08.11.2021 – Kategorie: Branchen

Start-Up-Ökosystem: Auf die richtige Vernetzung kommt es an

Start-Up-ÖkosystemQuelle: VDC

Neue VR/AR-Technologien für den Massenmarkt bieten hohe Potentiale für Innovationen und Unternehmensgründungen auch mit geringem Kapital. Jedoch ist gerade zu Beginn für Start-ups eine gute Vernetzung wichtig.

Die aktuelle VR/AR-Gründerszene ist bis dato unzureichend mit den etablierten Akteuren und Industrieunternehmen im Bereich VR/AR vernetzt. Es ist eine neue Herausforderung und Chance für gegenseitigen wirtschaftlichen Nutzen aller Beteiligten, etablierte und neue Akteure in einem Netzwerk, einem Start-Up-Ökosystem, zusammenzubringen.

Start-Up-Ökosystem: Die Schnittmenge wächst

Jedoch unterscheiden sich die Kulturen in den etablierten Bereichen und bei Start-Ups unter anderem hinsichtlich wirtschaftlicher Randbedingungen, verfügbarer Ressourcen, Agilität der Unternehmen und ihrer Prozesse, der Entwicklungsgeschwindigkeit, der Kommunikation und auch der Arbeitsformen und typischen Kooperationsstile.

Die Zusammenarbeit zwischen etablierten Unternehmen und Start-Ups liegt über alle Wirtschaftsbranchen hinweg eindeutig im Trend. Das hat sich in den zurückliegenden Jahren gezeigt. Die meisten Großunternehmen haben dies längst erkannt und sich in verschiedensten Konstellationen für die Kooperation aufgestellt. Beim Mittelstand ergibt sich hingegen eine Situation, die im Vergleich zu den Aktivitäten der Großunternehmen, von größerer Zurückhaltung geprägt ist. Jedoch zeigt sich auch hier im Vergleich zu früheren Tagen, etwa über mehrere Befragungen des RKW Rationalisierungs- und Innovationszentrums der Deutschen Wirtschaft e.V. hinweg, dass der Trend hin in Richtung stärkerer Kooperation geht (siehe insbesondere [4]).

Es scheint sich also für beide Seiten, für die etablierten Unternehmen als auch für die StartUps zu lohnen, zusammenzuarbeiten. Aber es gilt dennoch: Systematische Kooperation gibt es nicht zum Nulltarif; eine sinnvolle, zielgerichtete Zusammenarbeit will zumindest in Grundzügen geplant und budgetiert sein.

So binden Cluster Start-Ups mit ein

Kooperationen zwischen StartUps und etablierten Unternehmen lohnen sich, und zwar fast immer für beide Seiten, ohne Beschränkung auf spezielle Branchen. Die Zahlen zum Nutzennachweis (siehe [1,2,4) sind keine Wunschziffern, sondern erhobene Realität. Es ist die Aufgabe von Clustern und insbesondere deren Management, sich selbst dieser Potenziale zu vergewissern und die Netzwerkmitglieder mit Fakten zu überzeugen. Die Kooperationsbilanz erscheint aber asymmetrisch und ungleich verteilt zu sein.

Clustermanagements müssen die Zielgruppen also unterschiedlich ansprechen und motivieren. Die erzielbaren Vorteile sind sehr breit gefächert. Es ist für alle Seiten sinnvoll, Kooperationsziele zu definieren sowie die Kooperationen daran auszurichten und auch daran zu messen. Clustermanagements können diesen Prozess vorbereiten und moderieren – sowie ihre Netzwerkmitglieder dabei konstruktiv begleiten. (siehe [3])

Speziell für StartUps können VR/AR-Clusterinitiativen einiges bieten: Dazu zählen Ressourcen wie teure Hardware, Software sowie Werkstätten, Informationen wie Kontaktdatenbanken, Marktstudien, Normen sowie Richtlinien, Kontakte wie prospektive Kunden, Tester, Mentoren sowie Netzwerke, Finanzierung, etwa durch Fördermittelberatung sowie Förderdatenbanken, Öffentlichkeitsarbeit, etwa durch Einbindung in Presse- und Social-Media-Aktivitäten des Netzwerks, Verteiler sowie redaktionelle Hilfestellungen oder ein Leumund etwa durch Empfehlung an Referenzkunden. (siehe [3])

Start-Up-Ökosystem
Etablierte Unternehmen unterscheiden sich in der Regel stark von Start-ups – wie kann die Kooperation trotzdem gelingen? Bild: VDC

Innovationsplattform als Start-Up-Ökosystem

Zur nachhaltigen Verknüpfung von VR/AR-Start-Ups und etablierten Unternehmen hat das Virtual Dimension Center vor Kurzem die Initiative XR Start-Up Connect gestartet. Das ist eine Innovationsplattform für alle Start-Ups, Investoren und Unternehmen im Bereich der Virtual & Augmented Reality sowie des Virtuellen Engineerings.

