04.10.2021 – Kategorie: Hardware & IT

RFID-Technologie im Dialysezentrum: Hohe Prozesssicherheit garantiert!

RFID-TechnologieQuelle: crystal light/shutterstock
Eine Maschine zur Herstellung von Dialysekonzentraten setzt auf ein cleveres Konzept, das Prozesse nicht nur sicherer macht, sondern Anwendern auch die Arbeit erleichtert. RFID (radio-frequency identification) spielt dabei eine Schlüsselrolle.

RFID-Technologie: Nieren haben für Menschen eine lebenswichtige Funktion. Einfach ausgedrückt, filtern die paarig angeordneten Organe überschüssiges Wasser und Giftstoffe aus dem Blut. Das gereinigte Blut wird an den Organismus zurückgegeben, die Giftstoffe ausgeschieden. Bei Patienten mit chronischem oder akutem Nierenversagen kann die Niere das Blut nicht mehr reinigen. Während diese Menschen oft viele Jahre auf eine Spenderniere zur Transplantation warten, wird in der regelmäßigen Dialyse ihr Blut gereinigt.

RFID-Technologie im lebenswichtigen Einsatz

Mehr als 160 verschiedene Rezepturen für Dialysekonzentrate sind derzeit in Deutschland verbreitet. Intermedt Medizin & Technik stellt derzeit nahezu jedes dieser Konzentrate am Standort im ostfriesischen Ostrhauderfehn als Trockenkonzentrat her. Dieses wird an Dialysezentren ausgeliefert und dort mit Osmosewasser passend zum gewünschten Dialysekonzentrat gemischt.

Die ECOMix Revolution ist die zweite, weiterentwickelte Maschinen-Generation der ostfriesischen Medizintechniker zur vollautomatischen Herstellung von Dialysekonzentraten für die Blutwäsche direkt in der Dialyseeinrichtung. Der Hersteller produziert die Geräte in hoher Fertigungstiefe am ostfriesischen Standort. Ebenso sein Trockenkonzentrat, das aus zugelieferten Komponenten zertifizierter Lieferanten nach vorgegebenen Rezepturen in Pharmaqualität gemischt wird.

Damit von der Bestellung über die Lieferung bis hin zur Mischung mit Osmosewasser und schließlich der Anwendung am Patienten nichts schiefgeht, sind durchdachte Prozesse und eine zuverlässige Dokumentation notwendig. Die erste Maschinengeneration setzte dazu auf Laserscanner und entsprechende Codes. In der weiterentwickelten Variante kommt nun ein Hochfrequenz-RFID-System aus dem Hause Contrinex zum Einsatz. Damit lässt sich der Prozess weiter vereinfachen, durchgängig dokumentieren und gleichzeitig die Prozesssicherheit deutlich erhöhen.

Informationen per RFID austauschen

Beim Bestelleingang für Trockenkonzentrat werden alle notwendigen Daten im System des Herstellers erfasst und an die Produktion weitergeleitet. Entsprechend dieser Vorgaben stellt man nach der passenden Rezeptur das Trockenkonzentrat her und füllt es in spezielle Behälter, den ECOCarts.

Direkt bei der Befüllung wird der in den Behältern fest integrierte RFID-Hochfrequenz-Tag des Typs RTP-0090-020 (9 mm Durchmesser) mit dem RFID-Hochfrequenz-Schreib-Lesekopf RLS-1183-020 (18 mm Durchmesser) „beschrieben“. Der Tag speichert die Rezeptur, aber auch weitere Informationen, zum Beispiel wieviel Osmosewasser man beim Anwender zugeben muss, um die endgültige Dialyse­lösung zu erhalten.

Zur Herstellung der Dialyseflüssigkeit schließt man den Behälter mit dem Trockenkonzentrat beim Anwender über spezielle Schnellkupplungen an das ECOMix-Revolution-System an. In einer der Kupplungen befindet sich ebenfalls ein RFID-Schreib-Lesekopf des Typs RLS-1183-020. Dieser liest alle relevanten Informationen aus dem Transponder aus und gibt Anweisung für das weitere Vorgehen. Im Normalfall werden die Inhaltsstoffe, der Bedarf an notwendigem Osmosewasser und weitere Details angezeigt.

RFID-Technologie
RFID-Tags und RFID-Schreib-Leseköpfe von Contrinex sorgen für sichere Prozesse.
Bild: Contrinex

Wenn es nicht normal läuft …

Üblicherweise kommen in einem Dialysezentrum zwei bis drei unterschiedliche Arten von Konzentraten zum Einsatz. Nach Mischung mit Osmosewasser wird das fertige Trockenkonzentrat in 860-Liter-Tanks gelagert. Intermedt empfiehlt für jede Sorte der Dialyseflüssigkeit zwei Vorrat-Tanks vorzusehen, um einen ununterbrochenen Betrieb zu ermöglichen. Wird nun aus Versehen das falsche Trockenkonzentrat geliefert, erkennt die Maschine bei der Kupplung, dass sie dafür keinen geeigneten Tank hat und verweigert den weiteren Prozess.

