03 2014

Digital Engineering Magazin 2014/03

Liebe Leser,
man könnte fast den Eindruck gewinnen, in der heimischen Fertigungsindustrie drehe sich alles nur noch um Industrie 4.0. Denn das Thema ist allgegenwärtig. Man findet kaum eine Messe, Veranstaltung, Produktpräsentation oder Pressekonferenz mehr, wo nicht Industrie 4.0 eine wichtige Rolle spielen würde. Selbst im Ende letzten Jahres ausgehandelten Koalitionsvertrag der schwarz-roten Bunderegierung wird die strategische Bedeutung von Industrie 4.0 für den Standort Deutschland hervorgehoben und die Unterstützung durch die Bundesregierung zugesichert. Hoffentlich haben hier die Politiker der großen Koalition ein glücklicheres Händchen als bei den Themen Mindestlohn oder Rente mit 63, wo es seit Monaten hakt.
Auch die wichtigsten Industrieverbände VDMA, ZVEI und BITKOM unterstützen und pushen das Thema Industrie 4.0. Die ­Vision von der vierten industriellen Revolution ist also angekommen bei Politikern, Verbänden und Herstellern. Aber auch schon bei den meisten Anwendern in der produzierenden Industrie? Hier habe ich meine Zweifel. Denn: Gerade mittelständische Fertigungsunternehmen im Maschinen- und Anlagenbau in Deutschland schätzen die Relevanz selbststeuernder, dezentral vernetzter Produktionsprozesse als noch nicht so wichtig ein. Dies hat letztes Jahr eine Studie der unabhängigen Marktforschungs- und Beratungsfirma Pierre Audoin Consultants (PAC) ergeben. Deshalb müssen hier – so meine ich – sowohl Hersteller als auch unabhängige Einrichtungen noch mehr Aufklärungsarbeit leisten und die Vorteile und Herausforderungen von Industrie 4.0 gezielter für den Mittelstand herausarbeiten. Denn es geht dabei um viel mehr als nur um einen kurzfristigen Marketing-Hype, bei dem bereits existierende Produkte lediglich mit einem „Industrie-4.0-Stempel“ versehen werden. Vielmehr geht es bei den flexiblen, intelligenten und sich selbstorganisierenden Fabriken der Zukunft um vernetzte Maschinen, Anlagen und Produkte, die miteinander kommunizieren. Damit sollen Industrieunternehmen in Zukunft effizienter produzieren, schneller auf Marktschwankungen reagieren und gleichzeitig den steigenden Bedarf an individuellen Produkten decken können.
Wie weit die Automatisierungs- und Software-Branche bei Industrie 4.0 heute schon ist, können Sie auf der Hannover Messe 2014 live erleben. Wenn es nämlich nach den Messeveranstaltern geht, wird die diesjährige Hannover Messe die nächsten Schritte in Richtung Industrie 4.0 ausloten. Viele Aussteller werden etwas dazu zeigen: Die Anbieter von Software für CAx, MES, ERP und PLM auf der Leitmesse Digital ­Factory und die Automatisierer im Rahmen der „Industrial Automation“.
Zur Einstimmung finden Sie in dieser Ausgabe zahlreiche Beiträge zum Thema Industrie 4.0. Dabei möchte ich Ihnen besonders unseren Expertentalk ab Seite 18 empfehlen, wo zwölf Fachleute ihre Meinung dazu geäußert haben.

Rainer Trummer
Chefredakteur

Themenhighlights

Multimaterial-Farb-3D-Drucker Objet500 Connex3
Beispiellos im farbigen 3D-Druck

Hannover Messe
Umfrage: Was  Experten zum Trendthema Industrie 4.0 sagen

PLM-Lösungen
Requirements Management: Anforderungen zuverlässig umsetzen

Linearführungen
Hoch belastbare Schienen für funktionales Design

Entdecken Sie die Printmagazine des WIN-Verlags