08 2011

Digital Engineering Magazin 2011/08

Warten auf ein bezahlbares Elektrofahrzeug

Liebe Leser,
die Faszination am Automobil ist ungebrochen. Dies hat wieder einmal eindrucksvoll die Internationale Automobilausstellung IAA gezeigt, die vom 15. bis 25. September in Frankfurt stattfand. Knapp 930.000 Besucher waren vor Ort und informierten sich über die neuesten Modelle der in- und ausländischen Autobauer. Über 180 Fahrzeuge hatten ihre Weltpremiere – mehr als vor zwei Jahren.
Besonders gespannt waren natürlich viele Besucher, was es im Bereich Elek­tromobilität Neues zu sehen geben würde. Kann man vielleicht schon bald sein jetziges Fahrzeug durch ein familientaugliches E-Fahrzeug ablösen, das nicht viel mehr kostet als das vorhandene und eine praxistaugliche Reichweite ermöglicht? Die Antwort lautet: Nein. Natürlich sind schon heute E-Fahrzeuge zu haben, meist aber nur Kleinfahrzeuge, deren Batterieladung – bei Idealbedingungen – maximal eine Fahrstrecke von 130 bis 150 Kilometern ermöglicht. Und der Anschaffungspreis liegt dabei deutlich über dem eines vergleichbaren Fahrzeugs mit Verbrennungsmotor.
Daneben wurden auf der IAA viele E-Fahrzeuge, wie bereits auf den vergangenen IAAs, als Konzeptstudien gezeigt.
Irgendwie hat man den Eindruck, dass der Markt der Elektrofahrzeuge nicht richtig an Fahrt gewinnt. Trotz vollmundiger Ankündigungen der Automobilhersteller gibt es bisher nur wenige Elektrofahrzeuge zu kaufen. Fahrzeuge wie der Mitsubishi i-MiEV, Nissan Leaf und Tesla Roadster sind im Gesamtmarkt mit einem Anteil von weniger als 0,1 Prozent eher ein Tropfen auf den heißen Stein.
Und dies wird sich wahrscheinlich auch in den nächsten 10 bis 15 Jahren nicht gravierend ändern. Das bestätigt jetzt auch eine aktuelle Studie von Oliver Wyman mit dem Titel „Elektromobilität 2025“. Die Experten der internationalen Managementberatung erwarten in den nächsten 15 Jahren einen Marktanteil von Elektrofahrzeugen im weltweiten Fahrzeuggeschäft von gerade einmal drei Prozent. Enorme Mehrkosten von derzeit bis zu 20.000 Euro für ein Fahrzeug der Golf-Klasse und beschränkte Reichweiten im realen Fahrbetrieb sind sicherlich die gravierendsten Hindernisse für eine stärkere Verbreitung.
Dass Elektrofahrzeuge nicht von heute auf morgen ihre Marktreife erlangen können, ist natürlich klar. Was aber die gesamte Automobilindustrie in den letzten Jahren in Sachen E-Mobilität erreicht hat, ist auch kein Ruhmesblatt. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass gerade unsere deutschen Automobilisten hier mit angezogener Handbremse agieren und den asiatischen Herstellern so einen Innovationsvorsprung ermöglicht haben.
Erst jetzt schalten die OEMs und Zulieferer einen Gang höher und packen das Thema strategischer an. Ein Beweis dafür sind beispielsweise mehr Kooperationen und Partnerschaften zwischen Automobilherstellern sowie strategischen Schlüsselzulieferern und Forschungs­instituten. Dies wird allerdings nicht reichen. Vielmehr benötigen wir ein dichtes Netzwerk für die Elektromobilität mit horizontalen Kooperationen zwischen Herstellern und Zulieferern. Denn eines ist ziemlich sicher: Aufstrebende Automobilnationen wie China wollen die etablierten PKW-Hersteller angreifen. Langfristig kommt die Konkurrenz nicht aus dem eigenen Land, sondern häufig aus Fernost. Dies gilt besonders für die Schlüsseltechnologien des Elektroantriebs wie Batteriezellen und Leistungselektronik. Deshalb werden sich OEMs zur Sicherung der strategischen Zulieferbasis vermehrt an Komponentenlieferanten beteiligen müssen, insbesondere an Anbietern von Akkuzellen und -modulen. Mehr zur Elektromobilität lesen Sie in unserem großen Schwerpunkt ab Seite 16.
Rainer Trummer, Chefredakteur

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