Medizintechnik-Messe: in 10 Jahren von 100 Ausstellern auf 1.000

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Die MEDTEC Europe, die in diesem Jahr vom 13. bis 15. März in Stuttgart stattfindet, hat sich zur führenden europäischen Medizintechnikmesse entwickelt. Gregor Bischkopf, verantwortlicher Messemanager des Veranstalters UBM Canon, erläutert im Gespräch mit dem DIGITAL ENGINEERING Magazin die wichtigsten Ausstellungsbereiche der diesjährigen Messe und nimmt Stellung zu Trendthemen der Branche.


DIGITAL ENGINEERING Magazin: Herr Bischkopf, was sind eigentlich für Sie persönlich die faszinierendsten drei Medizintechnikprodukte der letzten Jahre?


Gregor Bischkopf: Hier drei Produkte hervorzuheben fällt mir äußerst schwer, bzw. ist für mich persönlich unmöglich. Ich bin immer wieder davon überwältigt, welche Krankheiten und Gebrechen wir Menschen in der heutigen Zeit mit unseren technologischen Fähigkeiten heilen, lindern oder einfach nur erträglich machen können. So erlebe auch ich bei jeder unserer Messen einen echten „Wow-Effekt“ und bin begeistert, was die Medizintechnik heute alles leisten kann.

DEM: Die Branche hat sich in den vergangenen 10 Jahren sehr dynamisch entwickelt. Genauso wie die MEDTEC, die 2002 mit 100 Ausstellern startete und dieses Jahr auf 1000 Aussteller kommt – Glückwunsch! Eventveranstalter UBM Canon hatte offenbar die richtige Idee zur richtigen Zeit?

Gregor Bischkopf: Vielen Dank für die Glückwünsche, die ich gerne für das komplette Team entgegennehme. Denn natürlich gehört ein Portion Glück dazu, das richtige Thema mit einer Messe zu besetzen, in der es solche Wachstumszahlen gibt, wie in der Medizintechnik in den vergangenen Jahren. Aber es gehört ebenfalls ein Team dazu, das den Markt beobachtet und Trends erkennt. Dahingehend haben wir wohl in den vergangenen Jahren einiges richtig gemacht. Das heißt aber natürlich nicht, dass wir uns jetzt zurücklegen dürfen. Jetzt geht es vielmehr darum, in dem ehemaligen Nischenmarkt der Medizintechnik zu erkennen, wo die neuesten Entwicklungen und Fortschritte entstehen, die wir dann in unser Messekonzept einbringen werden.

DEM: Wo sehen Sie mächtigsten Wachstumstreiber der Medizintechnikbranche?

Gregor Bischkopf: In der Medizintechnik sehen wir nicht einen einzelnen Zulieferbereich als klar dominierend an. Es ist vielmehr so, dass auch die kleinste Nische von enormer Wichtigkeit ist. Trotzdem – im Hinblick auf das Marktvolumen sind ganz klar die Bereiche Metall- und Kunststoffbearbeitung führend. Das spiegelt sich letztlich auch in der Anzahl unserer Aussteller wider.

DEM: …und welche Faktoren könnten das Wachstum in Zukunft bremsen?

Gregor Bischkopf: Das Wachstum der Medizintechnikbranche wird durch ein global schwieriges Marktumfeld beeinflusst. So spielen unter anderem Faktoren wie Kosten- und Wettbewerbsdruck eine bedeutende Rolle. Darüber hinaus beeinflussen die umfangreichen Regularien der Märkte sowie die lokalen Besonderheiten der nationalen Gesundheitssysteme die Entwicklung der Medizintechnik sehr.

DEM: Wie reagieren insbesondere die deutschen Anbieter auf die aktuellen Herausforderungen in der Medizintechnik?

Gregor Bischkopf: Insbesondere die deutschen Unternehmen in der Medizintechnik zeichnen sich durch eine Vorreiter- und Innovatorenrolle aus, was nicht zuletzt durch überdurchschnittlich hohe Ausgaben für Forschung und Entwicklung deutlich wird. So liegt die F&E-Quote gemäß dem deutschen Industrieverband Spectaris bei rund 9 Prozent und rund 15 Prozent der Beschäftigten sind im Bereich Forschung und Entwicklung tätig. Entsprechend hoch ist der Anteil, den sich die deutschen Unternehmen an dem Markt der sehr „jungen“ Produkte sichern.

DEM: Bitte skizzieren Sie die deutsche Medizintechnikbranche mit ein paar Schlagworten zu Umsatz, Mitarbeitern, Angebotsschwerpunkten und lokalen Zentren?

Gregor Bischkopf: Die Unternehmen der deutschen Medizintechnik generieren mit rund 90.000 Mitarbeitern ein Umsatzvolumen von ca. 20 Mrd. Euro. Hiermit ist Deutschland innerhalb der EU führend und weltweit hinter den USA und Japan die Nummer drei. Wenn man eine Region in Deutschland hervorheben will, so ist diese Baden-Württemberg. Hier haben über 20 Prozent der deutschen Unternehmen aus der Medizintechnik ihre Standorte.

