Zero Impact Products  Mit Kreislaufwirtschaft grüne Wachstumsmärkte erschließen

Von Alexander Appel 4 min Lesedauer

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Klimawandel und Umweltbelastung erfordern eine nachhaltige Unternehmensausrichtung. Zero Impact Products gelten dabei als Ziel. Für die nötige Transformation ist die Kreislaufwirtschaft zentral – vorausgesetzt, der vollständige Produktzugriff ist gewährleistet.

Mithilfe einer ganzheitlichen Kreislaufwirtschaftsstrategie lassen sich Produktentwicklungs- und Produktherstellungsprozesse sowie die daraus resultierenden Erzeugnisse ohne negative Umweltauswirkungen gestalten.(Bild:  Dilok/AdobeStock)
Mithilfe einer ganzheitlichen Kreislaufwirtschaftsstrategie lassen sich Produktentwicklungs- und Produktherstellungsprozesse sowie die daraus resultierenden Erzeugnisse ohne negative Umweltauswirkungen gestalten.
(Bild: Dilok/AdobeStock)

Das 1,5-Grad-Ziel benötigt eine Emissionsreduktion von sieben Prozent pro Jahr. Innovative, klimafreundliche Produkte zu planen und entwickeln, ist daher entscheidend für eine nachhaltige Zukunft. Sie helfen Unternehmen, Ressourcen zu schonen, sind gleichzeitig ein Kauf- und Investitionskriterium für Kunden und Shareholder und auch notwendig, um Regulatoriken einzuhalten. Die entscheidende Frage ist, wie sich Produktentwicklungs- und Produktherstellungsprozesse sowie die daraus resultierenden Erzeugnisse ohne negative Umweltauswirkungen gestalten lassen. Eine valide Antwort darauf lautet: Mithilfe einer ganzheitlichen Kreislaufwirtschaftsstrategie. Sie sollte das Ziel einer vollständig regenerativen Wertschöpfungskette verfolgen, die ohne den Verbrauch endlicher Ressourcen auskommt und die Entstehung von Abfall verringert.

Holistische Auseinandersetzung mit der Kreislaufwirtschaft

Zirkuläre Strategien und Dienstleistungsorientierung als Basis für zirkuläre Geschäftsmodelle.(Bild:  Borderstep-Institut, basierend auf Hansen et al (2021, S. 32))
Zirkuläre Strategien und Dienstleistungsorientierung als Basis für zirkuläre Geschäftsmodelle.
(Bild: Borderstep-Institut, basierend auf Hansen et al (2021, S. 32))

Planetare Grenzen verlangen eine systematische Perspektive und eine konsequente Umsetzung von Circular Economy. Grundvoraussetzung für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft ist der volle Zugriff auf die Produktentstehung und den End of Life. Ohne deren Rückfluss am Lebensende, ist der Kreislauf zum Scheitern verurteilt.

Damit eine Kreislaufwirtschaft entsteht, die über die klassische kreislauforientierte Abfallwirtschaft hinausgeht, sollten Unternehmen Material- und Rohstoffkreisläufe viel weiterdenken als bisher. Unterstützung bieten zirkuläre Geschäftsmodelle, die in der Designphase von Produkten beginnen und den Service-Aspekt in den Fokus rücken. Sie umfassen zehn sogenannte „R-Konzepte“. Diese reichen von Remanufacturing und Recycling bis zum Einsatz neuer ergebnisorientierter Dienstleistungen. Sie systematisieren verschiedene zirkuläre Strategien in einer Hierarchie, ergänzen sich gegenseitig und koexistieren.

Dienstleistungsorientierung, zum Beispiel in Form von Beratung und Betreuung, Leasingmodellen oder Outsourcing, gilt dabei als zentraler Ansatz für das Wirtschaften in Kreisläufen. Die Idee dahinter ist, Maschinen, Anlagen oder Komponenten nicht als solche zu verkaufen, sondern lediglich zur Nutzung zu überlassen. Als Grundlagen für die Entwicklung zirkulärer Geschäftsmodelle gilt es, die Dienstleistungsorientierung mit den R-Strategien zu verknüpfen. Einen wesentlichen Beitrag können zudem grüne Technologien leisten, insbesondere bei der Gestaltung von nachhaltigem Produktdesign, Effizienzsteigerungen im Produktionsprozess oder durch Recycling von Altprodukten.

Beispiele für zirkuläre Wachstumsmärkte

Es gibt bereits einige Best Practices für zirkuläre Wachstumsmärkte. Dazu gehören Unternehmen, die Traktionsbatterien aus Elektrofahrzeugen demontieren und wiederaufbereiten, um Batterien einem Second-Life-Markt zuzuführen und Rohstoffe rückzugewinnen. Das steigert die Ressourceneffizienz, vermindert Elektroschrott und gefährliche Abfälle, fördert geschlossene Materialkreisläufe und trägt zur Energiewende bei. Ähnliche Effekte hat die Wiederverwendung gebrauchter Photovoltaikmodule. Hier werden bei der Instandsetzung zusätzlich Prinzipien des zirkulären Designs eingesetzt.

