Kundenspezifischer Fahrantrieb  Intralogistik: Palettentransport neu gedacht

Von Stefan Federer 4 min Lesedauer

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Mit einem innovativen Doppelkufensystem optimiert Filics den Palettentransport in der Intralogistik. Mechanisch unabhängige, omnidirektionale Fahreinheiten ermöglichen effiziente Raumkonzepte. Der hochintegrierte Fahrantrieb kommt von Framo Morat.

Die Filics Unit besteht aus zwei physisch getrennten Roboterkufen und ist auf die Automatisierung des bodengebundenen Palettentransports spezialisiert. (Bild:  Filics)
Die Filics Unit besteht aus zwei physisch getrennten Roboterkufen und ist auf die Automatisierung des bodengebundenen Palettentransports spezialisiert.
(Bild: Filics)

Mit dem Doppelkufensystem verfolgt Filics einen innovativen Ansatz für den innerbetrieblichen Transport von Europaletten und ähnlichen Ladungsträgern. Während herkömmliche FTS- und AMR-Konzepte in der Regel Platz für Wendemanöver, Rangierflächen und Sicherheitsabstände benötigen, wurde das Filics-System konsequent auf maximale Flächeneffizienz ausgelegt. Ziel von Filics ist es, den automatisierten Palettentransport auf das allernötigste zu reduzieren: zwei flache Kufen.

Die sogenannte Filics Unit besteht aus zwei unabhängig voneinander agierenden Fahreinheiten, die eine Palette direkt vom Boden aufnehmen und sich exakt unter ihr positionieren. Das Fahrzeug verschwindet damit funktional und optisch fast vollständig unter der Last. Für den Transport wird nur so viel Raum benötigt, wie die Palette selbst beansprucht. Dies ermöglicht einen Materialfluss auch in sehr engen Lager- und Produktionsbereichen, in denen klassische Fahrzeuge an ihre Grenzen stoßen. Bei kurzen Transportstrecken von etwa 10 m kann sich der Flächenbedarf im Vergleich zu klassischen Flurförderfahrzeugen um bis zu 50 Prozent reduzieren.

Die Filics Unit: Omnidirektional, wendekreisfrei und hochflexibel

Der kundenspezifisch entwickelte, hochintegrierte Fahrantrieb von Framo Morat kommt in der Filics Unit zum Einsatz.(Bild:  Filics)
Der kundenspezifisch entwickelte, hochintegrierte Fahrantrieb von Framo Morat kommt in der Filics Unit zum Einsatz.
(Bild: Filics)

Ein zentrales Merkmal des Systems ist der omnidirektionale Antrieb. Die Filics Unit kann sich in jede Richtung bewegen, drehen oder seitlich versetzen, ohne zusätzliche Fahrmanöver durchführen zu müssen. Dadurch entfallen zeit- und platzintensive Wendemanöver vollständig. Die Bewegungen sind präzise steuerbar und lassen sich individuell an unterschiedliche Layouts und Prozessanforderungen anpassen.

Diese Bewegungsfreiheit bildet die Grundlage für eine hohe Systemflexibilität. Die Filics Unit kann nicht nur Paletten transportieren, sondern sich auch dynamisch an wechselnde Materialflüsse anpassen. Dadurch eignet sich das System sowohl für klassische Lageranwendungen als auch für den Einsatz in der Produktion, beispielsweise zur Linienver- oder -entsorgung.

Technologische Innovation: Durchfahren statt Umfahren

Ein wesentliches Alleinstellungsmerkmal des Filics-Systems ist die Fähigkeit, Ladungsträger zu durchfahren. Die beiden Fahreinheiten können eine Palette jeweils an den kurzen Seiten unterfahren und wieder verlassen. Das System ist dadurch in der Lage, Paletten aktiv zu „durchdringen“, anstatt sie lediglich von außen zu bewegen. Diese Eigenschaft eröffnet neue Möglichkeiten in der Automatisierung. Erstmals lassen sich Bodenblocklager automatisieren, ohne dass zusätzliche Fördertechnik, Übergabestationen oder feste Fahrgassen erforderlich sind. Auch FiFo-Puffer können direkt mit autonomen Fahrzeugen bedient werden. Gleichzeitig steigt die Stellplatzkapazität, da der verfügbare Raum deutlich effizienter genutzt wird.

Robuste Auslegung für den industriellen Dauerbetrieb

Die Filics Unit zeichnet sich vor allem durch die flache und kompakte Bauweise aus, die Kufen sind nur unwesentlich länger als eine Europalette. Dadurch wird eine Automatisierung auch in sehr engen, organisch gewachsenen Gebäuden möglich.(Bild:  Filics)
Die Filics Unit zeichnet sich vor allem durch die flache und kompakte Bauweise aus, die Kufen sind nur unwesentlich länger als eine Europalette. Dadurch wird eine Automatisierung auch in sehr engen, organisch gewachsenen Gebäuden möglich.
(Bild: Filics)

Das innovative Fahrzeugkonzept stellte außergewöhnlich hohe Anforderungen an den eingesetzten Fahrantrieb. Hierzu zählen die kompakte Bauweise bei gleichzeitig hoher Leistungsdichte, eine feinfühlige Regelbarkeit sowie eine robuste Auslegung für den industriellen Dauerbetrieb. Hinzu kamen hohe mechanische Belastungen und die Notwendigkeit einer nahtlosen Integration in die Gesamtfahrzeugarchitektur. Der Fahrantrieb musste nicht nur die reine Fahrbewegung ermöglichen, sondern auch einen entscheidenden Beitrag zur Gesamtperformance des Systems leisten. Zuverlässigkeit, Lebensdauer und Effizienz waren dabei ebenso wichtig wie die Möglichkeit, den Antrieb exakt auf die Anforderungen der Anwendung abzustimmen.

