Prüffeld für Normprüfungen setzt auf wassergekühlte Lastmaschinen

Verantwortlicher Redakteur:in: Rainer Trummer 5 min Lesedauer

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Elektromotoren müssen vielfältige Prüfungen durchlaufen, um zum einen die Einhaltung geforderter Normen nachzuweisen und zum anderen gewisse Kriterien und Spezifikationen für bestimmte Einsatzzwecke zu erfüllen – ob im Automotive-­Bereich, im Schiffbau oder in industriellen Anwendungen. Elektromotorenhersteller BEN Buchele führt diese Prüfungen im hauseigenen Prüffeld mit drei Prüfständen sowohl für die Eigenentwicklungen als auch für Fremdfabrikate durch.

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Im Prüffeld von BEN Buchele befinden sich drei Prüfstände, einer davon mit Doppelbelegung. Drehstromsynchron- und Asynchron-Motoren mit einer mechanischen Leistung von 0,1 bis 300 Kilowatt können hier geprüft werden. Die Prüfleistung der vier Prüfstände beträgt 300, 100, 22 und 4 Kilowatt. Geprüft wird mit wassergekühlten Lastmaschinen, die in einem Prüfstand viele Vorteile bieten. Ein entscheidendes Argument für einen wassergekühlten Motor ist die geringere Geräuschentwicklung, die dem Wassermantel und dem fehlenden Lüfter geschuldet ist. Für Personen, die im Prüffeld arbeiten, wäre eine dauerhafte Lärmbelastung durch lüftergekühlte Motoren nicht zumutbar. Ein wassergekühlter Elektromotor ist um ein Vielfaches leiser als ein luftgekühlter. Auch für bestimmte Geräusch- und Schwingungsmessungen muss das Prüfumfeld geräuscharm sein.

Weniger Stillstand und Kosten dank Wartungseffekt

Aus Techniker-Sicht besonders vorteilhaft sind die geringen Service- und Wartungskosten eines wassergekühlten Motors, dessen Gehäuse bei Schmutzablagerungen keine besonderen Reinigungsprozesse benötigen. Ein Lüfter dagegen saugt Luft an, bläst sie weiter und sorgt dafür, dass Schmutz- und Restpartikel sich an der Außenseite des Gehäuses anhaften. Dadurch verschlechtert sich die Wärmebilanz des Motors, denn je dicker die Ablagerungsschicht ist, desto schlechter funktioniert die Ableitung der Temperatur. Staub auf dem Gehäuse ist bei einem wassergekühlten Motor dagegen unerheblich, da die Temperatur über den inneren Wassermantel abtransportiert wird. Auch in Prüfständen wie in der Automobilindustrie, die auf einen 24/7-Betrieb ausgerichtet sind, ist dieser Wartungseffekt, der zu geringeren Stillstandszeiten und Kosten führt, besonders vorteilhaft.

Prüffeld: Keine Abwärme im Prüfraum

Da in Prüfständen oft beengte Platzverhältnisse vorherrschen, überzeugt der wassergekühlte Motor hier mit einem geringen Einbauraum und einer Gewichtsersparnis dank kleinerer Baugröße und damit auch weniger Bauteilen. Auch der fehlende Lüfter sorgt für eine große Platzersparnis. Sowohl die Leistung als auch der Wirkungsgrad sind in der Regel höher als beim luftgekühlten Motor bei gleicher Baugröße. Dadurch ist der wassergekühlte Motor auch thermisch nicht so hoch belastet. Der Vorteil: Es gelangt keine Abwärme in den Prüfraum. Dazu Richard Kiesl, Betriebsleiter bei BEN Buchele: „Oberflächengekühlte Motoren können sich durchaus auf eine Oberflächentemperatur von 60 bis 70 Grad Celsius oder höher erwärmen und diese Abwärme an den Prüfraum abgeben. Für den Prüfling ist dies nachteilig, da er bei einer viel höheren Umgebungstemperatur geprüft wird und sich deutlich schneller erwärmt und das Ergebnis so verfälschen kann. Bei Tests in unserem Prüfstand erzielten die wassergekühlten Motoren selbst unter Volllast eine maximale Oberflächentemperatur von 35 Grad Celsius – nicht mehr als die Temperatur an einem warmen Sommertag.“