Ein weiteres Beispiel ist die Wiederaufbereitung von gebrauchten wiederverwendbaren Geräten und Komponenten, etwa für Baumaschinen, Bergbaufahrzeuge oder Krane. Die Teile werden demontiert, gereinigt sowie repariert oder ausgetauscht und anschließend zu einem neuwertigen Produkt zusammengebaut. Dies verlängert die Nutzungsdauer und spart bis zu 75 Prozent Rohmaterial gegenüber einer Neuproduktion.

Im Bereich Dienstleistungsorientierung zählen Garantieverlängerungen, Reparaturdienste, die Bereitstellung von Ersatzteilen sowie die Rücknahme von Altgeräten zu den gängigen Services. Aber auch das Leasing von Produkten wie Wärmepumpen, inklusive Installation, Wartung und Reparatur, sowie Pay-per-Part-Modelle, bei denen Kunden die Geräte des Herstellers mitnutzen und nur für die Teile zahlen, die sie haben anfertigen lassen, sind im Kommen.

Kurz gesagt

Für den Wandel zur zirkulären Wirtschaft müssen Unternehmen ihre Umweltauswirkungen anhand von Material-, Produkt- und Umweltdaten systematisch messen. Grundvoraussetzung ist der volle Zugriff auf die Produktentstehung und den End of Life.

Digitale Transparenz als Grundbedingung

Für den Wandel zur zirkulären Wirtschaft müssen Unternehmen ihre Umweltauswirkungen anhand von Material-, Produkt- und Umweltdaten systematisch messen. Dabei ist der Lebenszyklus eines Produkts und seiner Bestandteile zu berücksichtigen – von Produktzusammensetzung und -herstellung bis hin zur (erweiterten) Nutzung. Vervollständigt wird dies durch den Datenaustausch mit Stakeholdern wie Zulieferern und Nutzern. Eine integrierte Prozess- und Datenlandschaft schließt digitale Kreisläufe und schafft damit die erforderliche Transparenz für Entscheidungen in der Produktentwicklung.

Welche Daten im Einzelnen benötigt werden, ergibt sich aus den zum Einsatz kommenden Bewertungsmethoden. Hier existieren eine Reihe von Standards und Indikatoren, die jeweils unterschiedliche, aber ebenso relevante Teilaspekte betrachten: etwa den Materialfluss, die Langlebigkeit, das Geschäftsmodell, Umweltauswirkungen entlang des Lebenszyklus‘ oder die konstruktionsbedingten Möglichkeiten zu einer Weiternutzung des Produkts und seiner Bestandteile. Einen anerkannten Indikator, der alle Aspekte integriert, gibt es bislang aber nicht. Dieser soll jedoch durch die EU-Ecodesign-Verordnung geschaffen werden.

Bis dahin können sich Unternehmen an einem Punktesystem auf Basis eines morphologischen Kastens orientieren. Beispielsweise lässt sich der Anteil recycelter Materialien feststellen, indem der Anteil von Recycling-Materialien und Sekundär-Rohstoffen in einem Produkt quantifiziert wird. Zur Messung des Circularity-Levels für Wiederverwertbarkeit werden etwa die Nutzung standardisierter Komponenten, die Modularität oder die Möglichkeit zur hochreinen Sortierung der Materialien betrachtet. So kann man die Kreislauffähigkeit mithilfe der Indikatoren nacheinander bewerten und abschließend ein Kreislauffähigkeitsindex für das Produkt ermitteln. Das steigert die Transparenz und Vergleichbarkeit und ermöglicht die Ableitung von Maßnahmen zur Verbesserung.

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Ökonomische und ökologische Vorteile

Zusammenfasend lässt sich sagen: Nicht nur vor dem Hintergrund der Umwelt- und Klimaziele, sondern auch aufgrund des verschärften Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes, sollten sich Unternehmen mit dem Konzept der Kreislaufwirtschaft näher beschäftigen. Circular Economy ist ein Potenzialträger für die Erschließung grüner Wachstumsmärkte und mit digitalen Technologien sowie GreenTech-Ökosystemen schon heute umsetzbar. Wichtig ist, von der Designphase von Produkten bis hin zu Service-Aspekten den gesamten Zyklus zu betrachten. Außerdem brauchen Unternehmen zu jedem Zeitpunkt und entlang der gesamten Lieferkette relevante Daten und Informationen – nur so lassen sich Nachhaltigkeitsstrategien entwickeln und Produkte nachhaltig gestalten.

Der Autor Alexander Appel ist Manager Sustainability Transformation bei der Management- und IT-Beratung MHP.