PLM wird auf der AMB 2008 fertigungsnäher

Die Einbettung der CAT.PRO in die AMB soll neue Aussteller nach Stuttgart locken. Es gibt nach Aussagen der Messeveranstalter bereits über 50 Anmeldungen für den Bereich Software & Engineering. Die Integration der früheren CAT.PRO in die AMB, internationale Ausstellung für Metallbearbeitung, trifft nach Angaben der Messe Stuttgart bei den Herstellern von CAD/CAM-Systemen, Produktdaten-Management-Lösungen (PDM) und anderen Werkzeugen für das digitale Product Lifecycle Management (PLM) auf positive Resonanz. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt haben sich bereits über 50 Aussteller für den Bereich Software & Engineering der AMB 2008 angemeldet, etwa genau so viele wie zuletzt auf der CAT.PRO 2006 vertreten waren.



Bis zur Eröffnung der AMB, die vom 9. bis 13. September dieses Jahres erstmals auf dem Gelände der Neuen Messe Stuttgart stattfinden wird, dürfte die Zahl der Anmeldungen weiter zunehmen, sofern überhaupt noch Aussteller untergebracht werden können. Trotz der Verdoppelung der Ausstellungsfläche gegenüber dem Messegelände auf dem Killesberg ist das neue Gelände nämlich schon weitgehend ausgebucht. Daniela Löbbe, Teamleiterin der AMB: "PLM-Anbieter, die sich noch nicht angemeldet haben, müssen sich sputen, wenn sie noch von der Anziehungskraft der AMB profitieren wollen."



Die thematischen Schwerpunkte der ehemaligen Fachmesse für innovative Produktentwicklung, Daten- und Prozessmanagement haben sich mit ihrer Eingliederung in den Software-Bereich der AMB verschoben: Statt der digitalen Produktentwicklung steht die digitale Fertigung stärker im Mittelpunkt, und hier insbesondere das Thema CAM (Computer Aided Manufacturing), das man auf der CAT.PRO in den letzten Jahren vergebens suchte.



Von wenigen Ausnahmen abgesehen, sind alle namhaften CAM-Hersteller in Stuttgart vertreten: Unternehmen wie Cimatron, Missler Software, OpenMind, Tebis oder SolidCAM. Nicht zu vergessen die großen PLM-Anbieter wie Dassault Systèmes oder Siemens PLM Software, die den weltweiten CAM-Markt anführen. Ein Markt, der sich nach den Zahlen der amerikanischen Beratungsfirma CIMDATA, Inc. nicht nur durch eine relativ große Anbieterzahl auszeichnet, sondern auch durch ein dynamisches Wachstum. CIMDATA, langjähriger Begleiter der früheren CAT.PRO, ist ihr übrigens als Aussteller der AMB 2008 treu geblieben.



Um zu verstehen, warum die Nachfrage nach einer integrierten CAD/CAM-Lösung so dynamisch wächst, braucht man nur das alle zwei Jahre wechselnden Produktangebot der AMB zu betrachten. Die rasante Weiterentwicklung der Zerspanungstechnik sowohl auf den Gebieten der Hochgeschwindigkeitsbearbeitung (HSC) und der Hochleistungszerspanung (HPC), als auch bei der Komplettbearbeitung mit integrierten Dreh- und Fräszentren, verspricht den mittelständischen Fertigungsbetrieben in Deutschland erhebliche Produktivitätssteigerungen und sichert damit ihre Wettbewerbsfähigkeit.



Um das Potential der immer leistungsfähiger und komplexer werdenden Maschinen und Werkzeuge ausschöpfen zu können, ist jedoch der Einsatz von modernen CAD/CAM-Systemen unerlässlich. Davon profitieren Hersteller, die ihre Anwendungen rechtzeitig für Anwendungen wie das HSC-Fräsen oder die Millturn-Bearbeitung fit gemacht haben.



Insbesondere die integrierte Dreh/Fräsbearbeitung mit Mehrspindelmaschinen stellt hohe Anforderungen an den Leistungsumfang der eingesetzten Programmiersysteme. Zunächst einmal sollten sie die Drehbearbeitung ebenso gut unterstützen wie das Fräsen, was keine Selbstverständlichkeit ist. Dann sind leistungsfähige Funktionen für die Simulation der Bearbeitungsprogramme erforderlich, um die Einfahrzeiten zu reduzieren. Sie sind bei komplexen Bauteilen oft um ein Vielfaches länger als die eigentliche Bearbeitung, was gerade bei geringen Losgrößen die Bearbeitungskosten enorm in die Höhe treibt. Mit Blick auf die Reduzierung der Rüst- und Bearbeitungszeiten benötigen die Anwender außerdem Funktionen, mit denen sie die synchrone Aufteilung der Operationen auf die verschiedenen Spindeln am CAM-Arbeitsplatz analysieren und optimieren können.