Im Rahmen der Initiative wird das VDC nun Start-Ups, etablierte Unternehmen, Inkubatoren und andere Stakeholder in einem Start-Up-Ökosystem vernetzen. Den Gründern wird es ermöglicht, eigene Leistungen, Produkte und Bedarfe anzuzeigen oder auch geeignete Forschungs- und Investitions- sowie Technologiepartner zu finden. Auf der anderen Seite erhalten Investoren einen Überblick aller auf der Plattform angemeldeten VR/AR-Start-Ups und – bei Interesse – die Möglichkeit zur direkten Kontaktaufnahme. Bereits etablierte Unternehmen können sich auf der Plattform über potentielle Lösungspartner informieren, Trends identifizieren und Kontakt zu passenden Partnern aufnehmen.

KickOff mit 25 Start-Ups

XR Start-Up Connect lädt explizit alle Akteure im VR/AR-Start-Up-Umfeld dazu ein, sich kennenzulernen und gemeinsame Projekte und Pläne umzusetzen. Und die Plattform kann noch mehr: Wie das VDC mit seiner Kick-Off-Veranstaltung am 3. März demonstrierte, lassen sich auf der Plattform auch problemlos Veranstaltungen durchführen. Bei der Einführungsveranstaltung stellten sich 25 deutsche VR/AR-Start-Ups dem anwesenden Publikum (einer Mischung aus anderen Start-Ups, Investoren wie auch Unternehmen) vor und kamen in den gegenseitigen Austausch. Die Präsentationen erfolgten in zwei parallelen Tracks, die wiederum auf der XR Start-Up Connect integriert waren. Für die Teilnehmer war es demnach ein Leichtes, zwischen den Präsentationen hin- und herzuspringen, ohne die Plattform verlassen zu müssen. Knapp 100 Interessierte nahmen an der Veranstaltung teil und lernten die Plattform durch das Event besser kennen.

Nach dieser Einführungsveranstaltung wurden beim nächsten Event am 30. März auch internationale VR/AR-Start-Ups, Unternehmen, Investoren und andere Stakeholder auf der Plattform begrüßt. Auch auf der kommenden Hausmesse des VDCs – der XR Expo / XR Week – die in diesem Jahr hybrid vom 17. bis 21. Mai 2021 stattfindet, nehmen XR-Start-Ups aufgrund des großen allgemeinen Interesses entsprechenden Raum ein.

Start-Up-Ökosystem: Erfolgsfaktoren der Kooperation

Zusammenfassend lassen sich einige Erfolgsfaktoren für eine gelungene Kooperation zwischen Startups und etablierten Unternehmen ausmachen: so sind gute Selektionskriterien bei der Auswahl des Partners festzulegen, aber auch Wechseloptionen offenzuhalten. Kulturelle Unterschiede werden stets vorhanden sein und sind damit zu akzeptieren. Man sollte Brückenbauer, also passendes Personal, bereitstellen. Messbare Ziele der Kooperation sind zu setzen und zu überprüfen. Auch braucht die Partner Offenheit und die Bereitschaft zu scheitern: Fehler gehören hier zum Lernprozess.

Das VDC lädt zurzeit zahlreiche internationale XR-Start-Ups auf die Plattform XR StartUp Connect ein. Auf diesem Hub wird also künftig auch außerhalb von Veranstaltungen viel zu sehen sein. Das gesamte Vorhaben wird durch das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg unterstützt.

Der Autor Prof. Dr. Christoph Runde ist Geschäftsführer des Virtual Dimension Center (VDC). Autorin Denise Eich verantwortet die Öffentlichkeitsarbeit des VDC.

[1] Becker, W.; Ulrich, P.; Botzkowski, T.; Fibitz, A.; Stradtmann, M.: Kooperationen
zwischen Mittelstand und Startup-Unternehmen.
Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, Wiesbaden: 2018

[2] Meyer, Lutz: Shake it up. Kooperationen zwischen Mittelstand und StartUps.
Erschienen in der Reihe: Erfolgsfaktoren im Mittelstand.
Deloitte Deutschland GmbH, Düsseldorf: März 2017

[3] Runde, Christoph: Applikationszentrum V/AR Bericht #3: Startup-Forum.
Handlungsempfehlungen an XR-Cluster-Managements zur Einbindung von StartUps.
Virtual Dimension Center: 7.7.2020

[4] Wallisch, M.; Hemeda, A.: Studie Mittelstand meets StartUps 2018. Potenziale der
Zusammenarbeit. RKW Rationalisierungs- und Innovationszentrum der Deutschen
Wirtschaft e. V. RKW Kompetenzzentrum, Eschborn: April 2018

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