Per Infrarotkamera lassen sich kritische Wärmestellen am Motor sichtbar machen, die beispielsweise angrenzende Messinstrumente beeinträchtigen könnten.  ()
Per Infrarotkamera lassen sich kritische Wärmestellen am Motor sichtbar machen, die beispielsweise angrenzende Messinstrumente beeinträchtigen könnten.
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Kühlungsvariante effizienter als Kühlung mittels Lüfter

Als Argument gegen einen wassergekühlten Motor wird teilweise ins Feld geführt, dass er zusätzliche Kosten durch ein gesondertes Kühlaggregat und eine zusätzliche Verrohrung verursacht. Diese überschaubaren Kosten sind nicht von der Hand zu weisen, allerdings gibt es in manchen Umgebungen die Möglichkeit, den Motor in bestehende Kühlanlagen mit verschiedenen Kühlmedien - wie etwa Öl - einzubinden. Diese Variante bietet sich an, wenn sich neben dem Prüffeld Anlagen befinden, die beispielsweise mit Hydraulik betrieben werden und hierfür bereits eine entsprechende Verrohrung für die Ölzufuhr vorhanden ist, an die der mantelgekühlte Motor mit angeschlossen werden kann. Die Kühlleistung ist in diesem Fall etwas geringer; es erfolgt ein Derating um zirka 10 bis 20 Prozent. Dennoch ist diese Kühlungsvariante effizienter als die Kühlung mittels Lüfter.

Prüfungen nach Norm und auf Kundenwunsch

Die Prüfungen, die BEN Buchele im Prüffeld durchführt, sind vielfältig. Zum einen dienen Sie als Nachweis der Erfüllung von Normen, zum anderen werden sie auf Kundenwunsch vorgenommen, ob bestimmte Spezifikationen erfüllt werden können. Dazu kommen Überprüfungen der eigenen Motoren zur Weiterentwicklung und Optimierung. Normprüfungen sind etwa Lastprüfungen für die verschiedenen Betriebsarten (S1 = Dauerbetrieb, S2 und S3 = Kurzzeitbetrieb) oder die Überprüfung der Drehmomentwerte an den verschiedenen Lastpunkten 25, 50 und 100 Prozent Drehmoment, die einer Normvorgabe entsprechen müssen. Bei Erwärmungsprüfungen wird festgestellt, nach welcher Zeitspanne der Motor seine Maximaltemperatur erreicht. Hier wird der Temperaturverlauf des Motors und seiner einzelnen Komponenten - Wicklung und Lagerstellen – beobachtet und abgeglichen, ob das Temperaturverhalten den Vorgaben entspricht.

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Wärmeentwicklung im Prüffeld als kritischer Faktor

Auf Kundenwunsch erfolgen Energieeffizienzprüfungen: Der Kunde gibt eine bestimmte Energieeffizienzklasse vor, nach der der Motor ausgelegt werden muss. Dazu gehören auch Leerlaufprüfungen und Erwärmungsprüfungen. Mit derlei Energieeffizienzprüfungen entwickelt BEN Buchele zudem seine eigenen Motoren in Richtung Energieeffizienz IE4 weiter, wie Richard Kiesl erläutert: „IE4 ist derzeit die höchste Energieeffizienzklasse, die im Normalfall nur mit Synchronmaschinen zu erreichen ist. Wir haben jedoch auch bereits einige erfolgreiche Versuche mit Asynchronmaschinen gefahren, die die IE4-Energieeffizienz erzielen konnten. Das gelingt unter anderem mit einer optimierten Lüftergeometrie bei oberflächengekühlten Motoren.“

Die Wärmeentwicklung ist immer ein kritischer Faktor beim Betrieb eines Elektro­motors. Um festzustellen, ob der Motor Wärme­nester aufweist, die Kühlung also nicht optimal ist und die Temperatur infolgedessen höher als gewünscht, setzt der Antriebsspezialist als weitere Prüfung Infrarotkameras ein, um kritische Stellen sichtbar zu machen. Dies ist hilfreich, um sicherzustellen, dass sich diese Wärmestellen nicht an ungünstigen Orten befinden, etwa dort, wo Messsonden angrenzen, Lager sich überproportional erwärmen und durch die zusätzliche Wärme beeinträchtigt werden.

Der Autor Detlef Koslowsky ist Vertriebsleiter bei BEN Buchele.

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