Klassische PLM-Systeme verknüpfen Daten und bewahren Wissen. Adaptive Intelligence baut darauf auf und ergänzt KI-gestützte Orientierung. Sie ändert nicht, wer entscheidet – aber verbessert, wie fundiert Entscheidungen vorbereitet werden.
Adaptive Intelligence erweitert klassisches Product-Lifecycle-Management (PLM) vom Wissensspeicher zum „System of Guidance“ – für mehr Orientierung im Industrial Digital Thread.
(Bild: Aras)
Die Industrie benötigt ein neues Navigationssystem. Bislang zeigen PLM-Systeme zwar an, dass sich etwas geändert hat, nicht aber, warum dies relevant ist, wie gravierend die Folgen sein könnten oder wo Handlungsbedarf besteht. Diese Einordnung erfolgt derzeit überwiegend manuell in Meetings, durch Abgleiche, Expertengespräche oder auf Basis von Erfahrungswerten. Künstliche Intelligenz (KI) erweitert die Fähigkeiten des Systems nun um die Interpretation von Daten, ihre automatische Auswertung und Einordnung in unterschiedliche Szenarien. Dadurch werden Informationen kontextualisiert statt lediglich bereitgestellt. Damit das PLM seine bestehenden Stärken um diese Fähigkeiten ergänzen kann, muss das System relevante Signale im Datenbestand auch während dynamischer Veränderungsprozesse zielsicher erkennen, einordnen und an die entsprechenden Stellen weiterleiten. Wichtig bei Adaptive Intelligence: Es geht nicht darum, Entscheidungen zu automatisieren. Vielmehr ist das System darauf ausgelegt, Orientierung zu geben – in Form strukturierter Entscheidungsunterstützung auf Basis belastbarer Daten. Das System liefert Kontext und Handlungsoptionen, während die Verantwortung beim Menschen bleibt. Kurz gesagt: Das PLM entwickelt sich vom „System of Record” zum „System of Guidance”.
Der Wandel durch Orchestrierung: PLM und KI vereint
Für diesen Wandel ist nicht eine einzelne Technologie ausschlaggebend, sondern das orchestrierte Zusammenspiel bewährter PLM-Strukturen mit gezielt eingesetzten KI-Lösungen. Entscheidend sind ein durchgängiger Digital Thread als belastbare Datenbasis, eine offene und erweiterbare Systemarchitektur mit standardisierten Schnittstellen, klare Governance-Regeln für Datenqualität und Zugriffsrechte sowie der kontrollierte Einsatz von KI-Services zur Interpretation, Analyse und Mustererkennung. Mit diesem Ansatz können Unternehmen drei übergeordnete Ziele erreichen.
Änderungen an Produkten – etwa am Design, in der Fertigung oder entlang der Lieferkette – bergen oft Risiken, die erst mit Verzögerung sichtbar werden: Qualitätsprobleme, Lieferschwierigkeiten oder Compliance-Verstöße.
Änderungen an Produkten – etwa am Design, in der Fertigung oder entlang der Lieferkette – bergen oft Risiken, die erst mit Verzögerung sichtbar werden: Qualitätsprobleme, Lieferschwierigkeiten oder Compliance-Verstöße. Bis das Unternehmen die Ursachen analysiert und Alternativen erarbeitet hat, verstreicht wertvolle Zeit. Adaptive Intelligence setzt früher an. Durch die kontinuierliche Analyse des Digital Threads lassen sich mögliche Probleme frühzeitig erkennen. Identifiziert das System solche Signale, stellt es Hinweise bereit, ordnet sie ein, bewertet ihre Tragweite und zeigt Handlungsoptionen auf. Dadurch verkürzt sich der Zyklus „Wahrnehmen – Entscheiden – Handeln” deutlich. Da das System auch Methoden des kontinuierlichen Lernens implementiert, lernt es selbstständig aus neuen Daten und Erfahrungen, passt sich an und trägt so zur iterativen Verbesserung von Produkten und Prozessen bei.
