Risiko-Management: Was tun, wenn Lieferketten abreißen?

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Die Corona-Pandemie war nicht die erste Katastrophe, die Lieferketten gestört hat, aber vermutlich das umfassendste Ereignis dieser Art. Was können wir daraus lernen?
Risiko-Management: Was tun, wenn Lieferketten abreißen?

Quelle: Orlowski Designs LLC/Shutterstock

Filigrane Lieferketten: Auch deutsche Bänder stehen still, wenn fehlende Komponenten wie Sensoren, ICs, Leiterplatten oder LEDs aus China oder anderen Drittländern sich nicht in der heiß erwarteten Lieferung befinden. In der Corona-Pandemie ist dieses Szenario der Alltag vieler produzierender Unternehmen.
Welche Auswirkungen haben schwache Lieferketten, welche Teile fehlen und welche sind besonders wichtig? Und vor allem: Wie kann man künftige Engpässe verhindern und sich als Unternehmen krisensicherer aufstellen? Wir haben mit Christian Reinwald, Head of Product Management & Marketing bei reichelt elektronik, über dieses Thema gesprochen.

Digital Engineering Magazin (DEM): Herr Reinwald, welche Bedeutung haben die von Ausfällen betroffenen Komponenten für die Elektronik? Wie hoch ist der Anteil am Endprodukt?

Reinwald
„Jedes fehlende Teil kann Produktionen lahmlegen.“, Christian Reinwald, Head of Product Management & Marketing bei reichelt elektronik.

Christian Reinwald: Die Anteile am Endprodukt sind schwer zu bemessen und auch meist nicht entscheidend. Um zumindest eine, mir bekannte Größenordnung zu nennen: In einem durchschnittlichen PKW, stecken durchschnittlich Elektronik-Bauteile für rund 400 US-Dollar, im Vergleich zu einem durchschnittlichen Materialwert von etwa 18.000 US-Dollar des PKW. Es sind sicher nicht alle Bauteile bei den 400 US-Dollar von Engpässen betroffen. Aber grundsätzlich ist es immer ein Problem, wenn Bauteile nicht verfügbar sind, da es zu Verzögerungen und damit zu empfindlichen Verlusten kommen kann. Besonders im Bereich Halbleiter, die für die Autoindustrie unverzichtbar sind. Aber auch in vielen anderen Industrien wie etwa Consumer Electronics kann jedes fehlende Teil wehtun und Unternehmen spüren die aktuellen Lieferengpässe teils deutlich. Es scheint teils sogar, einen möglichen direkten Zusammenhang zur Pandemie-Lage zu geben: Wir verzeichnen beispielsweise Engpässe bei Mikrocontrollern, aber auch bei bestimmten Sensoren für die Erfassung von Luftqualität und CO2.

DEM: Besteht die Möglichkeit, bei schwächelnden globalen Lieferketten, zumindest kurzfristig auf heimische Komponenten auszuweichen?

Reinwald: Die Produktion von Bauteilen wie etwa Halbleitern ist komplex und umfasst oft eine Vielzahl von Arbeitsschritten. Gerade wenn es um die Herstellung großer Mengen geht, so sind unsere Produktionsstätten und -möglichkeiten nicht auf diese Stückzahlen ausgerichtet. Heimische Hersteller haben bereits ihre Produktion hochgefahren und werden ihre Kapazitäten weiter ausbauen, doch die Nachfrage übersteigt hier das Angebot.

DEM: Wie sieht die Situation der Distributoren aus? Was können diese tun, um Kunden weiterhin mit kritischen Komponenten versorgen zu können?

Reinwald: Für Distributoren ist es essenziell, sich in Bezug auf ihre Zulieferer möglichst breit aufzustellen, um einzelne Lieferausfälle ausgleichen zu können. Das bedeutet für ihre interne Organisation, dass sie für nahtlos ineinandergreifende und effiziente Prozesse bei der Bestellung von Waren und Überwachung der Bestände sorgen müssen. Die Umsätze der Distributoren sind laut FBDI im vergangenen Jahr um rund 15 Prozent eingebrochen. Die jeweilige Situation hängt sehr stark davon ab, wie der Distributor aufgestellt ist und wie nachhaltig er Sicherheitsbestände erhöht hat.

DEM: Sicherheitsbestände mögen ja in der akuten Krise ein probates Mittel sein – was können Unternehmen für die Zukunft lernen – um grundsätzlich besser auf anreißende Lieferketten reagieren zu können?

Reinwald: Das Stichwort lautet Risiko- und Obsolescence-Management: Nach einer Risikoabwägung, die ähnliche Szenarien miteinberechnen muss, wie es Versicherungen tun, müssen sich die Unternehmen generell entscheiden, welchen Risiken sie bereit sind, sich auszusetzen. Kommt es dann zu Situationen wie der, die Anfang Februar in allen Nachrichten zu lesen und hören war, dass der Weltmarkt der Halbleiter für die Autoindustrie quasi leergefegt ist, dürfen sich die Akteure eigentlich nicht beschweren. Sie haben im letzten Jahr ihre Bestellungen bewusst strikt kostenoptimiert und sehr zurückhaltend platziert. Wie sich nun herausstellt, keine kluge Entscheidung vor dem Hintergrund einer nicht berechenbaren Pandemie.
Für Unternehmen, die auf Bauteile aus dem Ausland angewiesen sind, geht es darum, eine gute Balance zu finden. Bereits zu Beginn der Pandemie – vor einem Jahr – haben wir unseren Kunden geraten, die Lagerbestände für kritische Komponenten zu erhöhen, da es im weiteren Verlauf zu Lieferschwierigkeiten kommen könnte. Das hat sich bewahrheitet. Hamsterkäufe hingegen sind nicht sinnvoll, da sie die Preise auf dem Markt in die Höhe treiben.Wir gehen davon aus, dass es noch einige Zeit immer wieder zu einzelnen Engpässen in der gesamten Lieferkette kommen kann. Alle Engpässe kristallisieren sich erst zeitverzögert heraus. Deshalb ist eines aktuell essentiell: Die Lagerbestände für die wichtigsten Bauteile um ein vernünftiges Maß zu erhöhen, ist für uns die beste Strategie. Wir haben es hier sicher mit einer Ausnahmesituation zu tun.

DEM: Wie behalten Unternehmen beziehungsweise Distributoren den Überblick über ihr Komponentenlager? Welche Lösung setzt Reichelt ein?

Reinwald: Reichelt arbeitet mit einer eigenen Lösung, um alle Prozesse rund um Warenbeschaffung und Bestandsüberwachung im Blick zu behalten. Wir nutzen in der Warenbeschaffung ein ausgereiftes, vollelektronisches System, das auf eine breite Zulieferbasis baut, um Waren zum besten Preis einzukaufen. In Verbindung mit der gezielten Erhöhung von Sicherheitsbeständen hat uns das große Vorteile verschafft: Wir konnten knapp gewordene Komponenten dennoch zu einem wettbewerbsfähigen Preis anbieten.

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