Es gibt viele Szenarien, in denen Schwingungen und Vibrationen erfasst und überwacht werden müssen, um Schäden frühzeitig zu erkennen oder Fehlerursachen zu finden. Ein Gebiet dabei ist die Energieversorgung. Ein für den Außeneinsatz ausgelegtes Laser-Doppler-Vibrometer ermöglicht jetzt die berührungslose Schwingungsmessung aus bis zu 300 Metern Entfernung, selbst eher ungünstigen Umgebungsbedingungen.
Ein neues für den Außeneinsatz ausgelegtes Laser-Doppler-Vibrometer ermöglicht jetzt die berührungslose Schwingungsmessung und Condition Monitoring aus bis zu 300 m Entfernung.
(Bild: Polytec)
Die Laser-Doppler-Vibrometrie ist ein sehr robustes, berührungsloses Messverfahren, das sich für ganz unterschiedliche Struktur- und Schwingungsmessungen bewährt hat. Es bietet vor allem dann Vorteile, wenn Sensorik sich nur sehr aufwendig anbringen und verkabeln lässt oder der Zugang zu den Messstellen gefährlich oder gar nicht möglich wäre. Manchmal sind die Einsatzbedingungen aber selbst für die Laservibrometer schwierig.
Bessere Signalqualität bei der Schwingungsmessung
Die Signalqualität einer Laservibrometer-Messung ist immer von der Intensität des zurückgestreuten Lichts abhängig. Die Oberfläche des Messobjekts bestimmt die räumliche Verteilung des reflektierten Lichts und damit die Güte der Informationen, die der Photodetektor an seiner Position im Raum erhält. Sie bestimmt demzufolge auch, auf welchen Oberflächen gemessen werden kann und ist verantwortlich für das Signal-Rausch-Verhältnis und den möglichen Messabstand.
Auf einer optisch glatten Oberfläche wird das reflektierte Laserlicht verlustfrei zum Photodetektor im Sensor zurückgeführt. Bei Brücken, Bauwerken, Gleis- und Industrieanlagen oder ähnlichem sind die Oberflächen meist optisch rau oder auch verschmutzt. Diese technischen Oberflächen streuen das Laserlicht diffus, sodass durch das entstehende Speckle-Muster auf der Oberfläche die Lichtintensität zeitweise völlig einbrechen kann. Diese Effekte können bei optischen Messungen zu breitbandigem Rauschen und unerwünschten Signalaussetzern führen.
Vorbereitungszeit für Messungen verkürzt sich
Um die Messqualität und den Messabstand bei Strukturprüfungen im Outdoorbereich zu erhöhen, hat Polytec aufgrund langjähriger und intensiver Erfahrungen mit Schwingungsmesstechnik im Feld das VibroFlex Range entwickelt. Seine patentierte Qtec nutzt jedes Photon und sorgt damit für höchste Signalqualität insbesondere bei Messungen aus großer Entfernung und auf unkooperativen Oberflächen. Damit erhält man auch bei eher schlecht reflektierenden Oberflächen gute Messdaten mit einem 20 dB besseren Rauschverhältnis als bei konventioneller Technik.
Bei strukturdynamischen Untersuchungen an Brücken werden Verschiebungen und Eigenfrequenzen zeit- und kosteneffizient erfasst.
(Bild: Polytec)
Außerdem müssen kritische Objektoberflächen nicht zwangsläufig vorbehandelt werden. Dadurch verkürzt sich die Vorbereitungszeit für Messungen, gleichzeitig ist die höhere optische Empfindlichkeit der Schlüssel zu mehr Datenqualität und schnelleren Messergebnissen, weil Mittelungen nicht mehr notwendig sind. Davon profitieren Anwender sowohl bei Struktur- und Zustandsüberwachungen als auch bei der Validierung von Simulationsmodellen.
Zuverlässige Präzisionsmesstechnik im Feld
Für die Umgebungsbedingungen im Feldeinsatz ist das VibroFlex Range bestens gerüstet. Der robuste Messkopf ist gegen Staub und Sprühwasser geschützt (IP63) und schnell auf dem soliden Stativ montiert. Zunächst wird der Messpunkt grob mit dem Getriebeneiger über das Zielfernrohr anvisiert. Anschließend lässt sich der Laserstrahl mit Hilfe des Feinverstellers über das Kamerabild der integrierten koaxialen Full HD Kamera mit Zielkreuz punktgenau ausrichten. Das funktioniert selbst unter schwierigen Bedingungen bei filigranen Objekten in großer Entfernung, denn auf dem scharfen Videobild ist das Zielkreuz gut zu sehen, selbst wenn der Lasermesspunkt beispielsweise bei starker Sonneneinstrahlung nicht sichtbar ist.
Mensch ist außerhalb des Gefahrenbereichs bei Schwingungsmessung
Da sich mit dem Laservibrometer Schwinggeschwindigkeit, Schwingweg und Beschleunigung mikrometergenau aus der Ferne erfassen lassen, ist das Einsatzgebiet breit gefächert. Anwendungsbereiche finden sich immer dort, wo das Einrichten von Messtellen einen hohen Aufwand erfordert oder der Zugang zum Messpunkt schwierig oder sogar gefährlich ist. Überall, wo keine feste Sensorik montiert werden kann, lassen sich damit technische Komponenten periodisch und berührungslos aus der Distanz überprüfen, etwa im Rahmen eines zustandsorientierten Wartungsplans. Beispiele finden sich bei Pumpen und Rohrleitungen ebenso wie bei Hochspannungskomponenten oder heißen Oberflächen, zum Beispiel bei Öfen. Kabelgebundene Sensorik käme mit den hohen Temperaturen nicht zurecht. Durch die weite Messdistanz kann sich der Mensch zudem außerhalb des Gefahrenbereichs aufhalten. Bei Störungen, die durch Schwingungen oder Vibrationen entstehen, lassen sich die Ursachen aus der Ferne untersuchen, Fehler können schneller lokalisiert und behoben werden.
Stand: 16.12.2025
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Prüfungen unter Last ebenfalls möglich
Bei der strukturdynamischen Überwachung von Brücken, Gebäuden und Tragwerken können Laservibrometer Verschiebungen, Durchbiegungen und Eigenfrequenzen zur zerstörungsfreien Überprüfung schnell und kosteneffizient erfassen. Dazu müssen keine Dehnungsmesstreifen auf zuvor aufwendig behandelten Konstruktionsteilen aufgebracht und anschließend noch verkabelt werden.
Bei diesem Laservibrometer verbessert die patentierte QTec-Technologie das Signal-Rausch-Verhältnis bei Schwingungsmessungen signifikant.
(Bild: Polytec)
Prüfungen unter Last sind ebenfalls einfach möglich, beispielsweise um zu überprüfen, wie sich die Konstruktion verhält, wenn schwere Fahrzeuge oder Züge auf Brücken abbremsen. Das berührungslose Verfahren eignet sich aber auch für ganz andere Bereiche, zum Beispiel für denkmalgeschützte Objekte, deren Oberflächen nicht manipuliert werden dürfen.
Die Autoren Frank Schmälzle und Martin Beck sind Produktmanager bei der Polytec GmbH und Ellen-Christine Reiff, M.A., arbeitet im Redaktionsbüro Stutensee.