwandtes Gerät bei ihrem letzten Museumsbesuch gesichtet zu haben. Eine Experten-Kommission, bestehend aus Wolfgang M. Heckl, Generaldirektor Deutsches Museum, Klaus Mainzer, Gründungsdirektor Munich Center for Technology in Society, Technische Universität München, und Bernd Pischetsrieder, acatech Vizepräsident, hat nun die zwei besten Erklärungen ausgewählt: Das Gerät diente der Strommessung. Die nachträglichen Umbauten des Geräts zeigen aber, dass das Gerät vor seinem technik-historischen Hintergrund erklärt werden muss. Es wurde im Laufe seiner Existenz zu unterschiedlichen Zwecken und Messverfahren verwendet. Das war Thilo Weitzel, Preisträger und Forschungsleiter am medizinischen Bildlabor der Universitätsklinik für Nuklearmedizin in Bern, schnell klar. „Ein Galvanometer! Das hatte ich bei mir im Kinderzimmer auch“, kommentierte er seinen Beitrag. „Die Bauform des Geräts legt nahe, dass das Verfahren von Johann Christian Poggendorf, einem deutschen Physiker des 19. Jahrhunderts, zur ‚Regulirung der Galvanometerskale‘ verwendet wurde.“ Mit modernen elektronischen Komponenten baute Thilo Weitzel das Gerät sogar nach. Auch Thomas Walcher, der zweite Gewinner und emeritierte Professor der Kernphysik, Universität Mainz, war schnell sicher, dass es sich um ein altes Strommessgerät handeln musste. In seinem Lösungsvorschlag erörtert er fundiert die physikalischen Grundlagen und die möglichen Verwendungsweisen.

 „Wir waren begeistert von der Anzahl, der Bandbreite und der teils hohen wissenschaftlichen Qualität der Einsendungen. Die Ausschreibung hat den Forschergeist quer durch die Bundesrepublik und bei unseren Nachbarn geweckt“, sagte Klaus Mainzer. „Beide Preisträger erfüllen höchste wissenschaftliche Standards.“ Nach den Worten von Wolfgang Heckl haben auch die Schüler mit ihren fantasievollen Beiträgen Neugier und Kreativität bewiesen – die Triebkräfte des Forschergeists. Wilfried von Rath, Vorstand Personal MAN Diesel & Turbo SE, schilderte in seinem Grußwort, dass die Neugier und Experimentierlust junger Menschen früh gefördert werden muss, um die Innovationskultur in Deutschland zu erhalten: „Als Maschinenbauunternehmen sind wir bei MAN jetzt und in Zukunft auf kreative Köpfe und Tüftler angewiesen. Wir brauchen Menschen, die mit Begeisterung und Kreativität ihre Leidenschaft für Technik leben, neugierig sind und einen Blick für Innovationen haben.“ 

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