Produktkonfiguration: Komplexe 3D-Modelle in Echtzeit

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Website-User des europäischen Herstellers für Steigtechnik Zarges sehen sofort, wie ihr Wunschprodukt aussieht. Dahinter steckt ein Konfigurator des Software-Entwicklers Acatec. In diesem Frühjahr steht ein Relaunch an. › von Henning Bitter

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Website-User des europäischen Herstellers für Steigtechnik Zarges sehen sofort, wie ihr Wunschprodukt aussieht. Dahinter steckt ein Konfigurator des Software-Entwicklers Acatec. In diesem Frühjahr steht ein Relaunch an. › von Henning Bitter

Beim Aluminiumspezialisten Zarges mit Hauptsitz in Weilheim/Oberbayern entwickeln und bauen 800 Mitarbeitern hochwertige Treppen, Plattformen und Überstiege, Steigleitersysteme, Transport- und Logistikboxen sowie auch Speziallösungen für alle Bereiche der Industrie. Dazu betreibt das Unternehmen drei Produktionsorte in Europa. Der Anspruch an Sicherheit, Qualität und Ergonomie der Produkte ist bei Zarges sehr hoch und so sind die langlebigen und flexibel einsetzbaren Aluminium-Produkte weltweit gefragt.

Seit nun 10 Jahren nutzt Zarges mehrere Produktkonfiguratoren, die auf Basis von Software von Acatec entwickelt wurden, um die internationalen Märkte in mehr als 20 Ländern zu bedienen. Für das Frühjahr 2019 steht ein Relaunch an: Noch bessere Performance, mehr Usability und eine Lösung für die mobile Nutzung stehen auf der Agenda. Die Treppen und Plattformen sind zuerst dran; die Steigleitersysteme sollen folgen. Eine besondere Rolle beim Relaunch spielt der 3D-Viewer von Acatec.

Die Konstruktion erleichtern

Die Anwender kommen aus ganz verschiedenen Branchen – und ebenso unterschiedlich setzen sie die Zarges-Produkte ein: Industrie und Anlagenbau, Handwerk, Schienenverkehr, Luftfahrt, Polizei, Bundeswehr, Medizinbranche, Druckereien und Logistik. Der Bedarf ist jedes Mal anders. Darum sind die Zarges-Konfiguratoren auf der Website für die Kunden eine enorme Erleichterung. „Der Konfigurator ist für unseren Vertrieb ein Verkaufstool“, erklärt Markus Nowak. Der Produktmanager ist Projektleiter des abteilungsübergreifenden Teams, das sich um den aktuellen Relaunch kümmert. Er kennt Zarges gut; ist schon seit über 10 Jahren dabei.

„Der Viewer des Konfigurators war in die Jahre gekommen. Es dauerte einige Sekunden, bis der Kunde oder Interessent sein fertiges Modell in 3D anschauen konnte. Wir möchten dem Nutzer heute eine optimale Performance bieten. Dazu mehr Usability mit weniger Popup-Fenstern, aber mehr Ziehharmonika-Funktionen. Gerade für die mobile Nutzung auf Tablets oder Handys ist uns diese leichte, bequeme Art des Konfigurierens wichtig“, bringt er die Ziele auf den Punkt. Er möchte, dass sich die Kunden bei Zarges auf der Website wohl fühlen und eine Bedienung vorfinden, die leicht von der Hand geht. „Es waren einige Parameter zu verändern – eine Menge Vorarbeiten. Die Acatec-Berater waren beziehungsweise sind zum Teil vor Ort und unterstützen uns. Zum Teil läuft es auch über Telefon“, erläutert Markus Nowak.

Im Konfigurator-Team ist auch Alexander Bucher, der das Projekt auf der technischen Seite begleitet. Zarges arbeitet mit dem CAD-System Inventor; Alexander Bucher kümmert sich zusammen mit den Acatec-Beratern um die reibungslose Integration der neuen Technologie. Denn Zarges nutzt den Konfigurator bis in die Fertigung: Stücklisten werden nach der Bestellung automatisch erzeugt. Diese Durchgängigkeit vom Point of Sale im Web bis zur Auftragsbearbeitung in der Fertigung ist ein Spezialgebiet von Acatec. Darum nennt sich diese Technologie auch CPQE-Software: Das Kürzel CPQ steht für Configure – Price – Quote. Damit lässt sich der Vertrieb automatisieren – korrekte Angebote purzeln in Echtzeit aus dem System. Das „E“ steht für Engineer und bedeutet die Automation der Prozesse bis ins CAD-System.

