So gelingt die digitale Transformation

Viele Fertigungsunternehmen sind noch weit von der Smart Factory entfernt. Wollen sie den Weg zur intelligenten Fabrik zielsicher und schnell beschreiten, sollten sie einige Schlüsselaspekte beachten. Keineswegs geht es dabei immer um Technologie. von Stefan Issing

Für Fertigungsunternehmen heißt digitale Transformation vor allem die Umwandlung in eine Smart Factory. In einer intelligenten Fabrik – so das Ziel – passen sich miteinander vernetzte Roboter, Geräte und Maschinen autonom an neue Anforderungen an und organisieren selbstständig ganze Produktionsprozesse. Für die meisten Fertigungsunternehmen liegt diese Smart Factory allerdings noch in weiter Ferne. Beachten sie einige Schlüsselaspekte, können sie den Weg dorthin schnell und zielgerichtet beschreiten.

Geschäftsnutzen im Blick

Zunächst ist es ganz entscheidend, einen Business-First-Ansatz zu verfolgen. Geschäftsführer, Abteilungsleiter und Projektmanager dürfen eine Smart-Factory-Initiative nicht einfach nur angehen, um Kunden oder Investoren sagen zu können, dass es jetzt losgeht mit der Digitalisierung.

Ziel sollte vielmehr ein konkreter Geschäftsnutzen sein: das Erzielen besserer Ergebnisse, die zukunftsfähige Gestaltung des eigenen Business oder eine gesteigerte Wertschöpfung aus den Produktionsanlagen und dem kompletten Ecosystem beispielweise. Um das zu erreichen, muss die Smart Factory als integraler Bestandteil einer breiter vernetzten Landschaft aus Informationstechnologie (IT) und Operational Technology (OT) betrachtet werden.

Das Bindeglied zwischen Informationstechnologie (IT) und Operational Technology (OT) ist dabei das Internet of Things (IoT). Es vernetzt die physischen mit den digitalen Komponenten und schafft damit die Grundvoraussetzung für eine intelligente Fabrik. Dem stehen bei vielen Fertigungsunternehmen aber noch veraltete Maschinen im Weg. Für die Transformation zur Smart Factory ist es deshalb unerlässlich, die Maschinen zu modernisieren, sprich: IoT-fähig zu machen. Häufig ist dies bereits durch eine Nachrüstung realisierbar, bei der vorhandene Maschinen nachträglich mit IoT-fähigen Sensoren ausgestattet werden. Lassen sich veraltete Maschinen aber nicht auf diesem Wege für das Internet of Things nutzbar machen, sollten sie, wann immer möglich, gegen neue, von Haus aus IoT-fähige Maschinen ausgetauscht werden.

Servitization nicht vernachlässigen

Über die intelligente Automatisierung der Fertigung hinaus bietet das IoT auch die Chance, die eigenen Geschäftsaktivitäten weiter auszubauen. So ermöglicht diese Technologie Fertigungsunternehmen neue Services und neue, verbrauchsorientierte Geschäftsmodelle. Ihre Kunden kaufen dann beispielsweise gar keine Maschinen mehr bei ihnen, sondern bezahlen lediglich für ihre konkrete Nutzung.

Diese „Servitization“ ihres Geschäfts sollten Fertigungsunternehmen nicht vernachlässigen. Der wachsende Wettbewerbsdruck und die steigenden Kundenerwartungen machen sie immer mehr zu einem Muss.

Eine Studie von IFS zum Stand der Digitalisierung in der Fertigungsbranche deutet allerdings darauf hin, dass deutsche Fertigungsunternehmen in der Breite hier noch Nachholbedarf haben. Zwar gab immerhin ein knappes Drittel der befragten deutschen Unternehmen an, dass die Servitization bei ihnen bereits fest etabliert ist und auch schon Dividende abwirft; weltweit gesehen ist das nur bei knapp einem Viertel der Fertigungsunternehmen der Fall. Die Hälfte der deutschen Unternehmen muss der Studie zufolge aber erst noch eine Wertschöpfungsmöglichkeit aus der Servitization für sich ableiten. Weltweit gilt das nur für ein knappes Drittel.

Mitarbeiter vorbereiten

Eine weitere entscheidende Aufgabe bei der Transformation zur Smart Factory ist die Vorbereitung der Mitarbeiter auf den anstehenden Wandel. Auch wenn sich das Aussehen der Fertigungshallen in den kommenden Jahren grundlegend verändern wird: eine Sache wird gleichbleiben: Die wichtigste Ressource wird auch weiterhin der Mensch sein. Allerdings werden die Mitarbeiter in der Smart Factory ganz andere Aufgaben wahrnehmen als noch heute.

So werden wegen der deutlich erhöhten Automatisierung künftig erheblich weniger manuelle Eingriffe in die Produktionsabläufe erforderlich sein. Führt die Planung eines Fertigungsunternehmens heute in der Regel meist noch die Produktionsleitung durch, nehmen in Zukunft die sich selbst organisierenden Produktionseinheiten nur noch aufgrund externer Impulse die Arbeit auf. Der Mensch spielt dabei nur noch für Monitoring-Aufgaben eine Rolle. Aufgabe der Mitarbeiter wird es also vor allem sein, die automatisierten Prozesse aufmerksam zu überwachen und zu wissen, wann sie eingreifen müssen.

Das stellt ganz neue Anforderungen hinsichtlich Komplexitätsverständnis, Problemlösungskompetenz und Flexibilität an sie. Ihre entsprechende Fortbildung ist deshalb eine große, aber unerlässliche Aufgabe auf dem Weg zur intelligenten Fabrik.

Klein anfangen und dann skalieren

Für den konkreten Einstieg in die Smart Factory gilt: am besten klein anfangen und dann skalieren. Fertigungsunternehmen sollten zunächst gezielt in kleinere ausgewählte Projekte investieren, die dann bei Erfolg inkrementell ausgebaut werden. So können sie häufig bereits Wertschöpfung erzielen und Wachstum schaffen, indem sie eine einzelne Maschine an das IoT anbinden und neue Prozesse und Technologien um sie herum testen. Spezielle Zentren können ihnen dabei helfen, ihre Konzepte in sicheren und beherrschbaren Umgebungen auszuprobieren.

Digitalisierung im Alltagsdruck

Unternehmen spüren branchenübergreifend einen hohen Digitalisierungsdruck. Fertigungsunternehmen haben es dabei aber noch mit einer zusätzlichen Herausforderung zu tun. Steht ihre Produktion nur einen Tag still, kann das erhebliche negative Auswirkungen haben, bis hin zu Millionenverlusten. Deshalb ist es wichtig, dass sie bei der Transformation zur Smart Factory einen Schritt nach dem anderen gehen. Experten können ihnen dabei helfen, harmonische, automatisierte und belastbare Lösungen zu implementieren, um die Geschäftsziele zu erreichen, die sie mit der intelligenten Fabrik verfolgen. jbi


Autor: Stefan Issing ist Global Automotive Industry Director beim Business-Software-Anbieter IFS.

  • IFS-Studie zur Digitalisierung in Fertigungsunternehmen: In der Breite hinken deutsche Fertigungsunternehmen bei der Servitization hinterher. Bild: IFS
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