PLM erfolgreich einführen „Ingenieure werden zu Digital Thread Rangern“

Von Paul Kho 4 min Lesedauer

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Im Dialog zwischen Hasan Anac, Geschäftsführer von Var Industries, und Andreas Stegmeir, Leiter Technik Team bei Var Industries, wird deutlich, dass erfolgreiche PLM-Einführung weit über die Implementierung eines Software-Tools hinausgeht und eine organisatorische, strukturelle sowie kulturelle Transformation erfordert.

Hasan Anac, Geschäftsführer von Var Industries, und Andreas Stegmeir, Leiter Technik Team bei Var Industries: „PLM ist wie ein gemeinsames Drehbuch.“(Bild:  Var Industries)
Hasan Anac, Geschäftsführer von Var Industries, und Andreas Stegmeir, Leiter Technik Team bei Var Industries: „PLM ist wie ein gemeinsames Drehbuch.“
(Bild: Var Industries)

PLM ist längst kein Nischenthema mehr. Der Markt wächst, und insbesondere der Mittelstand holt spürbar auf, wie Studien von Bitkom und VDMA belegen. Im Dialog zwischen Hasan Anac, Geschäftsführer von Var Industries, und Andreas Stegmeir, Leiter Technik Team bei Var Industries, wird deutlich, dass erfolgreiche PLM-Einführung weit über die Implementierung eines Software-Tools hinausgeht und eine organisatorische, strukturelle sowie kulturelle Transformation erfordert. Unter dem Leitmotiv „Lernen. Optimieren. Skalieren.“ übernimmt Var Industries dabei die Rolle des Systemarchitekten des digitalen Fadens und verbindet Technologie, Prozesse und Menschen zu einer ganzheitlichen PLM-Landschaft.

Andreas Stegmeir: Viele Unternehmen versuchen, ihre Entwicklungsprozesse lediglich projektbezogen und operativ zu optimieren – ohne den Blick auf das große Ganze. In Vorgesprächen sind wir oft noch nicht einmal an dem Punkt, an dem klar wird, wie PDM oder PLM helfen kann, die Komplexität unternehmensweit zu reduzieren. Häufig hängt die digitale Produktentstehung an disziplininternen Datenproblemen. Oder wie siehst du das, Hasan?

Hasan Anac: Das Tagesgeschäft im Engineering ist meist in Inselstrukturen organisiert. Einfach gesagt: Die Datendurchgängigkeit fehlt, der sogenannte rote Faden existiert nicht.

Stegmeir: Das zeigt sich darin, dass Informationen aus E-Mail, Excel, CAD und anderen Systemen in separaten Silos liegen. Versionen sind unklar, Änderungen kommen zu spät oder ohne Kontext. Jede Disziplin arbeitet in ihren eigenen Tools, ohne echte Verbindung. Das erfordert Veränderungen in gewohnten Prozessen – und damit auch in der Arbeitsweise.

Anac: Genau hier liegt die Herausforderung. Das Tagesgeschäft dominiert, bestehende Muster bleiben aus Unsicherheit gegenüber Neuem bestehen. Erste Schritte sind, Workarounds transparent zu machen, Prozesse zu analysieren und manuelle Übergaben durch Standards zu ersetzen. Deshalb ist PLM kein IT-Projekt, sondern ein echtes Business-Projekt.

Stegmeir: Der Digital Thread ist das Nervensystem des Unternehmens – oder anders gesagt: das Google Maps der Produktentwicklung. Vorher herrscht eine verteilte Silostruktur, nachher eine durchgängige, verknüpfte Datenkette vom Konzept bis zum Service. Damit zeigt sich, dass die Grundlage für PLM weniger eine Tool-Frage als eine organisatorische, strukturelle und kulturelle Aufgabe ist.

Beispiel aus der Praxis: Robatech 

 Das Bild zeigt die Fassade eines modernen Geschäftshauses mit mehreren Etagen, das von großen Fenstern geprägt ist. Das Gebäude besitzt einen glatten, silbernen Metalllook und trägt das Logo von "Robatech" an einer prominenten Stelle. Vor dem Eingang sind stilvolle Pflanzen und Flaggen zu sehen. Eine auffällige spiralförmige Treppe führt zu einem oberen Bereich. Im Vordergrund parken mehrere Autos, und der Himmel ist in sanften Farben gehalten, was eine einladende Atmosphäre schafft.
Hauptsitz der Robatech AG im schweizerischen Muri.
(Bild: Robatech)

Um im internationalen Wettbewerb zu bestehen, müssen wir mit Funktionalität, Modularität und Qualität punkten und zugleich die Effizienz in unseren Prozessen steigern“, sagt Thomas Hilfiker, verantwortlich für PLM- und CAx-Anwendungen bei der Robatech AG. Mit Unterstützung der Var Group und deren Marke Var Industries automatisiert Robatech die Angebotserstellung für kundenspezifische Sonderanfertigungen. Vertriebsmitarbeiter können Parameter menügeführt eingeben, 3D-Modelle und Dokumente werden automatisch erstellt, klassifiziert und ins PLM-System zurückgespielt – in nur etwa zwei Minuten, ohne dass Entwickler eingreifen müssen. Das Ergebnis: schnellere Angebote, weniger Arbeitsaufwand für Konstrukteure und mehr Freiraum für Innovationen.

