Mit Internet der Dinge (IoT) zu neuen Geschäftsmodellen – Daten genauso wichtig wie Produkte selbst

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Ideen sind dank dem Internet der Dinge (IoT) wieder Gold wert, denn sie werden schnell Realität. Früher waren es Herstellung und Verkauf von Produkten, heute ist das Spektrum möglicher Dienstleistungen und Abrechnungsmodelle viel breiter.
Internet der DingeQuelle: NicoElNino - Shutterstock_

Thomas Böing, Consultant für IoT und ERP bei Comarch, erklärt, welche Ideen der IT-Lösungsanbieter im Bereich Internet der Dinge (IoT) bei Unternehmen aus Fertigung und Handel bereits umgesetzt hat. Daten und das Wissen über ein Produkt sind jetzt so wichtig wie das Produkt selbst. Durch Big Data eröffnen sich ganz neue Service-, Gewährleistungs- und Abrechnungsmodelle wie Machine-as-a-service.

Ermöglicht wird diese zusätzliche Wertschöpfungsebene durch das Internet der Dinge: Wenn smarte Maschinen miteinander kommunizieren, wird nicht nur die klassische Produktionslinie digitalisiert, nebenher entstehen sogar noch ganz neue Geschäftsmodelle als weitere Standbeine.

Internet der Dinge: auf dem Weg zum datengetriebenen Geschäftsmodell

Jeder kennt die klassische Fertigungskette: In der Produktionslinie wird ein bestimmtes Produkt hergestellt und anschließend an Kunden verkauft. Durch Digitalisierung lassen sich in allen Prozessen Weichen neu stellen und Stellschrauben anziehen, um eine straffere Produktion mit Effizienzsteigerungen umzusetzen. Das Internet of Things macht Prozesse einfach, die früher kompliziert waren, weil es den Aktionsradius deutlich erweitert: Machine-to-Machine, Machine-to-ERP und People-to-Machine – dank IoT wissen smarte Maschinen selbst, was sie fertigen und reporten darüber an ERP und Mitarbeiter. Die gesammelten Daten in Form von Big Data stehen für weitere Analysen und Anwendungen im Bereich Künstliche Intelligenz zur Verfügung.

Richtig spannend wird es aber, wenn man einen Schritt weiter geht: Mit Internet der Dinge wird das klassische Geschäftsmodell rund um die Herstellung eines Produktes in einem nie dagewesen Umfang erweitert. Neue Geschäftsmodelle und sogar neue smarte Produkte erschließen neue Absatzkanäle, neue Verkaufsmodelle und neue Zielgruppen.

Internet der Dinge (IoT): Machines as a Service, Big Data und künstliche Intelligenz

Durch die Digitalisierung mit IoT wird einiges auf den Kopf gestellt. Unternehmen, die lange nur den Großhandel bedienen konnten, erschließen sich durch Direct-to-Customer-Vertrieb neue Absatzquellen. Zudem können sie ihre Ressourcen und Dienstleistungen auch für Servicepartner wie werkstattlose Handwerker anbieten, welche damit ihren eigenen Kunden durch den Zugriff über IoT auf die Produktionsprozesse besseren und weniger aufwendigen Service bieten können. Auf der gesamten Wertschöpfungskette entstehen Added Values, welche sich in einer verbesserten Kundenbindung spiegeln. So werden auch bessere Durchlaufzeiten oder Auftragsänderung direkt an die Produktionsmaschine ermöglicht.

Machine-as-a-Service wird damit in der Praxis steuerbar und zu einem lukrativen Zusatzgeschäft. Wer lange mit Herstellung und Verkauf simpler Produkte sein Geld machte, kann heute durch smarte Produkte ganz neue Marktsegmente erschließen. Diese smarten Produkte generieren mit zusätzlichen Serviceleistungen rund um Künstliche Intelligenz wie Predictive Maintenance oder Wissen aus den „gesammelten“ Daten weitere Umsätze.

Internet der Dinge: Praxisbeispiele bei Produktionsunternehmen

Konkrete Anwendungsfälle bei Produktionsunternehmen zeigen, wie diese Ziele und Herausforderungen in der Praxis umgesetzt wurden.

Anwendungsfall 1: Produzieren für Großhandel, Servicepartner und Direct-to-Customer

Immer häufiger entscheiden sich Firmen, welche auf Produktion spezialisiert sind, auch den Vertrieb zu übernehmen. Um vielfältigen Arten von Kunden wie Großhandel, Servicepartner und Endkunden parallel zu bedienen, wurde Comarch ERP implementiert, welches ein solches multidimensionale Geschäft durch eine offene Prozessarchitektur exakt abbilden kann und alle Daten in Echtzeit verarbeitet. Mit der Anbindung an Comarch IoT wurde zudem eine vollautomatisierte Fertigung nach Kundenwunsch umgesetzt. Für diesen Schritt sprechen einerseits die direkten Absatzwege unter Umgehung des Zwischenhandels, daraus resultierend Margengewinne, die Positionierung als Marke gegenüber dem Endkunden, andererseits das Alleinstellungsmerkmal gegenüber Wettbewerbern.

Anwendungsfall 2: Smarte Produkte verkaufen und warten

Im ersten Fall hat ein Unternehmen seine Produkte beibehalten und sich auf die Erweiterung seiner Kundenkreise konzentriert und den Radius auf Endkunden und Servicepartner ausgedehnt. Man kann aber auch den umgekehrten Weg beschreiten und seine Produkte revolutionieren. Mit dem Einsatz der Industrie-4.0-Lösung Comarch IoT wurden Produkte in intelligente Produkte verwandelt. Durch Einsatz von Sensoren mit Anbindung an das Internet of Things weiß das Produkt dann in Zukunft selbst, wann es Pflege oder Wartung benötigt. Es erfolgt eine direkte und vollautomatische Rückmeldung an Comarch ERP Enterprise, welches dem Hersteller nun zeigt, dass sein Servicetechniker das Produkt vor Ort entsprechend zu warten hat.

Weitere Anwendungsfälle bei Kunden zeigen, welche Ziele oder Herausforderungen mit welchen Lösungen angegangen wurden und welchen Nutzen die Unternehmen daraus zogen. Es mangelt also weder an der Technologie, noch an Ideen, noch an Beispielen für den erfolgreichen Einsatz. Deshalb wage ich als Schlusswort zu prognostizieren, dass sich Produktionsunternehmen verstärkt mit diesen neuen, datengetriebenen Modellen positionieren werden.

Über den Autor: Thomas Böing ist IoT und ERP Consultant bei Comarch und begleitet zahlreiche Implementierungsprojekte aus dem Bereich Internet of Things und Enterprise Resource Planning bei namhaften Kunden aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Comarch ist Anbieter von ERP-, IoT-, E-Invoicing- sowie Cloud-Lösungen für den Mittelstand, Kleinbetriebe, größere Unternehmen. (sg)

Mehr zum Internet der Dinge (IoT) lesen Sie hier: Wenige Hersteller dominieren den IoT-Gerätemarkt

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