20.07.2021 – Kategorie: Automatisierung & Robotik

Mobile Roboter: Das steckt hinter dem Kauf von Asti durch ABB

Mobile Roboter: Das steckt hinter dem Kauf von Asti durch ABBQuelle: ABB/Asti

Firmen kaufen Firmen. Manchmal bleibt der Sinn unklar. ABB kauft den Mobile-Roboter-Spezialisten Asti und alle Warum-Fragen sind beantwortet.

  • Asti bietet ein umfangreiches Portfolio an mobilen Robotern und Software und ist weltweit im wachsenden Markt für autonome mobile Roboter (AMR) aufgestellt
  • Kauf erweitert bestehende Robotik und Automatisierung bei ABB und trägt zu einem breiten Automatisierungsportfolio für weitere Industriesegmente bei
  • Veronica Pascual Boé, CEO von Asti, führt weiterhin AMR-Geschäftseinheit mit Hauptsitz in Burgos, Spanien. Zudem soll ein neues AMR-Zentrum für Asien inklusive Fertigung in ABB Robotics-Fabrik in Shanghai eröffnen

ABB möchte Asti Mobile Robotics Group (ASTI) übernehmen, einem wichtigen Hersteller von autonomen mobilen Robotern (AMR). Damit erweitert ABB das Angebot an robotergestützten Automatisierungslösungen für die flexible Automatisierung. Die Akquisition ist Teil der erklärten Wachstumsstrategie von ABB im Bereich Robotik. Der Kaufvertrag wurde am 19. Juli unterzeichnet und die Transaktion wird voraussichtlich im Laufe des Sommers abgeschlossen. Über den Kaufpreis wollen beide Parteien schweigen.

Mobile-Roboter-Anbieter Asti: Die Geschichte

Asti wurde 1982 gegründet, hat ihren Hauptsitz in Burgos, Spanien, und beschäftigt mehr als 300 Mitarbeitende in Spanien, Frankreich und Deutschland. Das Unternehmen befindet sich im Mehrheitsbesitz von CEO Veronica Pascual Boé.

Sami Atiya, Leiter des Geschäftsbereichs Robotik & Fertigungsautomation von ABB, und Veronica Pascual Boé, CEO von ASTI
Sami Atiya, Leiter des Geschäftsbereichs Robotik & Fertigungsautomation von ABB, und Veronica Pascual Boé, CEO von Asti.

Zu den weiteren Gesellschaftern gehört der europäische Wachstumsinvestor Keensight Capital. Heute unterstützt das Unternehmen eine der größten AMR-Flotten in Europa und verfügt in 20 Ländern in den Branchen Automobil, Logistik, Lebensmittel und Getränke sowie Pharma und Kosmetik über eine breite Kundenbasis. Seit 2015 verzeichnet das Unternehmen ein jährliches Wachstum von fast 30 Prozent. Für 2021 liegt der erwartete Umsatz bei rund 50 Millionen US-Dollar.

Was ABB und Asti zum Kauf erklären

Sami Atiya, Leiter des Geschäftsbereichs Robotik & Fertigungsautomation von ABB, erläutert: „Mit ihrem Portfolio, ihrer Software Suite und ihrer Fachkompetenz in wichtigen Wachstumssegmenten ist Asti das perfekte Unternehmen für uns, um unsere Kunden mit der nächsten Generation flexibler Automatisierung zu unterstützen. ABB verfügt jetzt als einziges Unternehmen über ein vollständiges Automationsportfolio aus AMR, Robotern und Maschinenautomationslösungen – von der Produktion über die Logistik bis hin zum Endverbraucher. Mit unserem Angebot schaffen wir für unsere Kunden einen großen Mehrwert: Sie können sich auf individuelle Konsumentenwünsche einstellen und die Chancen nutzen, die sich aus den grundlegenden Veränderungen des Konsums ergeben.“

Eines kann man unterschreiben: AMR bieten Flexibilität in der Produktion, Logistik, Intralogistik und Auftragsabwicklung oder auch im Handel und Gesundheitswesen. Geht es nach ABB und dem neuen Mitglied der Firmengruppe, Asti, wollen sie Unternehmen dabei zu helfen, die heutigen linearen Produktionslinien durch vollständig flexible Netzwerke zu ersetzen. In diesen navigieren intelligente AMR selbstständig Materialien, Komponenten und Endprodukte zwischen intelligenten, vernetzten Arbeitsstationen in Fabriken, Logistikzentren, Laboratorien, Geschäften oder Spitälern.

