Eine aktuelle Studie zeigt, dass die Verringerung des ökologischen Fußabdrucks für Unternehmen immer wichtiger wird. Das muss aber nicht automatisch zu höheren Kosten führen. Denn wenn Nachhaltigkeit ganzheitlich betrachtet und umgesetzt wird, führt dies gleichzeitig zu Effizienzsteigerungen und höherer Produktionssicherheit. Wichtigste Voraussetzung: die konsequente Vernetzung und Analyse der vorhandenen Daten durch PLM-Systeme.
PLM-Systeme ermöglichen die Umsetzung nachhaltiger Geschäftsmodelle durch die Vernetzung von der Konstruktion und Fertigung über den Service bis hin zur Rückgabe, Wiederverwendung oder Aufarbeitung.
(Bild: AdobeStock & Murrstock)
Mit einer Melange aus politischen Krisen, Lieferkettenproblemen und technischen Störungen hat sich in den zurückliegenden Jahren der Begriff der Multikrise etabliert. Doch trotz der zweifelslos komplexen Gesamtsituation haben die meisten Unternehmen noch nicht den Mut verloren, sondern die Flucht nach vorne angetreten. Dies zeigt eine aktuelle Umfrage unter mehr als 800 Führungskräften, die Aras, ein führender Anbieter von Product Lifecycle Management-Lösungen (PLM) zum Jahreswechsel in Europa, den USA und Japan durchgeführt hat.
So haben beispielsweise 55 Prozent der Unternehmen in der DACH-Region in den vergangenen zwei Jahren die Digitalisierung im eigenen Unternehmen vorangetrieben und 54 Prozent ihre IT modernisiert. Hinter diesen beiden wichtigsten Maßnahmen rangierte das Thema Nachhaltigkeit in den Jahren 2022 und 2023 mit 47 Prozent dicht dahinter an dritter Stelle der wichtigsten Maßnahmen.
PLM-Systeme: Nachhaltigkeit und Digitalisierung ganz oben
Ein ähnliches Bild zeichnet die Industriestudie bei den Wettbewerbern aus Frankreich und Großbritannien, wobei auf der britischen Insel der Fokus auf Nachhaltigkeit mit 31 Prozent weniger stark ausgeprägt ist. Noch auffälliger ist der Unterschied im Vergleich zu den USA: Während auch dort die Modernisierung der IT (56 Prozent) und die stärkere Digitalisierung (54 Prozent) in den vergangenen zwei Jahren die beiden Spitzenplätze belegten, landete die stärkere Fokussierung auf Nachhaltigkeit mit 24 Prozent abgeschlagen auf Platz sieben der Prioritätenliste.
Beim Blick nach vorne zeigt sich, dass grüne Themen in Zukunft deutlich an Bedeutung gewinnen werden - und zwar länderübergreifend. Auf die Frage, welche Maßnahmen in den kommenden zwei Jahren vorangetrieben werden sollen, steht bei den DACH-Unternehmen das Thema Nachhaltigkeit (53 Prozent) an erster Stelle, gefolgt von der Digitalisierung (52 Prozent) und der Modernisierung der IT (48 Prozent). In Frankreich steht das Thema Nachhaltigkeit mit 40 Prozent hinter der Digitalisierung (49 Prozent) an zweiter Stelle der geplanten Maßnahmen und in Großbritannien liegt die Verteilung bei 55 Prozent für die Modernisierung der IT, 47 Prozent für die Nachhaltigkeit und 45 Prozent für die verstärkte Digitalisierung.
Etwas anders sieht es wiederum in den USA aus. Dort streben 59 Prozent der Unternehmen für 2024 und 2025 eine stärkere Digitalisierung an, 51 Prozent wollen an der Modernisierung der IT arbeiten und 49 Prozent an der Optimierung der Supply Chain. Abgeschlagen auf Platz sechs der angestrebten Maßnahmen, aber immerhin etwas besser als in den Vorjahren: ein stärkerer Fokus auf Nachhaltigkeit (28 Prozent).
Nachhaltigkeit: Vom Modewort zum Zukunftsgaranten
Gerade die europäischen Unternehmen wissen: Die Zeiten, in denen ein grünes Mäntelchen ausreichte, sind vorbei. Denn mit dem Green Deal verpflichtet die EU die Wirtschaft zu mehr Nachhaltigkeit. Die neue EU-Nachhaltigkeitsrichtlinie verpflichtet unter anderem rund 50.000 Industrieunternehmen in der EU, jährlich verlässliche Nachhaltigkeitsinformationen in den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (ESG) auf Basis umfassender Standards zu veröffentlichen. Diese Berichtspflicht wirkt sich auch auf die nachgelagerten Zulieferbetriebe aus. Kurzum: Kein Unternehmen kommt mehr daran vorbei, nachhaltiges Handeln stärker in den Fokus zu rücken.