Radnabengetriebe-Plattform von Framo Morat als technologische Basis

Die Plattform-Nabengetriebe von Framo Morat sind in drei Baugrößen in jeweils ein- und zweistufiger Ausführung erhältlich. Das NG250 (links) kann bis zu 250 kg Traglast pro Rad abdecken, das NG500 (mittig) bis zu 500 kg. Durch das neue NG750 (rechts) wurde der Radiallastbereich auf bis zu 750 kg pro Rad erweitert. (Bild:  Framo Morat)
Die Plattform-Nabengetriebe von Framo Morat sind in drei Baugrößen in jeweils ein- und zweistufiger Ausführung erhältlich. Das NG250 (links) kann bis zu 250 kg Traglast pro Rad abdecken, das NG500 (mittig) bis zu 500 kg. Durch das neue NG750 (rechts) wurde der Radiallastbereich auf bis zu 750 kg pro Rad erweitert.
(Bild: Framo Morat)

Framo Morat konnte bei der Entwicklung auf seine bewährte Radnabengetriebe-Plattform zurückgreifen, die speziell für mobile Anwendungen wie FTS und AMR entwickelt wurde. Die Plattform umfasst die drei Baureihen NG250, NG500 und NG750, die in jeweils ein- oder zweistufiger Ausführung erhältlich sind.

Allen Baureihen gemeinsam sind eine kompakte Bauweise, eine hohe Leistungsdichte sowie die Integration des Getriebes direkt in die Radnabe. Dadurch entfallen zusätzliche Übertragungselemente wie Ketten, Riemen oder externe Getriebe. Das spart Bauraum, reduziert die Anzahl der Bauteile und erhöht die Gesamteffizienz des Fahrzeugs. Je nach Baureihe lassen sich unterschiedliche Fahrzeuggewichte, Beschleunigungen und Einsatzprofile realisieren – von leichten Transportaufgaben bis hin zu hochbelastbaren Fahranwendungen.

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Maßgeschneiderte Antriebstechnologie für innovative Automatisierung

Für das Filics-Projekt dienten die NG-Radnabengetriebe als technologische Basis, wurden jedoch im Rahmen einer kundenspezifischen Entwicklung gezielt weiterentwickelt. Übersetzungen, Lagerkonzepte, mechanische Schnittstellen sowie die Integration in die Fahrzeugstruktur wurden exakt auf die Anforderungen des Doppelkufensystems abgestimmt. Dabei flossen sowohl die spezifischen Lastfälle als auch die besonderen Bewegungsprofile des Fahrzeugs in die Auslegung ein.

In enger Zusammenarbeit zwischen Filics und Framo Morat entstand so ein leistungsstarker und zugleich ultra-kompakter Fahrantrieb, der optimal in das Gesamtsystem integriert ist. In der ersten Systemgeneration ermöglichen die individuell entwickelten Fahrantriebe ein Gesamthubgewicht von bis zu 800 kg sowie Fahrgeschwindigkeiten von bis zu 1,2 m/s.

Entwicklung, Industrialisierung und Serie aus einer Hand

Neben der Entwicklungskompetenz bringt Framo Morat auch umfassende Erfahrung in der Industrialisierung und Serienfertigung kundenspezifischer Antriebssysteme ein. Der strukturierte Entwicklungsprozess reicht von der Konzeptphase über Simulation, Prototypenbau und Validierung bis hin zur Serienfreigabe. Eine hohe Fertigungstiefe, klar definierte Prozesse und ein konsequentes Qualitätsmanagement gewährleisten dabei reproduzierbare Qualität auch bei komplexen Sonderlösungen.

Das Projekt mit Filics zeigt exemplarisch, wie modulare Plattformen als Ausgangspunkt für maßgeschneiderte Antriebslösungen dienen können. Framo Morat untermauert damit seine Leistungsfähigkeit als Entwicklungspartner für anspruchsvolle mobile Anwendungen – von der ersten Idee bis zur Serienproduktion. Der Entwicklungspfad endet jedoch nicht mit dem Serienstart – weitere Ausbaustufen des Doppelkufensystems sind bereits in der Pipeline, vom Nachschieben von Palettenreihen bis hin zur vollautonomen Be- und Entladung von Lkw.

Stefan Federer ist Leiter Marketing & Unternehmenskommunikation bei Framo Morat.