Mit Durchgängigkeit überzeugen

Menschen sind Augentiere. Der Acatec Geschäftsführer und Gesellschafter Dipl.-Ing. Henning Bitter ist darum überzeugt, dass der Nutzen eines Konfigurators für das Unternehmen umso deutlicher steigt, desto tiefer Prozesse integriert sind – und je mehr Prozesse automatisiert werden. Zarges setzt auf dieses durchgängige Konzept – und baut es kontinuierlich weiter aus. Aktuell ist der 3D-Viewer dran.

Doch Wie viel Vorwissen müssen die Konfigurator nutzen zu können? „Eigentlich gar keins, nur die Abmessungen ihrer Bedarfe müssen sie kennen“, kommentiert Zarges-Produktmanager Markus Nowak. Die Käufer sind heterogen: Es können professionelle Einkäufer von großen Industrieunternehmen genauso sein wie Fachanwender oder Sicherheitsbeauftragte. „Wir erfahren viel von den Kunden, weil sie ja täglich mit unseren Produkten arbeiten. Dieses Feedback ist wichtig für unsere Arbeit und fließt in die Konzeption der Usability beim Konfigurator ein. Wir fragen oft nach und besuchen große Kunden persönlich. Was aber immer wieder ein Thema ist, ist die Vorstellungskraft. Verändert ein User bei einem Produkt die Abmessungen, muss er die Folgen direkt sehen können: Wenn eine Arbeitsbühne plötzlich deutlich höher ist als bisher, wird sie zu einem echten ‚Monster‘. Das sprengt die Vorstellungskraft vieler Nutzer. Sie müssen es im Modell anschauen können“, veranschaulicht Markus Nowak den strategischen Hintergrund des Projekts.

Schub für das Unternehmen

Zarges liefert Produkte, die Sicherheit und Flexibilität bieten – und das mittlerweile seit über 85 Jahren – das spricht viele Kunden an. Mit der Konfigurator-Einführung 2009 stiegen die Umsatzzahlen zusätzlich. Denn die Konfiguratoren helfen dabei, die Produkte so individuell zusammen zu stellen, wie man sie braucht – teils alleine, teils zusammen mit dem Außendienst-Mitarbeiter.

Mehr Kunden, mehr Bestellungen. Neue Märkte, die in Landessprache bedient werden, kamen in den vielen Jahren der Zusammenarbeit hinzu.

Zarges nutzt die Möglichkeiten des Konfigurators, um Speziallösungen im Rahmen eines Baukastensystems zu standardisieren. Auch dient dieser als Basis für Produkte, die sich am Standard orientieren, aber dennoch als Speziallösung konstruktiv zu konzipieren sind. Ganz individuelle Produkte werden, so Zarges‘ Philosophie, händisch konstruiert. Hier befindet sich das Haus also in der Konfigurator-Fachsprache zwischen ATO und ETO: Assemble-To-Order, weil das Gros der Umsätze aus vorhandenen CAD-Modell-Baukästen erzeugt wird, und Engineer-To-Order, wo das Unternehmen aktiv neue Elemente hinzukonstruiert.

Lernprozesse

Auf dem Weg in die neue 3D-Welt gab es auch Herausforderungen – eine davon könnte man als „Luxusproblem“ bezeichnen: Denn aufgrund der hohen Nutzerzahlen stemmten die Server die Anforderungen nicht mehr. „Die Auftragsflut war hoch. Wir haben die Serverzahl verdoppelt. Und wir haben in der Fertigung Leute eingestellt – denn die Aufträge mussten ja auch montiert und kommissioniert werden“, erklärt Markus Nowak.

Die wichtigsten Lernprozesse bei Zarges waren: Erstens, alle Beteiligten einzubinden – vom Anfang der Geschäftsprozesskette im Vertrieb bis zur Fertigung. Auf diese Weise hat das Unternehmen geschafft, sich Abstimmungen zu sparen. Zweitens: Tests brauchen Zeit – aber sie lohnen sich. Denn dank der Ergebnisse aus der Testphase sparte Zarges hinterher Aufwände. Drittens: Die Komplexität bei den Produkten war mitunter höher als gedacht. „Zum Teil wurde sie erst zum Schluss deutlich. Dann mussten wir nochmal am Regelwerk arbeiten“, erläutert Markus Nowak. Auch hier unterstützten Acatec-Berater.

Auf der Zielgeraden

Beim neuen 3D-Viewer geht es jetzt noch um die Optik und die Usability für die Nutzer. Dann ist die neue Generation des Produktkonfigurators fertig. Geplant ist, pünktlich zum Jubiläum der 10-jährigen Nutzung im Frühjahr an den Start zu gehen. jbi ‹

Autor: Henning Bitter ist Geschäftsführender Gesellschafter von Acatec Software.

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