Lieferanten-Studie: Die IoT- und Industrie-4.0-Markttrends

Die Information Services Group (ISG) hat die die 3. Auflage der „ISG Provider Lens Germany 2018 – Internet of Things (I4.0) Platforms, Services & Solutions“ veröffentlicht. Sie zeigt, dass sich die Entwicklung hin zur intelligenten Fabrik beschleunigt und Anbieter aus Produktionssteuerung, Fertigungsautomation, Software und IT Services mit dieser Entwicklung Schritt halten müssen. Von Dr. Henning Dransfeld

Während der Einsatz von IoT für vernetzte Elektrogeräte daheim oder das vernetzte Auto noch in den Kinderschuhen steckt, nimmt die Vision von Industrie 4.0 als die profitable Produktion von Gegenständen höchster Komplexität in der Losgröße 1 Form an. Jedoch ist es noch ein langer Weg zum Ziel. Trotzdem gibt es kaum ein produzierendes Unternehmen, das sich nicht schon auf den Weg gemacht hat. Erste Erfahrungen wurden durch den frühen Einsatz von Predictive Analytics in den Fertigungsanlagen gesammelt. Jetzt geht es vielen Produktionsleitern darum, die Grundstrukturen zu schaffen und bestehende IoT-Insellösungen sicher und über offene Standards miteinander zu vernetzen, um den Automatisierungsgrad insgesamt voranzutreiben.

Anbietermarkt: Weites Feld zwischen spezialisierten und horizontalen Lösungen

Die im Rahmen der vorgestellten Studie untersuchten Plattformen reichen von sehr hoch spezialisierten Industrie 4.0-Plattformen zur optimierten Produktionssteuerung bis hin zu iPaaS zur Integration von unterschiedlichen Anwendungssystemen über eine PaaS-Cloud-Infrastruktur (PaaS für Plattform as a Service, iPaaS für Integrationsplattform as a Service).

Im Rahmen der vorliegenden Studie wurden von Anfang April bis Anfang Mai 2017 über 100 Anbieter identifiziert, die Lösungen und Dienstleistungen im deutschen Markt offerieren. Davon wurden 74 Anbieter als relevant bewertet und für eine detaillierte Analyse und Positionierung ausgewählt.

Ergebnisse der Studie

IoT-Plattformen werden dynamisch über offene Schnittstellen vernetzt. In den letzten zwölf Monaten sind einige größere IoT-Ökosysteme entstanden, in denen Softwarehersteller, IT-Systemhäuser und Hardwareproduzenten eng miteinander kooperieren. Nahezu jeder Anbieter und Dienstleister setzt auf offene Schnittstellen, um an den verschiedensten IoT-Plattformen und Cloud-Lösungen andocken zu können.

iPaaS für IoT wird zur offenen Drehscheibe für Anwendungen. IoT-Plattformen stehen für die Datenintegration, -speicherung, -analyse und -visualisierung im Mittelpunkt der Entwicklung. Jeder Plattformanbieter weiß, dass er nur so stark ist wie die Summe seiner Anwendungspartner. Durch den Preisverfall der Sensorik wird die Vernetzung und damit die Dynamik von IoT-Plattformen zunehmen.

Industrie-4.0-Plattformen bilden die Basis für höhere Automatisierung. Sie werden für vorausschauende Instandhaltung oder für die Analyse der realen Nutzungszeit von Maschinen verwendet. Sie erhöhen die Verknüpfung von Analytics mit MES-Systemen und ERP-Anwendungen. Die Königsdisziplin sind flexible Rule Engines, bei denen kontextbezogene Entscheidungen, beispielsweise zur Werkzeugbilanzierung, getroffen werden.

Industrial Analytics muss komplexeren Anforderungen gerecht werden. Industrial Analytics wird heute eingesetzt, um Produktionsleitstände mit strukturierten Daten zu versorgen und Produktionsabläufe besser zu steuern. Das ist ein erster Schritt zur Automatisierung. Doch die Lösungen müssen komplexere Aufgaben meistern, beispielsweise die Konsolidierung von Daten aus sehr unterschiedlichen Quellen im Produktionsumfeld.

IoT-Security-Anforderungen werden unterschätzt. Im Fokus steht die Vermeidung von Produktionsfehlern und Sabotage. Zudem muss auch Industriespionage abgeblockt werden, die ohne physischen Zugang zur Fabrik durchgeführt wird. Durch die zunehmende Vernetzung der Endpoints mit IT-Systemen wie ERP oder der Cloud entstehen auf der gesamten Strecke neue Anforderungen. Anbieter werden ihr Portfolio ausweiten, Allianzen eingehen oder aus diesem Markt verschwinden.

IoT-Starterkits sind Schnellboote für den Einstieg in IoT Use Cases. Starterkits haben durch konkrete Use Cases einen hohen Reifegrad erlangt. Bei den Starterkits gibt es zwei Hauptrichtungen: Die einen fokussieren sich auf Maschinendaten inklusive Visualisierung, die anderen auf vollständige Use Cases mit automatisierten Aktionen oder integrierten Business-Anwendungen. Die Zahl der Projekte wird nach Ansicht von ISG kräftig wachsen.

IoT-Beratung und Integration – die Vision fehlt. Berater sind gefordert, Wege aufzuzeigen, wie IoT Geschäftsmodelle zukunftssicher verändern kann. Ob in der Automobilindustrie, im produzierenden Gewerbe, Facility Management, Retail oder in der Logistik – in nahezu allen Branchen klaffen Vision und Implementierung weit auseinander. Andererseits sehen wir Visionen von selbstfahrenden Schiffen und Autos sowie vollautomatisierten Firmen und die Optimierung von Prozessen in kleinen Schritten.

Daraus erwachsen Anforderungen, denen sich alle Anbieter in diesem Jahr stellen müssen. Mit der gegebenen Marktreife sind Kriterien wie „vorzeigbare Kundenprojekte“ heute ausschlaggebender als noch vor drei Jahren.

Fazit

Der Markt hat sich sehr stark erweitert, da die Plattformanbieter die Notwendigkeit des Themas iPaaS for IoT für sich erkannt haben und eigene, oft auch sehr auf das Thema IoT abgestimmte Lösungen anbieten. Hierzu gehören Unternehmen wie Bosch SI, FORCAM, relayr und QSC. Aufgrund der Komplexität werden von diesen Anbietern oft sehr industriespezifische Lösungen offeriert, speziell in den Bereichen Engineering/Manufacturing oder Energie. Einige Lieferanten bieten iPaaS nur im Rahmen ihrer IoT-Plattform an; sie wurden in diesem Bereich der Studie nicht bewertet, da es sich um kein eigenständiges System handelt.

Autor: Dr. Henning Dransfeld ist Principal Consultant bei ISG Research

 

 

  • Ergebnisauszug Marktsegment “Integration Platforms (iPaaS for IoT)” aus der Studie „ISG Provider Lens Germany 2018 – Internet of Things (I4.0) Platforms, Services & Solutions“. Bild: ISG
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