Suez-Kanal: Was tun, wenn ein Schiff globale Lieferketten lahmlegt?

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Mitte März kollidierte die Ever Given mit dem Ufer des Suez-Kanal. Wie ein solches Sack-Reis-Ereignis globale Lieferketten lahmlegen kann und was Unternehmen tun können.
Suez-Kanal: Was tun, wenn ein Schiff globale Lieferketten lahmlegt?

Quelle: Vallehr/Shutterstock

Was ist wohl der unbeliebteste Job der Welt? Auf Ganz oben auf der Liste stünde sicherlich Kapitän eines Schiffes zu sein, das eines der wichtigsten Nadelöhre globaler Lieferketten mehrere Tage lang blockiert. Der Suez-Kanal verbindet als wichtige Verkehrsader die Hersteller und Zulieferer Asiens mit den großen Verbrauchermärkten in Europa.

Global Player Suez-Kanal

Nach dem Kanal in Ägypten ist sogar eine ganze Größenklasse von Containerschiffen definiert, die so genannte Suezmax beschreibt, ob ein Containerschiff durch Tiefgang, Breite und Höhe den Wasserweg passieren darf. Das International Chamber of Shipping schätzt, dass täglich Fracht im Wert von drei Milliarden US-Dollar den Suez-Kanal passiert. Der von Taiwan betriebene 224.000-Tonnen-Megatanker „Ever Given“ hingegen ist eines der größten Containerschiffe der Welt.

Mitte März kollidierte das Schiff mit den Ufern des Kanals und blockierte ihn komplett. Das Ergebnis war eine Warteschlange, die nach einer Woche auf 369 Schiffe gewachsen war. Insgesamt war der Suez-Kanal rund eine Woche gesperrt . Auch die Kosten sind nicht zu verachten: Sie werden auf sechs bis zehn Milliarden US-Dollar pro Woche geschätzt.


Autor: Dominik Metzger, Head of Product Management, Manufacturing and Industrial IOT, SAP


Der Schmetterlingseffekt des weltweiten Geschäfts

Wie wir manchmal in einer poetischen Darstellung hören, kann das Schlagen und Flattern der Schmetterlingsflügel in Brasilien dazu führen, dass Winde in Hurrikan-Stärke auf Mexiko treffen. Dieser „Schmetterlingseffekt“ (Teil des Chaos-Theorie-Portfolios) ist in dieser Situation sicherlich relevant.

Denn nicht nur die Ladung in den circa 200.000 Metallboxen ist betroffen. Es sind die Hunderte von Frachtschiffen, die auf halber Strecke gestrandet sind – und zwar auf beiden Seiten des Kanals. Es ergeben sich aber weitere Herausforderungen, die nicht nur die Ladung auf den Schiffen, dessen Umladung oder die Wartezeit im Kanal betreffen.

Dazu könnte zum Beispiel eine zeitkritische Lieferung von Elektronik-Komponenten aus Asien gehören, die zeitgleich zur Einführung mit einer neuen Produktlinie in Europa ankommen soll. Eine Umleitung um das Kap der Guten Hoffnung in Afrika verlängert ihre Reise um 6.000 Meilen sowie zehn bis 15 Reisetage. Die Alternative, eine neue Sendung einzufliegen, hätte hingegen erhebliche Kosten zur Folge.

Wie Unternehmen die Folgen einer Suez-Kanal-Verstopfung abmildern können

Offensichtlich gibt es keine Patentlösung für diese Herausforderung. Ein klassisches Beispiel, dass die Fehleranfälligkeit international eng verwobener Lieferketten klar darstellt. Das Ereignis ließe sich nicht vorhersehen. Doch was können Unternehmen tun, um die Auswirkungen auf die Produktion, den Verkauf oder geplanter Kampagnen zu minimieren? Hier einige Beispiele.

1. Sichtbarkeit durch alle Ebenen des Unternehmensnetzwerks

In einer globalen und komplexen Lieferkette ist Einsicht in alle Aspekte notwendig. Unternehmen müssen in der Lage sein, jederzeit – und besonders in der Krise – die folgenden Fragen zu beantworten:
• Welche Materialien und Waren sind gefährdet?
• Welche alternativen Bezugsquellen für wichtige Ressourcen und Produkte gibt es?
• Wo befinden sich die Bestände?
• Welche Sendungen sind betroffen?
• Welche Auswirkungen hat eine Verzögerung oder Unterbrechung auf die geplante Produktion, Kundenaufträge und laufende Kampagnen?

2. Agilität, um Veränderung zu erkennen, vorherzusagen und auf Veränderungen zu reagieren

Sobald ein Risiko identifiziert wurde, müssen sie die beste Vorgehensweise abschätzen und in kurzer Zeit handeln. Beispiele hierfür sind:

  • Umleitung von Sendungen im Transit
  • Identifizierung und Wechsel zu alternativen Lieferanten
  • Identifizierung alternativer Logistikarten und -routen
  • Zusammenarbeit mit Handelspartnern, um alternative Materialien, Produkte und Logistikkapazitäten zu identifizieren
  • Anpassung der Produktion, um auf nicht verfügbare Materialien zu reagieren

3. Widerstandsfähigkeit, um Risiken künftig zu minimieren und abzuschwächen

Es ist auch wichtig, die Lieferkette so zu gestalten, dass sie Unterbrechungen standhält und auf Geschäftsmöglichkeiten reagieren kann. Es ist daher notwendig, Prozesse und Pläne zu entwickeln, um Risikomanagement- und Business-Continuity-Strategien für die Lieferkette zu definieren und zu implementieren.

  • Diversifizierung der Lieferketten aus geografischer Sicht. Damit reduzieren sich die Risiken auf der Lieferantenseite eines einzelnen Landes oder einer Region
  • Multi-Sourcing wertvoller Rohstoffe oder strategischer Komponenten, damit sich die Abhängigkeit von einem einzigen Lieferanten minimiert
  • Eine Strategie zur Bestandsoptimierung im gesamten Unternehmensnetzwerk einführen, um Unterbrechungen zu vermeiden
  • Ausgewogene Strategie für Shoring, Near-Shoring und On-Shoring

Das Suez-Kanal-Ereignis wird nicht die letzte Lieferketten-Störung sein

Unerwartete Unterbrechungen werden zweifelsohne weiterhin auftreten. Die Ursache dafür wird je nach Ereignis variieren – dazu gehören beispielsweise Pandemien, geopolitische oder Handelskonflikte, aber auch Naturkatastrophen, die begrenzte Verfügbarkeit natürlicher Ressourcen oder eben ein blockierter Kanal. Mehr denn je müssen Lieferketten widerstandsfähig und agil sein, um in der aktuellen globalen Umgebung zu überleben, und gleichzeitig die vorausschauende Intelligenz und Transparenz aufweisen, um im neuen Normalzustand zu gedeihen.

Lesen Sie auch: Risiko-Management: Was tun, wenn Lieferketten abreißen?

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