Anac: Produktdaten über den gesamten Lebenszyklus zu beherrschen – das ist der Kern. Das reduziert Suchzeiten, Rückfragen und Versionschaos. Bürokratie verschwindet. Vielleicht kannst du erläutern, wie sich das schrittweise umsetzen lässt.

Stegmeir: Mein persönlicher Tipp lautet: Behandle Daten wie Bauteile. Nimmt man das ernst, entstehen klar definierte Eigenschaften, eindeutige Identifikationen und kontrollierte Änderungen – ganz ohne Dateinamen wie „Baugruppe2_v3_neu_vonpeter_final.stp“. Daten werden so von lästigen Dokumenten zu wertvollen Engineering Assets.

Anac: Damit verändert sich auch der Mindset. Konstrukteure und Designer arbeiten bewusster im Team, Änderungen werden nachvollziehbar durchgeführt, Versionen als Entwicklungsstände verstanden. Die Zusammenarbeit wird strukturierter, weil alle mit derselben Quelle arbeiten und niemand mehr sucht.

Synergien schaffen

Die Grafik zeigt die Struktur digitaler Unternehmensprozesse ohne einen digitalen Thread. Oben steht der Titel "Digitale Unternehmensprozesse" und darunter der Hinweis "Ohne Digital Thread". In der linken Spalte sind die Bereiche MCAD und ECAD aufgeführt. Rechts wird auf die Bedeutung von Hardware, Software sowie Mitarbeitenden und Kunden hingewiesen. In der Mitte fließt ein Pfeil zu PLM, während ganz unten der Begriff "Produktentstehung" hervorgehoben ist. Der Hintergrund ist blau, was die Übersichtlichkeit der Informationen unterstützt.
(Bild: Var Industries )

Var Industries fungiert als Übersetzer zwischen Engineering und PLM. Damit agiert das Unternehmen nicht als klassischer Implementierer, der Software installiert und Prozesse dokumentiert. Vielmehr versteht es die Sprache von Konstrukteuren, Fertigern und Elektronikern, kennt die Logik und Grenzen von PLM-Systemen und verbindet beides zu einem digitalen Faden. So entstehen Synergien zwischen Mechanik, Elektrik, Software und Datenmanagement: Daten-Silos werden aufgebrochen, gemeinsame Datenmodelle definiert und Workflows harmonisiert. Am Ende können Engineering-Teams PLM als Werkzeug für effizientere Unternehmensprozesse nutzen.

Stegmeir: Sobald ein Ingenieur erkennt, dass die Datei zur Instanz des digitalen Bauteils geworden ist, versteht er, dass Daten Eigenschaften, Abhängigkeiten, Revisionen und Lebenszyklen besitzen. Dann haben auch STEP-Files eine Teilenummer und eine Materialliste.

Anac: Ingenieure, Mechanik-Konstrukteure und Elektronik-Designer werden damit zu „Digital Thread Rangern“, die entlang des digitalen Fadens für Ordnung im Informations-Wildwest sorgen. Praxisbeispiele wie bei Robatech (siehe Kasten) zeigen deutlich, welchen Effekt PLM-gestützte Prozessautomatisierung haben kann – etwa bei der Angebotskonstruktion, die durch RuleDesigner die Entwicklungsabteilung spürbar entlastet hat.

Stegmeir: Mit Lösungen wie Teamcenter lässt sich ein strategischer Ansatz zur Produktdatenbeherrschung schrittweise definieren. Entscheidend ist, PLM als Kollaborationsplattform zu verstehen und nicht als Kontrollinstrument. Das gilt auch für angrenzende Engineering-Tools, Simulation und ERP. Für mich ist PLM wie ein gemeinsames Drehbuch: Arbeiten alle nach derselben Story, entsteht ein guter Film und jede Wiederholung begeistert.

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Anac: Und unser Gespräch hier ist der Trailer dazu.

Das Gespräch wurde dokumentiert von Paul Kho, Senior Communications Manager bei Var Industries.