Ein anderer Fehler, der auftreten könnte: Ein bereits angeschlossener RFID-Tag wird noch einmal angeschlossen. Die Maschine erkennt das jedoch und bearbeitet die ECOCart nicht. Dadurch, dass man einen Tag nur einmal auslesen kann, lassen sich beispielsweise Befüllungen der Behälter durch nicht autorisierte Hersteller vermeiden.

Leere ECOCarts gehen zurück zu Intermedt und werden dort nach einschlägigen Vorgaben heiß gereinigt. Anschließend lassen sie sich wieder befüllen und die RFID-Tags neu beschreiben.

Da die leeren Behälter für das Trockenkonzentrat immer zum Hersteller zurückgehen, kann dieser in seinem System auch nachvollziehen, wenn einer beim Anwender im Lager in Vergessenheit gerät. Dipl.-Ing. Christoph Dumschat, Geschäftsführer und Gründer der Intermedt Medizin & Technik GmbH erklärt: „Grob gesagt hat das Trockenkonzentrat eine Haltbarkeit von einem Jahr. In der Regel bestellen unsere Kunden acht bis zehn ECOCarts auf einmal und verbrauchen diese innerhalb von zirka zwei Monaten. Gehen Neubestellungen bei uns ein, erkennt unser System, wenn noch nicht alle Trockenkonzentrat-Behälter aus vorhergehenden Chargen zurückgegangen sind und sich dem Verfallsdatum nähern. Dann weisen wir unsere Kunden darauf hin, noch einmal im Lager nachzuschauen und erst die alten Trockenkonzentrate aufzubrauchen. Das ist ein netter Nebeneffekt des durchgängigen Systems.“

RFID-Technologie
Mit dem ECOMix Revolution lassen sich Dialyse konzentrate vollautomatisch im Dialysezentrum herstellen. Bild: Intermedt

RFID-Technologie: Sicher und robust

Da Prozesssicherheit in der beschriebenen Anwendung eine wichtige Rolle spielt, war ein entsprechendes Passwortkonzept ein wesentliches Kriterium für die Wahl der geeigneten RFID-Technologie. Die RFID-Tags und RFID-Schreib-Lese-Köpfe von Contrinex, sowohl des HF- als auch des NF-Portfolios, bieten standardmäßig benutzerdefinierte Passwortschutzfunktionen und damit die geforderte Datensicherheit. Die Tags entsprechen bereits in der Basic-Variante der Schutzart IP67 und sind hitzebeständig bis 110 Grad Celsius. Damit überstehen sie die Heißreinigung der ECOCarts klaglos.

Zur Integration ins System von Intermedt war außerdem eine einfache Kommunikationslösung ohne zwischengeschalteten Bus gefragt. Dass gewählte RFID-System lässt sich über eine RS485-Schnittstelle programmieren. Contrinex stellt eine Dokumentation zur Nutzung des Protokolls zur Verfügung, so dass man die Schreib-Leseköpfe unkompliziert via RS485 ins System integrieren kann. Wie alle Schreib-Leseköpfe des HF-Systems sind auch die hier eingesetzten ISO/IEC-15693-konform. Neben diesen Vorteilen überzeugte den Anwender auch das gute Preis-Leistungs-Verhältnis der Lösung.

In der Praxis bewährt

Das mehrfach patentierte System zur automatischen Herstellung von Dialysekonzentraten vor Ort bringt etliche Vorteile. Da man nur das reine Trockenkonzentrat transportieren muss und das benötigte Wasser vor Ort beigemischt wird, ist die CO2-Emission gegenüber dem Transport der fertigen Mischung um rund 80 Prozent reduziert. Der Einsatz von RFID im Vergleich zum Laser-Scanner der Vorgängerversion erleichtert das Arbeiten, da der Zwischenschritt des Abscannens entfällt, und macht den Prozess zudem manipulationssicher.

Dumschat zeigt sich mit der eingesetzten RFID-Technologie zufrieden: „Anfangs waren die gute Performance und das Preis-Leistungs-Verhältnis für uns die überzeugenden Faktoren. Mittlerweile kommt dazu, dass sich Tags und Schreib-Leseköpfe in der Alltagspraxis als sehr zuverlässig erwiesen haben.“

Der Autor Dipl.-Ing. Norbert Matthes ist Technical Sales Manager bei Contrinex.

Lesen Sie auch: Fokus Simulationsprozesse: Workflows gestalten und Ressourcen skalieren


Teilen Sie die Meldung „RFID-Technologie im Dialysezentrum: Hohe Prozesssicherheit garantiert!“ mit Ihren Kontakten:


Scroll to Top