Viele Organisationen sind nicht deshalb träge, weil die Mitarbeitenden langsam arbeiten, sondern weil die Koordination so aufwendig ist. Jede Produktänderung wirft Fragen auf wie: Wer ist betroffen? Welche Abteilungen müssen eingebunden werden? Welche Folgeprozesse ändern sich? Genau hier setzt Adaptive Intelligence an. Die Informationsflüsse zwischen Bereichen wie Engineering, Qualität, Fertigung und Supply Chain werden systematisch unterstützt. Änderungen werden sowohl dokumentiert wie auch kontextualisiert. Was hat sich konkret geändert? Welche Funktionen sind betroffen? Warum ist das relevant? Welche sind die nächsten Schritte? In der Folge wird die manuelle Abstimmungsarbeit deutlich reduziert und das Tempo im Unternehmen erhöht – allerdings nicht durch höheren Druck, sondern durch bessere Abstimmung.
3. Systemflexibilität als Wettbewerbsvorteil
Der vielleicht tiefgreifendste Aspekt von Adaptive Intelligence ist die Anpassungsfähigkeit des Systems. Viele bestehende PLM-Landschaften sind eng an feste Datenmodelle und Prozesse gebunden. Verschieben sich jedoch Produktkonfigurationen oder Marktanforderungen, kann die starre Systemarchitektur schnell zum limitierenden Faktor werden. Adaptive Intelligence folgt einer anderen Logik: Das System führt eine kognitive Schicht ein und passt sich dynamisch an Veränderungen an. Der Digital Thread ist nicht statisch, sondern modellierbar. Offene API-Architekturen, Low-Code-Ansätze und eine KI-unterstützte Regelgenerierung ermöglichen es Unternehmen, neue Workflows und Datenstrukturen in deutlich kürzeren Zyklen als zuvor einzuführen. Veränderungen, die früher Monate in Anspruch nahmen, lassen sich so in Tagen realisieren. Das System entwickelt sich fortlaufend weiter: Prozesse, Organisationsmodelle und Produktstrategien werden optimal justiert, ohne die Stabilität des Gesamtsystems zu beeinträchtigen. Adaptive Intelligence verwandelt PLM in eine strategische Plattform – eine Infrastruktur, die Veränderung nicht bremst, sondern unterstützt.
Stand: 16.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die WIN-Verlag GmbH & Co. KG, Chiemgaustraße 148, 81549 München einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://kontakt.vogel.de/de/win abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Jens Rollenmüller: „Durch die kontinuierliche Analyse des Digital Threads lassen sich mögliche Probleme frühzeitig erkennen.“
(Bild: Aras)
Je komplexer das Umfeld, umso größer der Nutzen
Besonders deutlich wird der Mehrwert von Adaptive Intelligence in Branchen mit langen Produktlebenszyklen und hohen regulatorischen Anforderungen. In der Luft- und Raumfahrt, der Verteidigungsindustrie oder der Medizintechnik müssen Produkte beispielsweise über Jahrzehnte hinweg nachvollziehbar bleiben. Zulassungsbehörden verlangen eine lückenlose Dokumentation von Designentscheidungen sowie Transparenz über deren Grundlagen. Systeme, die Informationen lediglich speichern, stoßen hier an ihre Grenzen. Systeme, die Zusammenhänge kontextualisieren, liefern dagegen entscheidende zusätzliche Orientierung: Sie zeigen, warum eine Änderung vorgenommen wurde, wann dies erfolgte und welche Auswirkungen die Änderung hatte. Strukturierte und erklärbare Handlungshinweise innerhalb klar definierter Rahmenbedingungen stärken das Vertrauen in Entscheidungsprozesse – unabhängig davon, ob diese automatisiert, KI-gestützt oder von Menschen getroffen werden. Voraussetzung dafür ist jedoch ein belastbares digitales Fundament. Adaptive Intelligence entfaltet ihre Wirkung nur auf Basis konsistenter Datenmodelle, semantischer Eindeutigkeit und gepflegter Metadaten. Und genau hier liegen die Stärken einer modernen und anpassungsfähigen PLM-Lösung: Mit klaren Datenstrukturen, nachvollziehbaren Beziehungen und einer gemeinsamen semantischen Sprache die Grundlage schaffen, auf der Adaptive Intelligence domänenübergreifend Orientierung geben kann.
Jens Rollenmüller ist Regional Vice President bei Aras.