DEM: Internationale Hersteller zum Beispiel von Herzschrittmachern, künstlichen Hüftgelenken oder Silikonkissen zur Brustvergrößerung gerieten jüngst wegen mangelhafter Produktqualität in die Kritik. Wird die Qualität medizintechnischer Produkte ausgerechnet im kontrollsüchtigen Europa zu wenig kontrolliert?

Gregor Bischkopf: Hier ist für mich eine klare Antwort sehr schwierig. Denn natürlich wird in Europe viel kontrolliert und vielfach zu Recht. Allerdings wird es immer auch schwarze Schafe geben, die die Kontrollen umgehen und sich daraus Vorteile verschaffen.

DEM: Es gibt eine Diskrepanz in der Kontrolle der Pharmaindustrie einerseits und der Medizintechnikbranche auf der anderen Seite. Pharmakologische Produkte durchlaufen einen langen Genehmigungsprozess mit klinischen Studien, ein Medizintechnik-Hersteller dagegen kann sich bei vielen Stellen ein CE-Zeichen besorgen und sein Produkt vermarkten. Warum wird die mögliche Gesundheitsgefährdung von Patienten hier weniger beachtet?

Gregor Bischkopf: Auch diese Frage können wir als Veranstalter der MEDTEC Europe nicht eindeutig beantworten, da wir im Rahmen der Messe den Ausstellern eine Plattform bieten, die mit Ihren Produkten und Technologien den europäischen Medizintechnikunternehmen bei der Produktion zur Seite stehen. Wir gehen aber davon aus, dass es sich hierbei um ausgereifte und zugelassen Lösungen handelt, die dem Wohle des Patienten dienen. Die Festlegung zum Prozedere der Zulassung von Produkten und Lösungen überlassen wir den Fachleuten aus der Industrie und Politik.

DEM: Gibt es auf der Messe MEDTEC Initiativen oder Veranstaltungen zum Thema Innovationen und Qualitätsmanagement?

Gregor Bischkopf: Im Rahmen der MEDTEC Europe führen wir alljährlich unsere begleitende Konferenz und seit vier Jahren gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut unser ergänzendes Innovationsforum durch. Beide Veranstaltungen behandeln immer die aktuellsten Innovationen und Herausforderungen – auch im Qualitätsmanagement.

DEM: Sie weisen dieses Jahr erstmalig acht Messethemen aus – von Medical Automation bis zu IVD Manufacturing. Welche Idee steckt dahinter und wie wird dies auf der Messe umgesetzt?

Gregor Bischkopf: Wir haben in den letzten Jahren immer wieder Sonderthemen unter eigenem Namen in die MEDTEC Europe eingebracht. Diese haben sich inzwischen so gut im Rahmen der Dachmesse MEDTEC Europe etabliert, dass wir sie künftig nicht mehr als eigene Messen führen, sondern durch einzelne Zonen auf die Spezialbereiche hinweisen werden.

DEM: Ein Messebereich heißt Medizinisches Rapid Manufacturing. Er vereint Rapid Prototyping und generative Fertigung und umfasst zudem Digitalisierungs- und Scanning-Technologien sowie CAD/CAE/CAM-Software. Welchen Stellenwert haben diese Lösungen auf der Messe? Wie viele Aussteller erwarten Sie in diesem Themenumfeld?

Gregor Bischkopf: Wir weisen diesem Bereich der generativen Herstellungsverfahren einen hohen Stellenwert zu. Das lässt sich alleine darin erkennen, dass wir ihm eine eigene Zone zuweisen. Der Trend vom Rapid Prototyping über das Rapid Tooling hin zum Rapid Manufacturing als solchem hat sich in den letzten Jahren verstärkt. Diesem insbesondere von Besuchern getragenen Interesse werden wir in dieser Form gerecht – trotz einer recht kleinen Ausstellerzahl, die bei etwa 70 liegen dürfte.

DEM: Profitiert die Medizintechnik von Innovationen in anderen Industriebranchen? Können Sie Beispiele nennen?

Gregor Bischkopf: Die Medizintechnik profitiert in ganz großem Maße von den Innovationen anderer Industrien. Als Beispiel möchte ich die generativen Herstellungsverfahren nennen. Traditionell waren diese Verfahren zunächst im Flugzeug- und Automobilbau zu finden, bevor Sie auch in der Medizintechnik Einzug hielten.

DEM: Auf der MEDTEC spielen die Anbieter von Metall- und Kunststoffbearbeitung eine wichtige Rolle. Doch in den letzten Jahren wird der Elektronik- und Software-Anteil auch in Medizintechnischen Produkten immer wichtiger, Stichwort Mechatronik. Reflektiert die MEDTEC diesen Trend?

Gregor Bischkopf: Hier sprechen Sie ein Sonderthema an, dass im Rahmen der MEDTEC Europe als eigenständiges Thema unter dem Namen DesignMed bestand hat. Hier wird speziell Firmen wie Analog Devices oder STMicroelectronics eine eigene Plattform geboten. Zudem bedienen wir die interessierten Entwickler mit einer gesonderten Konferenz.

DEM: Herr Bischkopf, vielen Dank für diese Gespräch.

Das Interview führte Thomas Otto

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