Gerade die europäischen Unternehmen wissen: Die Zeiten, in denen ein grünes Mäntelchen ausreichte, sind vorbei. Denn mit dem Green Deal verpflichtet die EU die Wirtschaft zu mehr Nachhaltigkeit.
(Bild: GettyImages)
Der ökologische Fußabdruck eines Unternehmens ist somit untrennbar mit seinem Geschäftspotenzial, seinem Image und seinen Zukunftsaussichten verbunden. Nachhaltigkeit ist nicht mehr Kür, sondern Pflicht, wie die Aras-Studie zeigt: Druck zu nachhaltigerem Handeln verspüren die Unternehmen dabei zu 78 Prozent von Kunden, zu 74 Prozent von Investoren bzw. Anteilseignern, zu 73 Prozent von Management und Mitarbeitenden und zu 72 Prozent von Gesetzgebern und Aufsichtsbehörden.
Doch der Weg zu mehr Nachhaltigkeit ist steinig. Ging es früher beim Umweltschutz vor allem um den sparsamen Einsatz von Materialien, gewinnen heute Wiederverwendung und Recycling an Bedeutung. Doch gerade diese beiden Punkte werden häufig durch Datendefizite erschwert. So geben 77 Prozent der Unternehmen in der DACH-Region an, dass fehlende Daten die größte Herausforderung auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit darstellen. Es folgen schlecht aufbereitete Daten (72 Prozent) und die Unfähigkeit, vorhandene Daten auszuwerten (63 Prozent).
Stand: 16.12.2025
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PLM-Systeme: Von der Designphase bis zum Recycling alle Daten im Blick behalten
Wie gravierend sich solche Datenlücken auf Wertschöpfungsketten auswirken, zeigen Berechnungen des Europäischen Rechnungshofes. In dessen „Sonderbericht Kreislaufwirtschaft“ heißt es, dass Entscheidungen in der Designphase bis zu 80 Prozent der Umweltauswirkungen eines Produktes ausmachen können. Das bedeutet: Je früher im Produktlebenszyklus ein Unternehmen Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigt, desto besser.
Um die Tragweite ihrer Maßnahmen zu überblicken, müssen die Entwickler jedoch die Möglichkeit haben, die einzelnen Schritte bis hin zum Recycling zu verfolgen und zu analysieren. Nur so können alle Prozesse der Wertschöpfungskette reibungslos ineinandergreifen und Verschwendung minimiert werden. Ohne Product Lifecycle Management (PLM) ist dies kaum möglich, da Datensilos aufgebrochen und Möglichkeiten geschaffen werden müssen, Informationen abteilungsübergreifend zu nutzen. Mit PLM wird aus vielen Einzelteilen also ein großes Ganzes.
Produktivität steigern und CO2-Fußabdruck verringern
Die Vorteile der datengestützten Transformation liegen in der dynamischen Planung, Steuerung und Überwachung von Produkten und Lieferketten. Dadurch wird es möglich, Produkte nicht nur für einen einzigen Zweck, sondern über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg optimal zu gestalten - von der Beschaffung und Konstruktion der Komponenten bis hin zur Entsorgung gefährlicher Stoffe und der Wiederverwendung oder Rückgewinnung anderer Elemente. Die PLM-Anwendung dient dabei als zentrale Steuereinheit, um eine nahtlose Interoperabilität im gesamten Unternehmen zu gewährleisten, einschließlich der Integration moderner Technologien bis hin zur Erstellung eines digitalen Zwillings.
Durch den Zugriff auf eine einheitliche digitale Quelle können Effizienzvorteile erzielt werden, die mit manuellen Methoden nicht zu erreichen sind. PLM-Systeme ermöglichen die Umsetzung nachhaltiger Geschäftsmodelle durch die Vernetzung von der Konstruktion und Fertigung über den Service bis hin zur Rückgabe, Wiederverwendung oder Aufarbeitung. Sie bieten Herstellern die Möglichkeit, effizienter zu arbeiten, ihre Produktivität zu steigern und gleichzeitig den CO2-Fußabdruck ihrer Produkte spürbar zu verringern.
Der Autor Jens Rollenmüller ist Regional Vice President bei Aras.