05 2013

Digital Engineering Magazin 2013/05

Liebe Leser,

Einkaufen macht in der Regel Spaß. Und wer sich schöne Dinge gönnt, hat auch Freude daran. Dabei unterscheiden sich je nach Geschlecht die Objekte der Begierde. Frauen setzen ihren Fokus häufig auf modische Produkte: Kleidung, Schuhe und Handtaschen stehen dabei ganz oben in der Rangliste. Männer hingegen investieren ihr Geld oft in Autozubehör, Elektronikartikel und in andere technische Artikel. Einen gemeinsamen Nenner gibt es aber häufig: Manches ist überflüssig, man benötigt es eigentlich nicht oder hat davon schon mehrere Varianten. Shoppen hat nicht immer mit rationalem Verhalten zu tun. Der emotionale Faktor spielt eine wichtige Rolle.
Ganz anders bei Unternehmen. Bei deren Einkäufen geht es um Firmenaufkäufe, und zwar meist von Unternehmen, deren Produktportfolio das eigene sinnvoll ergänzt. Zwei Schwergewichte, die den verheißungsvollen Verlockungen derzeit nicht widerstehen konnten, sind Dassault Systèmes und Siemens. Beide europäische Konzerne investieren stetig in lukrative Softwareanbieter, deren Lösungen die eigenen Produkte gezielt ergänzen. Nachdem die Franzosen Mitte Mai bereits ­SIMPOE, einen namhaften Software-Anbieter für die Kunststoff-Spritzgieß­simulation, übernommen haben, möchte man sich nun mit dem amerikanischen Unternehmen Apriso stärker in Richtung Fertigung bewegen. Die Softwarelösungen von Apriso für die industriellen Fertigungsprozesse will Dassault Systèmes in das Portfolio der DELMIA-Anwendungen integrieren.
Siemens ist bereits seit Ende 2011 auf großer Einkaufstour und hat mehrere namhafte branchenübergreifende Industriesoftwareunternehmen übernommen, unter anderem Vistagy (Konstruktion von Verbundwerkstoffen), die IBS AG (Qualitäts- und Produktionsmanagement), Perfect Costing Solutions (Kostenma­nagement), VRcontext International (3D-Anlagenvisualisierung) und LMS International (mechatronische Simulation).
Anfang Juni hat Siemens nun das Unternehmen Preactor gekauft, einen Anbieter von Lösungen für die Produktionsplanung. Für mich ein logischer Schritt, denn die Softwarelösung von Preactor für das Advanced Planning and Scheduling (APS) ergänzt ideal das bisherige MES-Produktportfolio von Siemens.
Zusammenfassend ergibt sich folgendes Bild: Mit den aktuellen Übernahmen gehen Dassault Systèmes und Siemens einen weiteren Schritt in den Bereich Produktions-/Fertigungsplanung. Die Lösungsportfolios werden immer runder und decken viele Schritte im gesamten Produktlebenszyklus ab – vom Design über die 3D-Modellierung, die Simulation, das Datenmanagement, die digitale Fabrik bis hin zur Produktionsplanung. Dass in den Produktionsprozessen viel Potenzial für Effizienzsteigerungen schlummert, haben jedenfalls beide Unternehmen erkannt.

Ihr
Rainer Trummer, Chefredakteur
rt@win-verlag.de

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