Eine zuverlässige Simulation der NC-Bearbeitung setzt voraus, dass die reale Maschinensituation einschließlich der tatsächlich eingesetzten Werkzeug und Spannmittel im CAM-System abgebildet werden kann. Dazu müssen zunächst einmal die Maschinen und Werkzeuge in 3D nachmodelliert werden, sofern die Hersteller keine entsprechenden 3D-Maschinenmodelle zur Verfügung stellen.



Gleichzeitig ergeben sich bei der Komplettbearbeitung von anspruchsvollen Werkstücken immer komplexere Spannsituationen, die sich mit Schraubstöcken und anderen Standard-Spannmitteln nicht bewältigen lassen, so dass die Fertiger oft spezielle Spannvorrichtungen konstruieren müssen. Das führt kurioserweise dazu, dass die Unternehmen bei der Auswahl ihrer CAM-Systeme immer größeren Wert auf gute CAD-Funktionen legen.



Die CAD-Anbieter unter den Ausstellern der AMB befinden sich in der beneidenswerten Lage, dass die meisten anderen Aussteller zugleich ihre Kunden oder zumindest potentielle Interessenten sind. Die Crème de la Crème des deutschen Werkzeugmaschinenbaus und zahlreiche Hersteller aus den europäischen Nachbarländern geben sich in Stuttgart ein Stelldichein, was die Gelegenheit für Gespräche auf Führungsebene eröffnet.



Zugegebenermaßen setzen viele dieser Unternehmen inzwischen 3D-CAD-Systeme ein, so dass das Potential für Neugeschäfte begrenzt ist. Aber von einer effizienten Nutzung der digitalen Daten über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg sind sie noch weit entfernt. Dadurch verzichtet ein mittelständisches Unternehmen im Schnitt auf Kosteneinsparungen von 800.000 Euro pro Jahr, wie eine von Autodesk in Auftrag gegebene Untersuchung ergeben hat.



Rückrat der digitalen Produktentwicklung ist ein konsistentes Produktdaten-Management (PDM), das dafür sorgt, dass alle an der Entwicklung beteiligten Disziplinen mit den jeweils aktuellen Versionsständen der Daten arbeiten. Auf der AMB 2008 haben die Messebesucher Gelegenheit, das aktuelle Angebot an vorkonfigurierten Mittelstandspaketen in Augenschein zu nehmen, die sich nach Aussagen der Hersteller mit wenig Anpassungsaufwand implementieren lassen.



Für größere Fertigungsbetriebe gewinnt außerdem das Lebenszyklus-Management ihre Fertigungsdaten an Bedeutung, um jederzeit nachvollziehen zu können, welche Produktversionen nach welchen Unterlagen gefertigt wurden. Die traditionellen PLM-Lösungen bieten bislang wenig Unterstützung für die Steuerung und Kontrolle der fertigungsnahen Prozesse, weshalb hierfür spezielle MES-Lösungen (Manufacturing Execution System)eingesetzt werden.



Sie bieten unter anderem Funktionen für die Erfassung und Auswertung der Betriebs- und Maschinendaten und erlauben dadurch eine frühzeitige Erkennung von Engpässen und Qualitätsproblemen in der Fertigung. Auf der AMB 2008 werden auch verschie dene Anbieter ihre MES-Lösungen präsentieren, beispielsweise die Firmen comtas software consulting oder Siemens PLM Software.



Durch die Eingliederung der CAT.PRO in die AMB hat sich nicht nur das Spektrum der angebotenen Software-Lösungen verbreitert, sondern auch die Schar der vertretenen Software-Hersteller. Der VDMA-Gemeinschaftsstand bietet erstmals auch den Mitglieder des VDMA Fachverbands Software eine geeignete Plattform, um sich den Besuchern der AMB 2008 mit ihren Produkten und Dienstleistungen vorzustellen.



Mehr unter www.messe-stuttgart.de/amb

RSS Feed

Hat Ihnen der Artikel gefallen?
Abonnieren Sie doch unseren Newsletter und verpassen Sie keinen Artikel mehr.

Mit einem * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder!

CAPTCHA
Diese Frage stellt fest, ob du ein Mensch bist.

Neuen Kommentar schreiben

Entdecken Sie die Printmagazine des WIN-Verlags