Veronica Pascual Boé, CEO von ASTI, kommentiert: „Die Visionen von ABB und ASTI passen perfekt zusammen. Beide Unternehmen haben sich zum Ziel gesetzt, die Flexibilität und Wettbewerbsfähigkeit ihrer Kunden durch verstärkte Automatisierung am Arbeitsplatz zu steigern. Dies ist die nächste spannende Etappe auf unserer Reise. Gemeinsam werden wir unsere Innovationspläne vorantreiben, unseren globalen Kundenservice, unser Partnernetzwerk sowie unsere Produktions- und Fertigungskapazitäten ausbauen und den weltweiten Marktzugang von ABB, insbesondere in China, nutzen. Ich freue mich darauf, Teil des erweiterten Managementteams von Robotics zu werden und das AMR-Geschäft weiter zu führen, um diesen ambitionierten Wachstumsplan umzusetzen.“

Mobile Roboter: Diese Lösungen bietet Asti

Das AMR-Portfolio von Asti umfasst autonome Fahrzeuge inklusive Zugmaschinen, Goods-to-Person-Lösungen und Gabelstapler sowie ein umfassendes Softwareangebot, das von der Fahrzeugnavigation und -steuerung über das Flotten- und Auftragsmanagement bis hin zu cloudbasierten Systemen zur lückenlosen Rückverfolgung reicht.

Mobile Roboter
Mobile Roboter waren bei ABB bisher nicht im Vordergrund – der Kauf von Asti bringt ABB hier nach vorne.

Dieses Angebot soll nun in das ABB-Portfolio integriert werden, das bereits Roboter, Maschinenautomation, modulare Lösungen und Softwareanwendungen einschließlich der Software RobotStudio umfasst. Das ist ein Simulations- und Programmiertool.

ABB und Asti bringen zudem Branchenkenntnisse aus der Fertigungsindustrie mit, darunter die Automobilindustrie, die Lebensmittel- und Getränkeindustrie, die Konsumgüterindustrie sowie in neuen Wachstumssegmenten wie Logistik, E-Commerce, Detailhandel und Gesundheitswesen.

Wachstumsmarkt „mobile Roboter“

Der weltweite Umsatz mit Autonomen Mobilen Robotern wird bis 2025 voraussichtlich rund 14 Milliarden US-Dollar erreichen, mit einer jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von etwa 20 Prozent (ABB-Schätzung). ABB beabsichtigt, den Vertrieb und den Service von Autonomen Robotern weltweit auf 53 Länder auszuweiten.

Aus Asti wird zentrale Anlaufstelle für AMR innerhalb von ABB

Der Hauptsitz von Asti in Burgos bleibt bestehen und wird vielmehr zur Zentrale der AMR-Geschäftseinheit von ABB ausgebaut, die von der Asti-CEO Veronica Pascual Boé geleitet wird. Die Kernfunktionen, zu denen F&E, Ingenieurswesen sowie die Produktion zählen, werden an den Standorten von Asti weitergeführt. ABB wird die Produktionskapazitäten am Hauptsitz des AMR-Geschäfts deutlich ausbauen, um die geplante Absatzsteigerung in Europa und auf dem amerikanischen Kontinent zu unterstützen. Zudem wird ABB in ihrer neuen Roboterfabrik, die 2022 in Shanghai eröffnet wird, ein AMR-Zentrum für Asien aufbauen, das die gesamte Wertschöpfungskette inklusive Fertigung umfasst, um das Wachstumspotenzial für AMR in China und Asien zu erschließen. In China, dem weltweit größten Robotikmarkt, soll der Markt für AMR bis 2025 jährlich 1,8 Milliarden US-Dollar betragen.

Wachstumsstrategie Robotik bei ABB

Die Übernahme durch ABB Robotics erfolgt kurz nachdem das Unternehmen angekündigt hat, mit ihren Automatisierungslösungen neue Sektoren und Erstanwender zu erschließen. Erst kürzlich hat ABB Robotics die neuen kollaborativen Roboterfamilien GoFa und Swifti vorgestellt und Automatisierungslösungen in der Bauindustrie angekündigt.

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